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Potsdam Fassadenabsturz am historischen Mutterhaus verhindert
Lokales Potsdam Fassadenabsturz am historischen Mutterhaus verhindert
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02:15 30.09.2015
Historischer Komplex in Babelsberg. Quelle: Foto: Privat
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Babelsberg

Es ist das Herz des Oberlin-Komplexes, das älteste Gebäude dort, der schauwertige Sitz der Unternehmensführung, doch es ist auch ein Sanierungsfall: Das Mutterhaus von 1878 bröckelt und bröselt vom Sockel bis zum Dach. Auf mehr als zwei Millionen Euro taxiert die Bauabteilung von Oberlin die Sanierungskosten für das ehemalige Diakonissen- und Klinikhaus. Doch ob das Geld auch aufzubringen ist, weiß derzeit niemand.

Gerechnet hatte damit auch keiner im Verein, als man Anfang Mai die sichtbaren Schäden im Kalksandsteinmauerwerk eingehend untersuchte. Risse in der Fassade und den Fensterbögen sah man, Nässe im Erdgeschoss, großflächig abgeplatzten Putz. Man stieg dem Mutterhaus aufs Dach und registrierte weit Schlimmeres: Fugen zwischen Dachziersteinen waren so verwittert, dass man die Steine mit der Hand entfernen konnte. Holzbauteile des prächtigen Gesimses hingen nach jahrzehntelanger Nässe durch; Rohre, mit denen die Schaufassade im Satteldach dahinter befestigt war, waren korrodiert. Absturzgefahr!

Baubetreuer Christoph Schüler ließ den Gehweg sperren und ein Sicherungsgerüst aufstellen. Die Untersuchung des betroffenen Eckstücks des Mutterhauses und seine Sanierung wurden ausgeschrieben. Ausschließlich Potsdamer und regionale Handwerksfirmen kamen zum Zuge. Nach der Winterpause ging es im Frühjahr 2015 los. Man sanierte die Fassade, tauschte die kaputten Steine aus, richtete die Holzbalken im Gesims und verankerte sie mit Edelstahlstangen im Dach. Zinkbleche in den Fenstern halten jetzt das Regenwasser ab, das vorher die gemauerten Fenstersimse zerfressen hatte.

Die Aktion blieb finanziell im festgelegten Rahmen und brachte wertvolle Erkenntnisse für die Komplettsanierung, die irgendwann folgen muss. Das sanierte Achtzehntel der Gesamtfassade kostete 65 000 Euro. Der Fensteraustausch steht noch aus, die Gehwegsanierung auch. Im Mittelteil müssten zudem die Rundbogenfensterfüllungen wieder freigestemmt werden, in denen neuzeitlich eckige Rahmen stecken.

Der Aufwand ist enorm, aber das Haus ist auch etwas Besonderes. Außer dem gleichfalls kirchlich getragenen St.-Josefs-Krankenhaus in der Brandenburger Vorstadt gibt es nämlich in ganz Potsdam kein weiteres Haus, bei dem man vor das tragende Gebäudemauerwerk eine Schale aus Kalksandsteinziegeln setzte – ein damals noch brandneues und kostensparendes Material, bei fortgesetztem Nässeeinfluss aber auch ein wetterfühliges. So ungleich waren diese hellen Steine in der Mauer, dass man sie mit einer gelblichen Schlemme überzog und mit dem Pinsel zig Kilometer lange Fugen aufmalte. Das tat Malermeisterin Britta Ziegler auch im Sanierungsfalle wieder – so wie ihre Vorgänger vor 137 Jahren.

Von Rainer Schüler

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