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Potsdam Sandow sammelt für neues Album
Lokales Potsdam Sandow sammelt für neues Album
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20:22 04.11.2016
Tilman Berg, Kai-Uwe Kohlschmidt, Tilman Fürstenau und Chris Hinze (v.l.n.r.) sind Sandow. Quelle: Promo/Marek Kucera
Potsdam

Die Wüste, die Arktis, die neue Weltordnung und der Nanga Parbat, von den Nazis zum „Schicksalsberg der Deutschen“ ausgerufener Achttausender im Westhimalaya – Sandow, diese legendäre Avantgarde-Band aus Brandenburg, hat ihren Sinn für extreme Themen behalten. Mehr als neun Jahre ist es her, dass sie im Potsdamer Nikolaisaal gemeinsam mit dem Filmorchester Babelsberg ihr bislang letztes Album „Kiong – Gefährten der Liebe“ präsentierten. Nun wird eine neue Platte vorbereitet.

Im Sommer 2017 soll das Konzeptalbum „Entfernte Welten“ erscheinen. Für den Herbst ist zum 35. Bandjubiläum eine deutschlandweite Tournee angekündigt. Die Produktion des Studioalbums soll mit Hilfe der Fans finanziert werden. In dieser Woche startete auf der Internetseite „Startnext“ eine Crowdfunding-Aktion, mit der innerhalb von 90 Tagen 8000 Euro eingesammelt werden sollen.

Als Dankeschön winken den Kleinaktionären handsignierte CDs und Langspielplatten, Proberaumkonzerte und für höhere Beträge Skulpturen von Chris Hinze, dem Gitarristen der Band, der auch auf der Bühne immer wieder mit Kettensäge oder Presslufthammer am Werken ist. Die Spendenaktion lief blitzartig an. Schon nach dem ersten Tag war ein Viertel des Zielbetrages beisammen.

Sandow im August 2007 mit dem Filmorchester Babelsberg im Potsdamer Nikolaisaal. Quelle: Joachim Liebe

Sandow wurde von Kai-Uwe Kohlschmidt und Chris Hinze 1982 im gleichnamigen Cottbuser Stadtteil gegründet. Über den Dokumentarfilm „Flüstern und Schreien – Ein Rockreport“ wurden sie in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre einem größeren Publikum bekannt. Mit drei Songs waren sie 1988 auf einem beim staatlichen Plattenlabel Amiga erschienenen Sampler „Die anderen Bands" vertreten.

Der Titel dieser Platte wurde zum Sammelbegriff für eine in der späten DDR entstandene Alternativrockszene, die nach Wandlungen und Häutungen mit Folgeprojekten wie Rammstein bis in die Gegenwart hinein wuchtige Akzente setzen sollte. Eines ihrer frühen Konzerte hatten Rammstein Anfang der 1990er Jahre im Babelsberger Lindenpark als Vorband von Sandow.

1990 erschien deren erste Platte „Stationen einer Sucht“ mit Titeln wie „Schweigen und Parolen“ und „Kinder des Verbrechens“, vor allem aber mit dem Song „Born in the G.D.R.“, der später als Ostalgie missdeutet wurde, obwohl das vor dem Mauerfall eingespielte Stück das glatte Gegenteil davon war.

Wie oft sich Sandow in den wilden Nachwendejahren mit crossmedialen Projekten, exzessiven Liveshows und Massenperformances wie „Ngoma“ mit mehreren hundert Trommlern neu erfanden, wissen nur sie selbst. „Wir haben alles zerstört und abgebrochen“, sagt Tilman Berg, der Schlagzeuger, „immer wieder.“

Geprobt haben sie lange im Waschhaus-Offizze in der Schiffbauergasse. „Stachelhaut“, das letzte Album vor dem Aus der Band, wurde im selben Gebäude im Tonstudio von Z.A.P. alias Jörg-Peter Salge gemischt. Mit der Sanierung der Schiffbauergasse zum modernen Kulturstandort verschwanden Proberaum und Tonstudio. Das „Stachelhaut“-Release war 1999 im Archiv in der Leipziger Straße. Dann zogen sich die Bandmitglieder für eigene Projekte zurück.

Seit der Reunion mit „Kiong“ 2007 ist Sandow wieder da. Die ersten Songideen für „Entfernte Welten“ sind schon 2008/09 entstanden, sagt Tilman Berg. Zum Proben treffen sie sich jetzt im Potsdamer Kunsthaus „Sans titre“. Die neue Platte soll in den „Blockhaus-Studios“ von Jürgen Block in Lütte/Bad Belzig eingespielt werden, in denen die Band Keimzeit zu Hause ist.

Pro Jahr geben Sandow vielleicht zehn Konzerte. Einige der neuen Titel, „Die Wüste“, „Man 8“, „Sei trunken“, hatten sie auf ihren Touren bereits im Programm. „Man 8 – Du strahlst“ erschien schon 2013 auf einem Jubiläums-Sampler „Smiling Shadows“ ihrer Plattenfirma „Major Label“ gemeinsam mit Titeln von Punk- und Independentbands wie Paranoia, Kaltfront, Goldener Anker, Die Art, Wissmut und Fliehende Stürme.

Die nächste angekündigte Platte von Sandow ist eine Weißpressung der 1997 und 1998 erschienenen Alben „BORN“ und „Stachelhaut“ für Sammler. Auch dieses Vinyl findet sich auf der Dankeschön-Liste der Crowdfundingaktion.

Offen ist laut Tilman Berg, ob Potsdam eine Station der Jubiläumstournee wird. Zum bislang letzten Mal spielten Sandow in Potsdam im Januar 2008 im Lindenpark. Andreas Klisch, der mehr als zwei Jahrzehnte als Booker in diesem Traditionsclub arbeitete, betreut nun das Sandow-Spendenprojekt.

Info Mehr im Internet auf www.startnext.com/sandow und auf www.sandow.de

Stationen einer Sucht

Von Sandow erschienen unter anderem die Platten „Stationen einer Sucht“ (1990), „Der 13. Ton“ (1990), „Fatalia!“ (1992), „Anschlag“ (1995), „BORN“ (1997), „Stachelhaut (1998) und „Kiong – Gefährten der Liebe“ (2007).

2014 kam mit zwei Jahren Verspätung eine Bandbiografie „Sandow: 30 Jahre zwischen Harmonie und Zerstörung“ von Ronald R. Klein heraus.

Sandow-Gitarrist Chris Hinze, Mitbetreiber des Kunsthauses Sans titre in Potsdam, hat demnächst eine Ausstellung gemeinsam mit Jörg Mandernach in der Kunstraum-Galerie des Potsdamer Waschhauses. Eröffnung ist am 19. November um 19 Uhr.

Von Volker Oelschläger

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