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Potsdam Hasso Plattner – Der Unermüdliche
Lokales Potsdam Hasso Plattner – Der Unermüdliche
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12:33 21.01.2019
2017: Kunstmäzen Hasso Plattner vor dem Monet-Gemälde „Seerosen“ im Barberini. Quelle: Foto: imago
Potsdam

Es war eine ungenießbar Forelle, die einen der reichsten Männer Deutschlands 1988 nach Potsdam geführt hat. Hasso Plattner hatte Hunger, aber das Teil, das ihm in einen Restaurant in Werder/Havel serviert worden war, war innen noch nicht mal richtig aufgetaut. Wo also schnell was zu Essen auftreiben? In der DDR war das ja manchmal nicht so einfach. Plattner versuchte es in Potsdam – und so bekam der Westberliner erstmals diese Stadt zu Gesicht.

Es war eine folgenreiche Begegnung – für Plattner und für Potsdam. Plattner hat sich in diese Stadt verliebt. Heute ist der Mitbegründer des Baden-Württembergischen Software-Unternehmens SAP Ehrenbürger Potsdams und wohnt in Babelsberg. Die Stadt hat in ihm nicht nur einen Freund, sondern zugleich einen finanzkräftigen Mäzen, um den sie so manche beneiden. Am Montag feiert Hasso Plattner seinen 75. Geburtstag.

Die Liebe zu Potsdam kam in Schüben und verlief in emotionalen Achterbahnen. Das viele Wasser um die Stadt reizte den Hobby-Segler von Anfang an. Aber da war ja noch die Mauer. So richtig entschieden hat sich Plattner erst, nachdem ihn Brandenburgs damaliger Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) 1997 nach einer Talkrunde bei Sabine Christiansen einlud und wenig später mit ihm durch die Landeshauptstadt spazierte. Seitdem engagiert sich der mehrfache Milliardär mit zahlreichen Projekten.

Durch und durch Unternehmer

Hasso Plattner liebt es unkonventionell. Er ist kein Schlips-und-Kragen-Typ, sondern eher einer der hemdsärmelig zupackt und auch mal im Polo-Hemd auftritt. Einer der als SAP-Chef auch mal ausrasten konnte, wenn ihm etwas nicht schnell genug ging. Plattner ist Unternehmer durch und durch.

Noch mit über 70 ist er Aufsichtsratschef bei der Walldorfer Firma, die er 1972 mit vier Mitstreitern gründete und die eine Niederlassung im kalifornischen Paolo Alto unterhält. Viele Jahre verbrachte er in den USA, ein Land, das ihn geprägt hat und ein wenig sein Selbstverständnis als Mäzen erklärt.

In den 90er Jahre hatte er die Idee, eine Universität zu gründen, ganz nach dem Vorbild großer Stifter in den USA. Doch das war wohl auch für den mehrfachen Milliardär einen Nummer zu groß. Sein Verständnis von Verantwortung für die Öffentlichkeit hat in Potsdam trotzdem Spuren hinterlassen. 1998 gründete er das Hasso-Plattner-Institut (HPI), eine Kaderschmiede für Software-Experten am Griebnitzsee, die deutschlandweit seinesgleichen sucht.

In den 90er-Jahren entdeckte Hasso Plattner seine Liebe zu Potsdam – der SAP-Gründer wurde der wichtigste Mäzen der Stadt. An diesem Montag wird er 75 Jahre alt.

Plattner finanzierte den Lehrbetrieb mit mehr als 200 Millionen Euro. Mittlerweile gehört das Institut regulär zur Universität Potsdam. Plattner hält dort gelegentlich Vorlesungen, spricht gern wohlwollend von „meinen Doktoranden“ und war sich auch nicht zu schade, bei Institutsfesten mal zur E-Gitarre zu greifen und mit Kommilitonen kräftig abzurocken.

Auch das erinnert an Gepflogenheiten aus den USA. Als Potsdams neueste Attraktion, das Museum Barberini im Januar 2017 eröffnet wurde, standen die alten Granden um John Fogerty von Creedence Clearwater Revival leibhaftig auf der Bühne und verwandelten die Vernissage in eine Rockparty. Dass Plattner, dessen Stiftung das Museum finanziert, dort ausgewählte Impressionisten aus seiner Privatsammlung zeigen konnte, war ein Triumph, nachdem der Kunstmäzen sich fast enttäuscht aus der Stadt zurückgezogen hätte.

Pläne für Hotel Mercure kamen nicht gut an

Denn es gab auch Rückschläge in der Beziehung P & P – Plattner und Potsdam. Seine Idee, den ästhetisch umstrittenen Turm des ehemaligen Inter-Hotels und heutige Mercures einfach abzureißen, um dort eine Kunsthalle zu errichten, kam 2012 bei Teilen der Potsdamer Bevölkerung nicht so gut an. Plattner war irritiert und erwog, seine Kunstpläne woanders zu realisieren.

War es Überempfindlichkeit oder Bescheidenheit? Plattner sagte, er wolle den Potsdamern nichts aufdrängen. Und lies sich umstimmen, als tausende Potsdamer, darunter Prominente wie Nadja Uhl, Wolfgang Joop und Günter Jauch im Potsdamer Lustgarten demonstrierten.

Sieben Jahre später ist das alles fast vergessen. Plattner ließ neben dem Stadtschloss das im Krieg zerstörte Palais Barberini wieder aufbauen. Das Museum zeigt eine hochkarätige Schau nach der anderen. Allein im ersten Jahr strömten rund 500 000 Besucher in Ausstellungen – mehr als in Potsdams berühmte Preußenschlösser. Plattner hat Potsdam einen neuen Touristenmagneten verschafft.

Langsam auf dem Rückzug

Das Museum ist bislang der krönende Abschluss von Plattners Mäzenatentum. Ohne ihn sähe das wiederaufgebaute Schlosses wohl kaum so aus wie heute. Auf sein Konto gingen die Finanzierung der Fassade und des Kupferdaches. Und auch als Unternehmensstandort hat Plattner versucht, die Stadt attraktiv zu machen, indem er eine Risikokapitalfirma in Potsdam gründete und eine SAP-Niederlassung an den Jungfernsee holte.

Hasso Plattner sucht offenbar weiter nach Herausforderungen. Im vergangenen Jahr wollte er es noch einmal wissen: Zusammen mit seiner Tochter nahm er an der internationalen Segel-Regatta 52 Super Series teil. Nur knapp verpasste ihr Team mit Plattners Tochter am Steuer den Sieg vor der kroatischen Küste – in der Gesamtwertung schafften sie es auf Rang sieben. In einem Alter, in dem andere sich zurückziehen, bleibt Plattner weiter aktiv.

Keine Segelregatten mehr

Inzwischen scheint es um ihn aber etwas ruhiger geworden zu sein: Die Zeiten, in denen der Mann, dessen Vermögen das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ auf 12,5 Milliarden US-Dollar schätzt, sich mit E-Gitarre auf die Bühne vor Kunden stellte, sind vorbei. Die Regatten in den kleinen 505er-Jollen mutet er sich ebenfalls nicht mehr zu.

Auch die legendären Segelwettfahrten gegen Oracle-Chef Larry Ellison sind Geschichte – und mit streitbaren Verlautbarungen hielt er sich zuletzt ebenfalls zurück. Auch seine Drohung, seine Sammlung wegen des neuen Kulturgutschutzgesetzes in Deutschland nicht mehr zu zeigen, hat er nicht wahr gemacht.

Trotzdem zieht Plattner wie selbstverständlich bei seinem eigenen Unternehmen als letzter der SAP-Gründer noch weiter die Strippen – auch wenn er das so niemals sagen würde: „Ich bin kein Über-Chef“, sagte er 2013 der „Wirtschaftswoche“. Aber so langsam scheint er doch ein wenig kürzer treten zu wollen. Auf der Hauptversammlung 2017 kündigte Plattner für die diesjährige Aufsichtsratswahl an: „Ich bin durchaus bereit weiterzumachen, aber nicht volle fünf Jahre.“

Von Mathias Richter

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