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Potsdam Satzkorner wollen ihr Gutshaus retten
Lokales Potsdam Satzkorner wollen ihr Gutshaus retten
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19:13 04.11.2018
Das barocke Gutshaus am südlichen Rand von Satzkorn verfällt immer weiter. Die Stadt hat vor einigen Jahren Sicherungsmaßnahmen am Dach veranlasst. Quelle: Bernd Gartenschläger
Satzkorn

Der Verfall des Gutshauses in Satzkorn schreitet weiter voran. Doch der Ortsvorsteher, der frühere Chef-Denkmalpfleger der Stadt und eine Initiative zur Rettung von Kulturgut in Ostdeutschland wollen die Untätigkeit der privaten Eigentümer nicht weiter dulden. Sie fordern, dass die Stadt das Gebäude ankauft oder das Land die Eigentümer enteignet, um so das Denkmal vor dem weiteren Verfall zu schützen. Dafür wollen sie im November vor dem Gutshaus demonstrieren.

„Fünf vor Zwölf!“ lautet das Motto der Demonstration

Manfred Graf von Schwerin hat dazu die Initiative ergriffen. Der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Recht und Eigentum hat für den 30. November eine Demonstration angemeldet. Die Demo steht unter dem Motto „Fünf vor Zwölf!“ und soll symbolisch um 11.55 Uhr am Gutshaus abgehalten werden. Von Schwerin fordert, dass das Land die Gelder der Parteien und Massenorganisationen aus der DDR, die sogenannten PMO-Mittel, verstärkt zur Rettung von Kulturgütern wie dem Satzkorner Gutshaus einsetzen soll.

„Damit könnten die, die das Objekt entwickeln wollen, unterstützt werden“, sagt er. „Unsere Aktion richtet sich gegen die Spekulanten, die kaufen und dann nichts gegen den Verfall tun“, so von Schwerin.

Das barocke Mauerwerk verfällt. Quelle: Bernd Gartenschläger

Das Gutshaus wurde häufig verkauft, nur die Stadt sicherte das Dach

Das Gutshaus sei dafür ein Paradebeispiel. Bis zur Wiedervereinigung diente es als Verwaltung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft Marquardt, 1991 wurde es verkauft, steht seitdem leer und ist immer wieder durch verschiedene private Hände gegangen.

Die Stadtverwaltung hat nach der Jahrtausendwende Sicherungsmaßnahmen am Dach und den Türen vorgenommen, weil die Eigentümer untätig blieben. Die Kosten dafür wollte sich die Stadt durch Zwangsversteigerung des Objekts zurückholen, was mehrfach misslang, weil sich kein Käufer fand oder aber das Gebot den Verkehrswert deutlich unterschritt.

Der Schmuckgiebel aus dem Jahr der Erbauung 1739. Quelle: Bernd Gartenschläger

Spekulation mit dem Haus soll enden, fordert Satzkorns Ortsvorsteher

Die heutigen Eigentümer haben nach Auskunft von Satzkorns Ortsvorsteher Dieter Spira keinerlei Maßnahmen am Haus durchgeführt. Der Stadt Potsdam sind ebenfalls keine Pläne der Eigentümer bekannt, wonach das Haus saniert oder entwickelt werden soll. Zu offenen Forderungen für die Sicherungsmaßnahmen will sich die Stadt nicht äußern, „da Informationen über Zahlungsrückstände, Zahlungsmodalitäten, Vollstreckungsverfahren usw. dem Steuer- bzw. Abgabengeheimnis unterliegen“, heißt es auf MAZ-Anfrage.

Dieter Spira, Ortsvorsteher von Satzkorn, fordert den Ankauf des Gutshauses durch die Stadt Potsdam. Quelle: Peter Degener

„Diese Spekulation mit dem Gutshaus darf nicht fortgeführt werden“, sagt Ortsvorsteher Dieter Spira. Der Ortsbeirat hatte schon im Februar einen Beschluss gefasst, wonach der Oberbürgermeister beauftragt wird „zu prüfen, das ehemalige Gutshaus in Satzkorn für die Landeshauptstadt Potsdam zu erwerben. Sollte ein Erwerb scheitern, sind Alternativen zum Erhalt des Gebäudes zu ergreifen.“ Spira ärgert sich, denn eine Antwort, selbst mit negativem Ergebnis, hat er von der Verwaltung bis heute nicht erhalten.

Ex-Stadtkonservator fordert Enteignung der Privateigentümer

„Es ist an der Zeit, dass etwas passiert. Jetzt steht eigentlich die Enteignung an. Das sollte das Land ernsthaft prüfen“, sagt Andreas Kalesse, der bis vor wenigen Monaten als Stadtkonservator Potsdams höchster Denkmalpfleger war und die Initiative unterstützt. Die Stadt habe sich in Gesprächen mit den wechselnden Eigentümern stets bemüht, sei durch die Sicherungsmaßnahmen in Vorleistung gegangen.

Ein Risiko für das Land auf dem Objekt sitzen zu bleiben sieht Kalesse nicht. „Das Land könnte es weiter verkaufen an jemanden mit einem echten Interesse. Die hat es immer gegeben, denn die Immobilie ist ja auch interessant“, sagt er.

Die Rückseite des verfallenden Gutshauses Satzkorn. Quelle: Bernd Gartenschläger

Auch Kurt Brandhorst kommt zur Demo – der Nachfahre des Erbauers

Die Initiatoren der Demo erwarten auch einen besonderen Gast: Kurt Brandhorst. Er ist Nachfahre von Johann Conrad Friedrich Brandhorst, der 1739 das Gut erwarb und auf dem mittelalterlichen Kellergewölbe des Vorgängerbaus das barocke Gutshaus mit seinem Schmuckgiebel errichten ließ. „Kurt Brandhorst lebt seit vielen Jahren in Schweden und ist verbittert über den schlechten Zustand des schönen Hauses. Um ein Zeichen für den Erhalt zu setzen, reist er eigens nach Potsdam“, sagt Manfred Graf von Schwerin.

Zugleich findet an diesem Tag in der Marquardter Kulturscheune ein Kongress der Aktionsgemeinschaft Recht und Eigentum statt, die von Schwerin führt. Dort soll es anhand des Satzkorner Beispiels um „Defizite und Versäumnisse bei der Rettung, Erhaltung und Förderung wertvollen Kulturerbes in Ostdeutschland“ gehen.

Von Peter Degener

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