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Potsdam Saskia Ludwig (CDU): Mit Maggy zu Merkel
Lokales Potsdam Saskia Ludwig (CDU): Mit Maggy zu Merkel
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12:11 13.09.2017
Saskia Ludwig, hier vor dem Fährhaus Caputh, ist mit Hunden aufgewachsen. Ridgeback Maggy gehört seit zwei Jahren zu ihrem Haushalt. Quelle: Foto: Gartenschläger
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Caputh/Potsdam

Saskia Ludwig hat ihren Wachhund dabei. Die stattliche Maggy steht zur Begrüßung beim Gesprächstermin im Fährhaus Caputh respekteinflößend neben der 49-Jährigen. Dabei gilt die Direktkandidatin der Union für den Wahlkreis 61 selbst als bissig und in der Lage, ihr Revier zu verteidigen.

Wenn man der Theorie anhängt, dass sich Halter und Hund ähnlich sind, bilden Saskia Ludwig und Maggy ein gutes Team. Die Ridgeback-Dame, die von ihrem Frauchen gerne „Schätzchen“ genannt wird, ist kein Schoßhund. Laut Tierlexikon ist die Rasse ausgesprochen furchtlos. Jagdtrieb vorhanden, trotzdem ein Familientier. Nicht abhängig oder unterwürfig. Der Ridgeback habe kein Problem, eigene Wege zu gehen.

Die Farm der Hunderiesen in Golm

Auf den Hund gekommen ist Saskia Ludwig, geborene Funck, schon als Kind. Ihre Großeltern Eleanor und Werner Funck – sie gebürtige Engländerin, er ein erfolgreicher Opernsänger und Schauspieler – gründeten 1932 die „Farm der Hunderiesen“ in Golm. Die Familie züchtete Deutsche Doggen. Aus dem Zwinger „Funcken von der Heide“ gingen Tiere an die internationale High Society jener Zeit. Der rumänische König sowie Freya Gräfin von Moltke, Frau des Widerstandskämpfers, sollen begeistert gewesen sein von den stolzen Vierbeinern. Saskia Ludwig wohnt heute mit ihrem Mann – einem 14 Jahre jüngeren Arzt – den beiden Kindern (7 und 5) und Hündin Maggy im Haus ihrer Großeltern in Golm. Sie finde es gut, wenn Kinder mit Tieren aufwachsen, erklärt Ludwig. „Eine meiner ersten Erinnerungen an die Doggen ist, dass ich sie als Kind immer als Kopfkissen und Ponys benutzte“, schreibt sie in einem Beitrag für die Golmer Ortsteilzeitung.

Eine Frau, die ihr Haupt schon in jungen Jahren auf große Hunde gebettet hat, darf man wohl als kernig bezeichnen. Manchen, gerade auch in der eigenen Partei, ist sie zu kernig. Die promovierte Diplom-Kauffrau kam 1997 in die Politik, wurde 2002 Kreisvorsitzende in Potsdam-Mittelmark, seit 2004 sitzt sie im Landtag. Schnell hatte sie sich den Ruf erworben, ihren eigenen Kopf zu haben, was nicht immer konform ging mit der Linie ihrer Partei. Sie war Landes- und Fraktionsvorsitzende der Union, trat 2012 nach internen Querelen um einen von ihr verfassten Artikel in dem Rechtsaußen-Blatt „Junge Freiheit“ zurück. Als „Rambo-Frau von der CDU“ wurde sie von der „Zeit“ betitelt, als konservative Hardlinerin beschrieben. Das Etikett der Schwierigen, Ruppigen, Unnahbaren haftet ihr seit Jahren an. Womöglich kalkuliert, um die Marke Ludwig zu kreieren?

„Bestimmt nicht“, wehrt sie ab und lächelt. Sie habe lange gebraucht um zu verstehen, wie manche Mechanismen in der Politik und in den Medien funktionieren. Dass man auf eine Rolle festgelegt und dieses Bild dann kultiviert wird. Zum Beispiel das der Anti-Merkel. 2015 gab es einen Brandbrief von CDU-Politikern, die sich gegen die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin wandten. Ludwig war eine der Unterzeichnerinnen. In der Landespartei kam das nicht gut an. Nur weil sie nicht alles lobe, betont Ludwig, sei sie noch lange nicht gegen die Person Merkel. „Sie macht eine ganze Menge richtig und gut. Aber ich finde, dass ihre Flüchtlingspolitik 2015 in der Art und Weise ein Fehler war“, erklärt Ludwig. „Ich schätze aber an ihr, dass sie in der Lage ist, umzusteuern.“ Es müsse es doch möglich sein, das zu sagen. „Das ist doch Demokratie.“

Keine Zusammenarbeit mit der AfD

Und dann ist da das nächste Etikett: die AfD-Nahe. 2015 stimmte Ludwig im Landtag für einen AfD-Antrag zur Asylpolitik. Ein Affront. „Nur weil die falsche Partei das Richtige sagt, ist es noch nicht falsch“, sagt Ludwig. In dem Antrag stand, dass nicht jeder Rechtspopulist sei, der die Asylpolitik kritisiert. Als AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland vergangene Woche verkündete, er könne sich eine Zusammenarbeit mit CDU-Politikern wie Saskia Ludwig vorstellen, stellte sie auf ihrer Facebook-Seite aber klar: „Nach wie vor schließe ich eine Zusammenarbeit mit der AfD aus.“ Über den thüringischen AfD-Rechtsaußen Björn Höcke, der am Samstag in Potsdam auftrat, sagt sie: „Der Typ geht gar nicht, aber man muss ihn aushalten.“ Sie klingt glaubwürdig, als sie das sagt. Aber aus den Reihen des politischen Gegners wird ihr das nicht abgenommen. Als sie am Wochenende auf der Seite der Anti-Höcke-Demonstranten auftauchte, raunten anwesende Sozialdemokraten von Wahlkampfkalkül. Wäre sie nicht vor Ort gewesen, wäre ihr wiederum wohl das negativ ausgelegt worden. Saskia Ludwig, die Missverstandene also?

Gleichzeitig benutzt sie in ihrem Wahlprogramm – Slogan „Heimat. Aber sicher.“ – das Wort „Asylanten“, das eine negative Konnotation hat. Sie habe es nicht bewusst gewählt, es sei ihr bislang gar nicht aufgefallen. „Wir übertreiben es mit unserer politischen Korrektheit“, schiebt sie hinterher. Sprach- und Denkverbote – das kenne sie noch aus der DDR. Aber die Probleme seien nun mal wie sie seien – egal, welche Begriffe man dafür benutzt. „Es geht darum, was den Leuten unter den Nägeln brennt.“

Auf Schulz-Linie beim Kooperationsverbot

Dabei geht es ihr nicht nur um die Asylfrage. Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik seien ihr wichtig, sagt Ludwig, die zu DDR-Zeiten bei der Handelsorganisation (HO) Potsdam eine Ausbildung zur Fachverkäuferin absolvierte. Der Wissenschaftsstandort Golm etwa müsse noch weiter entwickelt werden. „Golm hat Potenzial, braucht dafür aber die Unterstützung des Bundes“, sagt die gebürtige Potsdamerin. Und beim Streitthema Zeppelinstraße sei der Bund nicht raus, es gehe schließlich um eine Bundesstraße. Auch zur Bildung hat die zweifache Mutter eine Meinung: „Eltern sollten die Wahl haben, welche Schule für ihr Kind am besten geeignet ist.“ Sie verstehe nicht, warum es freie Schulen so schwer gemacht werde. Über das von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz geforderte Ende des Kooperationsverbots, das Investitionen des Bundes in Schulen verhindert, müsse hingegen„ernsthaft geredet“ werden.

Als „Bürgerkandidatin“ bezeichnet sich Ludwig. Das kann man so interpretieren, dass sie keine Parteisoldatin ist. Es impliziert aber auch, dass sie jede Bürgerstimme braucht. Nur wenn sie das Direktmandat gewinnt, was ihr auf Landesebene dreimal gelang, schafft sie es nach Berlin, denn ihre Partei hat sie auf der Landesliste auf den nahezu aussichtslosen Platz 8 gesetzt.

Überschattet wurde ihr Wahlkampf von der „Lauf-Affäre“. Beim DAK-Firmenlauf im Juni machte laut „Tagesspiegel“ ein Läufer aus dem Team „Saskia Ludwig 2017“ als „bester Azubi“ das Rennen, obwohl er ein 37-jähriger Polizist ist. Ein Schüler hatte das Nachsehen, Ludwig schickte zwei Fässer Bier als Entschuldigung. „Es war ein Fehler“, sagt sie nur. Ansonsten wolle sie sich zu der Angelegenheit nicht mehr äußern.

Früher lief sie gerne selbst, aber nach einer Knie-OP müsse sie aufpassen. Die Tage bis zur Wahl wolle sie trotzdem „ganz sportlich auf der Straße“ verbringen, beim Haustürwahlkampf. In Jeans, Shirt und wattierter Weste marschiert Ludwig los, Maggy an der Leine, das Gespräch mit den Caputhern suchend. Damit man über sie nicht dasselbe sagt,wie über Maggy: „Die tut doch nichts.“

Elf Direktkandidaten

Im Wahlkreis 61, der Potsdam, sieben Gemeinden in Potsdam-Mittelmark und Ludwigsfelde umfasst, gibt es elf Kandidaten für das Direktmandat.

Die Kandidaten: Saskia Ludwig (CDU), Manja Schüle (SPD), Norbert Müller (Die Linke), René Springer (AfD), Annalena Baerbock (B90/Grüne), Linda Teuteberg (FDP), Irene Kamenz (Freie Wähler), Mario Berrios Miranda (DKP), Bettina Franke (Die Partei), Edmund Müller (Gerechtigkeit für Trennungsväter und Justizreformen), Andreas Schramm (Piraten).

Die MAZ stellt die Kandidaten in loser Folge vor. Reihenfolge und Autoren wurden ausgelost.

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