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Potsdam Sanitäter soll Autos angesteckt haben
Lokales Potsdam Sanitäter soll Autos angesteckt haben
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00:18 08.11.2013
Niklas B. mit seinem Anwalt Hans-Jürgen Grünwald. Quelle: Christel Köster
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Neu Fahrland

In seinem Gesicht ist nichts abzulesen. Weder Wut noch Scham noch Kummer. Er kennt die Worte, mit denen ein ehemaliger Kamerad seine Person beschreibt - eine Person, die bei den Feuerwehren in Berlin unerwünscht ist, nicht mehr tragbar, "eine tickende Zeitbombe". Von übersteigertem Geltungsdrang ist da die Rede, von Streitsucht und Rechthaberei, von einem gestörten Verhältnis zum Alkohol. Niklas B. ist raus. Raus aus der Freiwilligen Feuerwehr Hellersdorf, raus aus der Neu Fahrländer Truppe, raus aus seinem Lebenstraum. "Ich wollte seit Kleinauf zur Feuerwehr", sagt der 23-Jährige. Jetzt wird ihm mehrfache Brandstiftung vorgeworfen.

Am Dienstag hat vor dem Amtsgericht Potsdam der Prozess um den mutmaßlichen Feuerteufel von Neu Fahrland begonnen. Der Berliner Niklas B. soll in den Abendstunden des 21. September 2012 vier in der Ringstraße geparkte Autos angezündet haben; eines davon unter einem Carport. Drei Wochen später wurde der junge Mann, der damals eine Ausbildung zum Rettungssanitäter absolvierte, festgenommen und in Untersuchungshaft gesteckt. Mit den übrigen Bränden, die die Neu Fahrländer monatelang in Atem hielten, ist er aber offenbar nicht in Verbindung zu bringen.

Die Verhandlung vor dem Schöffengericht beginnt mit einer Chance. Das Gericht stellt Strafmilderung für ein Geständnis in Aussicht. Niklas B. und sein Verteidiger lehnen ab. Ein Urteil fällt nach dreieinhalb Stunden mit intensiver Befragung des Beschuldigten, mit vier Zeugen und Verlesung diverser Expertisen dennoch nicht. Die Verhandlung wird ausgesetzt, weil die Staatsanwaltschaft die Schuldfähigkeit des Angeklagten in Frage stellt und fordert, dass ein Psychologe Niklas B. begutachtet. Sollte sich erweisen, dass Niklas B. aufgrund einer Persönlichkeitsstörung oder Alkoholsucht schuldunfähig ist, kann er zwar nicht bestraft, aber dennoch im Maßregelvollzug untergebracht werden. Die Karriere als Helfer und Retter ist wohl ohnehin passé.

Die Vorgeschichte des Niklas B. ist eine altbekannte und wirft die oft gestellte Frage auf, weshalb Feuerwehrleute zu Brandstiftern werden. In Berlin-Hellersdorf ist Niklas B. - so der Landesbeauftragte der freiwilligen Feuerwehren - der Eifrigste der Truppe. Seine Theorie-Kenntnisse sind zwar unterdurchschnittlich, dafür sind seine praktischen Fähigkeiten gut. Er wird als hoch motiviert beschrieben, ist stets der erste auf dem Einsatzwagen. Doch immer wieder kommt es auch zu Problemen. Niklas B. macht Kollegen schlecht, drängt sich in den Vordergrund. Mehrmals wählt er selbst den Notruf und löst Fehlalarm aus. Einmal soll er im Keller seines Wohnhauses einen Brand gelegt haben. Wegen Notruf-Missbrauchs schließen ihn die Hellersdorfer aus. Weil er zudem für alle Berliner Feuerwehren gesperrt wird, schleicht sich Niklas B. in Hamburg unter falschem Namen als Sanitäter ein. Dort fliegt er auf, als er mit dem Einsatzwagen einen Unfall baut.

Ende 2011/Anfang 2012 lernt Niklas B. seine Freundin kennen. Sie lebt zu dieser Zeit in Neu Fahrland. B. ist oft zu Besuch, tritt in die Feuerwehr ein. Nach ein paar Wochen ist auch dort Schluss, nachdem er unbefugt und ohne Führerschein mit einem Feuerwehrauto umhergekutscht war. Nun steht der Vorwurf der Brandstiftung im Raum.

Niklas B. gibt zu, am Tatort in der Ringstraße gewesen zu sein - dort ist eine Flasche Bier mit seiner DNA und seinen Fingerabdrücken gefunden worden. Er behauptet aber, mit den Bränden nichts zu tun zu haben.

Seine Version der Geschichte ist die folgende: Am Nachmittag des 21.September trifft er sich mit dem Schwager auf ein Bier, nimmt die S-Bahn nach Potsdam, den Bus nach Neu Fahrland. Auf der Fahrt trinkt er weiter Bier; er hat ein paar Flaschen im Rucksack dabei. In Neu Fahrland angekommen, steuert Niklas B. mit dem Rad das Oktoberfest in der Anglerklause an. Wieviel er dort zecht, ist unklar. "Ich war auf jeden Fall nicht nüchtern", sagt er. Bier und "acht, neun Schnäpse" seien’s schon gewesen. Als er gegen 21Uhr das Lokal verlässt, ist es jedenfalls "mit dem Laufen und dem Fahrradfahren nicht mehr so einfach". Auf dem Rad macht sich Niklas B. trotzdem noch ein Becks auf. "Die Bierpulle in der einen Hand, die andere am Lenker", geht’s im Schlenkerkurs an der Straße, in der die Freundin wohnt, vorbei - er habe nicht darauf geachtet und die Einfahrt "ein bisschen verpasst". "Ich wollte dann nicht absteigen und wenden, sondern die Ringstraße rumfahren."

Auf dem Weg dorthin sei ihm ein Radler - 1,80 bis 1,90 Meter groß, 25bis 30 Jahre alt, dunkle Haare, schwarzes T-Shirt, helles Mountainbike - entgegengerast, "als würde er flüchten". Danach will B. Feuerschein und Brandgeruch wahrgenommen haben. Er hält an, stellt die Flasche ab und türmt: "Weil’s ein bisschen doof aussieht wegen meiner Vorgeschichte, wenn ich da rumstehe." Weil er befürchtet, mit dem Geschehen in Verbindung gebracht zu werden, lässt er das Handy stecken, ruft nicht die Feuerwehr. Diese Furcht ist offenbar verraucht, als er der Polizei in die Arme fährt und stoppt. "Ich wollte der Polizei von dem Radfahrer berichten. Für mich war die Sache dann erledigt."
Der Prozess wird im Frühjahr fortgesetzt.

Von Nadine Fabian

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