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Potsdam Sag’ zum Abschied leise „Bayartay“!
Lokales Potsdam Sag’ zum Abschied leise „Bayartay“!
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22:55 08.07.2016
Elona Müller-Preinesberger mit ihren Töchtern Lena (l.) und Anne.
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Potsdam

In Abwandlung eines alten Spruchs könnte man in Zusammenfassung des gestrigen Nachmittags im Rathaus sagen: Stell’ dir vor, es ist Dezernenten-Abschied und alle gehen hin! Nach 13 Jahren im Amt wurde Elona Müller-Preinesberger (parteilos) in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet. Sie will sich von nun an intensiver ihrem Mann Ignaz und ihrer Familie widmen. Der jüngste Gast im proppenvollen Plenarsaal war die sechs Monate alte Enkelin der scheidenden Dezernentin. Nach den Reden standen die Gäste in einer langen Schlange an, um sich von Müller-Preinesberger zu verabschieden.

Klinikum-Chef Steffen Grebner verabschiedet sich von Elona Müller-Preinesberger, die im Aufsichtsrat des städtischen Unternehmens saß. Quelle: Köster

Für berufsmäßige Förmlichkeiten war an diesem Tag wenig Platz: Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sprach nicht mehr von „Frau Müller-Preinesberger“, sondern wechselte auch am Rednerpult zum persönlichen „Du“ und zu „Elona“. Umkehrt wurde aus Jakobs in Müller-Preinesbergers Rede „der Jann“. Beide sind langjährige Weggefährten, deren Geschichte bis in die 1970er-Jahre in das Sozialamt Berlin-Spandau zurückreicht. „Ich war der Laufbursche des Sozialamtes, der die Hilfsbedürftigkeit von Leistungsempfängern kontrollierte und vor Ort einzuschätzen hatte, ob weitere Hilfe nötig war“, so Jakobs. „Frau Müller-Preinesberger entschied anschließend darüber, ob denn meine Einschätzung richtig war.“ Manchmal ging es um Kühlschränke, manchmal auch um den Bedarf an neuen Gebissen, schilderte Jakobs den anscheinend abwechslungsreichen Arbeitsalltag.

„Biss“ in Form von Engagement bewies Müller-Preinesberger später ab 2003 als Dezernentin in Potsdam. Die Umsetzung der Arbeitsmarktreformen der Schröder-Regierung mit dem Aufbau des heutigen Jobcenters zählte zu ihren ersten Aufgaben im Amt. Im Bereich der Kinder-Betreuung schaffte sie es, „die Anzahl der Kita-Plätze in Potsdam jeweils mit dem Bedarf steigen zu lassen, oft 500 bis 600 Plätze pro Jahr“, lobte Jakobs. Die letzten Jahren waren geprägt von den Diskussionen um die Flüchtlingsunterbringung. Dabei stand die Dezernentin in 28 Bürgerversammlungen Rede und Antwort.

Auch die Gäste hoben dieses Stehvermögen hervor. „Ich habe sie bei einer Versammlung zu den Flüchtlingen erlebt: Sie hat ganz offen und von ganzem Herzen gesprochen und trotzdem haltungsstark – sie hat mich menschlich enorm beeindruckt“, sagte Theater-Intendant Tobias Wellemeyer beim anschließenden Imbiss. Statt Geschenken hatte sich Müller-Preinesberger Spenden für die Inszenierung eines Stückes mit Flüchtlingen gewünscht („Gehen und Bleiben“), das ab März im HOT gespielt wird.

„Hexenbesen“ vom Frauenzentrum

Elona Müller-Preinesberger wurde am 21. August 1953 geboren. Sie wohnt in Berlin. Sie studierte an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege. U.a. war sie als Ausländerbeauftragte beim Bezirksamt Spandau tätig.

Seit 2003 war sie Beigeordnete für Soziales, Jugend, Gesundheit, Ordnung und Umweltschutz in Potsdam. Seit 2013 heißt der Geschäftsbereich Soziales, Jugend, Gesundheit und Ordnung.

Das Autonome Frauenzentrum zeichnete sie im April mit dem „Hexenbesen“ aus, um ihre Arbeit zu würdigen.

Dirk Harder, Chef des Soziokulturzentrums „Freiland“, sagte: „Ich bin sehr dankbar, dass sie mir immer den Rücken gestärkt hat in Bezug auf das Freiland. Sie hat immer ein offenes Ohr für mich gehabt.“ Feuerwehr-Chef Wolfgang Hülsebeck lobte ebenfalls „ihre ständige Bereitschaft, Probleme aufzugreifen und Lösungen zu suchen“ Kanu-Olympionike Jürgen Eschert hatte als Erinnerungsstück einen kleinen Stein aus dem Fassadenmaterial der Kanu-Scheune mitgebracht.

Kanu-Olympionike Jürgen Eschert brachte als Erinnerungsstück einen kleinen Stein mit, der aus dem Fassadenmaterial der Kanu-Scheune besteht. Quelle: Köster

Gäste wie Superintendent Joachim Zehner, die Pro-Potsdam-Chefs Horst Müller-Zinsius und Bert Nicke, die Beigeordneten-Kollegen Iris Jana Magdowski (CDU) und Burkhard Exner (SPD) und fast die halbe Stadtpolitik waren gekommen, um der scheidenden Dezernentin noch mal die Hand zu schütteln. Ihrem Nachfolger, dem bisherigen SPD-Fraktionschef Mike Schubert, wünschte Müller-Preinesberger „Energie, Weitsicht und Empathie für die Menschen“.

Kreativer Höhepunkt der Feier war der witzige Abschiedsfilm der Rathaus-Mitarbeiter. Er gipfelte in einem herzlichen „Bayartay“ an die Ex-Dezernentin, die nun bald ihre Reiseleidenschaft ausleben kann: Bayartay heißt auf Mongolisch „Tschüss!“ Freudig wurde aus dem Nähkästchen geplaudert, etwa als Stadtsprecher Stefan Schulz feuchte Momente beichtete: „Ich habe Frau Müller-Preinesberger einmal bei einer Feier Rotkäppchen-Sekt übers Kleid gekippt.“ Seit diesem Fauxpas, so Schulz augenzwinkernd, übe er heimlich nach Feierabend in den leeren Rathaus-Gängen das Balancieren von Tabletts mit Sektgläsern. Die „Beweisbilder“ im Film, auf denen der Sprecher mit elegantem Hüftschwung beim Tablett-Balancieren seine Kellner-Qualitäten unter Beweis stellt, werden sicher in die Annalen des Rathauses eingehen.

Von Ildiko Röd

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