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Potsdam Brisantes Derby um den Landespokal
Lokales Potsdam Brisantes Derby um den Landespokal
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16:53 21.05.2018
Im April vor einem Jahr trafen die Mannschaften aufeinander. Es kam zu Ausschreitungen. Nun kommt es zu einem Wiedersehen. Quelle: dpa
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Potsdam

Am Montagnachmittag spielt der SV Babelsberg 03 zuhause gegen Energie Cottbus das Finale im Landespokal. Es geht um den Titel und damit um den Einzug in die erste Runde im DFB-Pokal. Die sportliche Brisanz ist groß - die Abneigung beider Fangruppen noch größer.

>>> Das Landespokalfinale im Liveticker

Die Partei, die im Rahmen des „Finaltags der Amateure“ in einer Fernseh-Konferenz zu sehen sein wird, wird ein brisantes Wiedersehen im Karl-Liebknecht-Stadion: Im April 2017 wurde dort eine Ligapartie von Ausschreitungen überschattet. Weil Babelsberger Fans auf rechte Parolen und Hitlergrüße einiger Cottbuser Fans mit „Nazi-Schweine raus“ antworteten, bekam neben Energie auch Babelsberg eine Strafe über 7000 Euro aufgebrummt.

In Cottbus und Potsdam hofft man auf ein spannendes Fußballspiel. Die Oberbürgermeister Holger Kelch (Cottbus) und Jann Jakobs (Potsdam) hoffen auf ein friedliches Fußballfest: „Hass und Gewalt gehören nicht ins Stadion und nirgendwohin – auch nicht auf den Rasen oder auf die Ränge“, sagen sie in einer gemeinsamen Mitteilung.

Lese Sie hierzu: Das müssen Sie am Pfingstmontag beachten

Diese Straßen sind gesperrt – auch Busse fahren teilweise nicht

Zwischen 10 und 21 Uhr wird am Pfingstmontag die Allee nach Glienicke, ab der Einmündung Grenzstraße bis An der Sternwarte voll gesperrt.

Auch die Karl-Liebknecht-Straße ist gesperrt.

Die Sperrungen haben auch Auswirkungen auf den Busverkehr – die Linie 616 wird zwischen 14 und 21 Uhr unterbrochen.

Die Polizei bittet darum, den Bereich rund ums Karl-Liebknecht-Stadion weiträumig zu umfahren. Wer zum Spiel anreist, sollte das mit Bus und Bahn tun.

Es folgte eine viel beachtete monatelange Auseinandersetzung mit dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV). Zugleich entstand die Idee, eine Solidaritätsaktion ins Leben zu rufen: „Nazis raus aus den Stadien“ heißt sie. „Mit der ursprünglichen Beleidigung wollten wir keine T-Shirts verkaufen, das war zu radikal“, erklärte Babelsberg-Sprecher Thoralf Höntze, „deshalb haben wir das etwas abgewandelt, so hatte jeder die Möglichkeit, sich mit der Aktion zu identifizieren.“

In der Tat erfuhr der kleine Verein eine immense Unterstützung. Borussia Dortmund orderte ebenso Shirts in seinen Vereinsfarben wie der SC Freiburg oder Werder Bremen. Der Fanbeauftragte Rainer Mendel des 1. FC Köln, der Fanschals mit dem Slogan verkauft, sagte stellvertretend: „Uns war schnell klar, dass wir die Aktion unterstützen. Ein kleiner Verein wie Babelsberg darf in so einer Situation nicht alleine dastehen.“

Brisante Derbys

Im April 2017 trafen die beiden Teams in Potsdam aufeinander. Das Spiel, das Babelsberg mit 2:1 gewann, wird als Skandalspiel in die Geschichte beider Vereine eingehen. Cottbuser Anhänger stürmten den Platz, in beiden Fanlagern wurden Feuerkörper gezündet. Die Partie stand kurz vor dem Abbruch.

Nach dem Spiel begann eine juristische Auseinandersetzunge der Vereine mit dem Nordostdeutschen-Fußball-Verband. Die Chronik können Sie hier nachlesen.

Das Spiel war nicht das erste, bei dem es zu Ausschreitungen kam. Bereits 2015 kam es zu Ausschreitungen. Die Teams trafen im Landespokal im Halbfinale aufeinander. Babelsberg verlor 0:2. Beide Fanlager zündeten Pyrotechnik, das Spiel musste unterbrochen werden. Damals trafen die beiden Teams zum ersten Mal nach der Wende in einem Pflichtspiel aufeinander.

Zahlreiche weitere Clubs und Fans zeigten sich solidarisch, selbst im Ausland; mit Plakaten, Spenden oder eben bislang rund 6000 erworbenen T-Shirts. „Wir haben das Gefühl, dass viele nach einem Ventil gesucht haben, ihr Engagement gegen Nazis auszudrücken. Und in unserem konkreten Fall hatten sie dann eine Möglichkeit“, erklärte Höntze.

Die ursprüngliche Strafe hat Babelsberg längst begleichen können, wobei die Hälfte der Summe nach einem Kompromiss direkt in Präventionsarbeit floss, wie Höntze erzählte. Dafür sei etwa der Gästeblock im Karl-Liebknecht-Stadion umgebaut worden, um neuerliche Ausschreitungen zu verhindern.

Im Finale geht es um einen Platz im DFB-Pokal

Dort werden sich nun am Montag wieder Cottbuser Fans einfinden. Beim Punktspiel in dieser Saison waren keine Gästefans zugelassen. Vor dem leeren Gästeblock hingen nur Plakate mit dem überdimensionalen T-Shirt sowie den Unterstützern der Kampagne. Babelsberg-Sprecher Höntze glaubt, dass sich die Ereignisse aus dem Vorjahr trotz der sportlichen Brisanz nicht wiederholen werden. Auch wenn es in dem Landespokalfinale zugleich um die Qualifikation für den finanziell lukrativen DFB-Pokal geht.

Das sollten Besucher wissen

Wer das Spiel besucht und bereits eine Karte hat, sollte auf jeden Fall mit Bus oder Bahn anreisen.

Am Donnerstagabend gab es noch Karten für das Spiel zu kaufen. Die Kassenhäuschen öffnen bereits ab 15 Uhr. Tickets für den Gästeblock von Energie Cottbus sind jedoch ausverkauft.

Auch im Internet, über die Seite des SV Babelsberg 03, können Tickets gekauft werden. Dort werden nur Stehplatzkarten angeboten. Wer lieber sitzen will, kann im Fanshop des SV Babelsberg am Karl-Liebknecht-Stadion Karten bekommen.

Heim- und Gästefans werden strikt getrennt. Der Einlass für die Heimfans ist über die Karl-Liebknecht-Straße. Energie-Cottbus-Anhänger gelangen über die Allee nach Glienicke ins Stadion.

Die viel beachtete Aktion wird in jedem Fall fortgeführt – auch wegen der großen Unterstützung. „Wir überlegen sogar schon, die Kampagne in eine andere Rechtsform zu führen, so dass auch andere Vereine mit in die Gemeinschaft eintreten können“, sagt Höntze. Denn von den Einnahmen – aktuell sind es laut Höntze schon 20.000 Euro – sollen auch andere kleine Projekte und Vereine unterstützt werden. Etwa ein Rechtsstreit des Hamburger Kreisligisten TuS Appen, der einen NPD-Funktionär ausschließen will. Ganz im Sinne von „Nazis raus aus den Stadien“.

Von MAZonline und dpa

Am Pfingstmontag spielt der SV Babelsberg 03 gegen den Energie Cottbus im Finale. Der Gewinner zieht in die erste Runde des DFB-Pokals ein. Um die An-und Abreise der Fans zu sichern, sperrt die Polizei einige Straßen.

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