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„Verfall“ kam als einziges Wort in den Sinn

Sanierung des Holländischen Viertels „Verfall“ kam als einziges Wort in den Sinn

Eine Ausstellung im Jan-Bouman-Haus zeigt, was im Holländischen Viertel in den 25 Jahren als Sanierungsgebiet erreicht worden ist. Vom „Rattenviertel“ aus DDR-Zeiten ist das Quartier wieder zu einem Schmuckstück geworden, dem man kaum ansieht, wie wenig bis zur völligen Zerstörung gefehlt hat.

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Ein Innenhof des Holländischen Viertels im Jahr 1993.

Quelle: Albrecht Gülzow

Innenstadt. Weniger als 400 Menschen lebten 1990 noch im Holländischen Viertel, die Zahl der Gewerbetreibenden war überschaubar. Heute gibt es fast 800 Bewohner und mehr als 330 Gewerbebetriebe in den historischen Karrees in Potsdams Zentrum. „Es ist heute wieder ein lebendiges Wohn- und Arbeitsquartier – so wie es einst gewesen ist“, sagt Sigrun Rabbe, die beim Sanierungsträger ProPotsdam die Stadtplanung leitet.

Mehr als 200 Millionen Euro private Mittel wurden investiert

Vor 25 Jahren begannen die Voruntersuchungen für die Sanierung des Holländischen Viertels . Bis auf wenige Arbeiten im Umfeld der Französischen Kirche sind die damals aufgestellten Ziele erfüllt. Die Sanierungssatzung wurde im Frühjahr größtenteils aufgehoben.

Ein Karree des Holländischen Viertels im Jahr 1991

Ein Karree des Holländischen Viertels im Jahr 1991

Quelle: Willi Engel

Am Freitag eröffnet der Sanierungsträger aus diesem Anlass eine Ausstellung im Jan-Bouman-Haus, die den Besuchern zeigen soll, welche Leistung durch private und öffentliche Investoren erreicht worden ist. „Verfall kam als einziges Wort in den Sinn, wenn man das Holländische Viertel damals gesehen hat“, sagt Rabbe. „Die größte Herausforderung war es, den Prozess des Abstiegs dieses Viertels umzukehren, städtebauliche Zeichen zu setzen und damit private Investoren mitzunehmen“, sagt sie rückblickend.

„Preußischblau und ziegelrot“ heißt die Ausstellung

Erst wurden Stück für Stück die Häuser winterfest gemacht, anschließend die ersten Straßen gepflastert. Selbst nach konservativen Schätzungen Rabbes haben die insgesamt investierten 35 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln über 200 Millionen Euro private Investitionen nach sich gezogen.

Vor der Sanierung

Vor der Sanierung: Die Ecke der Gutenbergstraße und der Benkertstraße im Jahr 1991.

Quelle: Thoas Töpfer

Der sperrige Titel „Ein Viertel Holland Bitte! Preußischblau und ziegelrot“ sollte nicht vom Besuch der Ausstellung abhalten. Fotografien und ein eigens produzierter Film mit historischen Luftbildern zeigen das Ausmaß von Verfall und geleistetem Wiederaufbau. Doch die eigentliche Ausstellung soll das Quartier selbst sein.

Nach der Sanierung

Nach der Sanierung: Dieselbe Ecke im Jahr 2015.

Quelle: Peter Degener

Ein kostenfreier Faltplan führt die Besucher schnell wieder aus dem Jan-Bouman-Haus auf die Straße. 25 ausgewählte Objekte werden auf dem Plan vorgestellt. Die abgebildeten Fotos zeigen diese Häuser vor den Investitionsmaßnahmen, so dass direkt vor Ort verglichen werden kann.

>>>Die Ausstellung im Jan-Bouman-Haus in der Mittelstraße 8 und ist bis 11. Oktober zu sehen.

Geöffnet ist von Montag bis Freitag 13 bis 18 Uhr, am Wochenende von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Interview mit Ralf Hildebrandt

Ralf Hildebrandt lebt seit 1976 im Holländischen Viertel und betreibt die Kneipe „Hohle Birne“.

Wie sah es vor der Sanierung im Holländischen Viertel aus?

Hildebrandt : Das hier war zu Ostzeiten das „Rattenviertel“, weil alles völlig heruntergekommen war. Ich konnte als Handwerker mein Haus halbwegs sichern, aber das galt ja nicht für alle Bewohner. Das Viertel war nur bedingt bewohnbar. Im Sommer war es schön, im Winter einfach grausam.

Wie haben Sie die Zeit der Sanierung erlebt?

Hildebrandt : Viele Bewohner und Eigentümer haben natürlich schon lange vor dem offiziellen Sanierungsgebiet mit dem Erhalt angefangen. Ich hab das Haus in der Mittelstraße 1989 für 4200 Ostmark erworben. 1994 war ich mit der Sanierung fertig. Insgesamt sind inklusive Fördermittel und Eigenleistungen knapp zwei Millionen DM in das Haus geflossen. Dass dann ständig die Straße aufgerissen wurde und Lärm herrschte, hat mich weniger gestört, weil ich selbst gebaut habe.

Was haben Sie heute für ein Gefühl im Viertel?

Hildebrandt : Es ist schön hier zu leben, das war es früher aber auch. Es ist jetzt einfach gemütlicher und die Schinderei ist vergessen. Als Bewohner und Händler wünsche ich mir, dass die Autos aus der Mittelstraße verschwinden. Die verschandeln dieses Denkmal.

Interview: Peter Degener

Von Peter Degener

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