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19:41 25.06.2018
Mit diesem Detektor kann er Gegenstände aus Metall bis zu einem Meter unter der Erde aufspüren. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam-Nord

Neben dem eingetrockneten Kuhfladen schlägt das Gerät an. Wie ein altes Internet Modem knarzt der Metall-Detektor auf. Genau hier setzt Steven Busack den Spaten an und beginnt Erde zur Seite zu schippen. Dann kniet er sich vor die Kuhle und zerbröselt einen Klumpen Erde zwischen den Fingern. Heraus fällt ein zwei Zentimeter großer Gegenstand. „Bloß Schrott“, sagt Steven Busack etwas enttäuscht und steckt das Teil einer alten Blechdose in seine Bauchtasche, die um seine Hüfte bammelt und scharrt das Loch zu. Der 34-jährige Potsdamer ist Sondengänger. Oder anders gesagt: Schatzsucher.

Seit gut zwei Stunden läuft Steven Busack im Potsdamer Norden in Uetz-Paaren über den Acker. Die Autobahn auf der einen und der Schlänitzsee auf der anderen Seite. Etwas weiter hinten stehen ein paar Kühe und schauen ab und zu rüber. Hier ist er seit 18 Jahren auch als Jäger unterwegs und kennt die Bauern der Felder sehr gut.

Tesoro-Cibola SE – das ist sein Modell. Mit ausgestrecktem Arm schwenkt er den schwarzen Metall-Detektor, dicht über dem Boden im Halbkreis vor sich her. Die etwas über ein Meter lange Metall-Stange, schmiegt sich wie eine Krücke an seinen rechten Unterarm. In der Mitte befindet sich ein Griff mit Knöpfen, unten eine ovale, flache Scheibe, die einem Fadenkreuz ähnelt. Bis zu einem halben Meter unter der Erde kann er damit Metall aufspüren. Über Kopfhörer empfängt er das Signal.

Immer alles ganz legal: Der Schein zum ehrenamtlichen Boden- und Denkmalpfleger erlaubt Steven Busack das Suchen. Quelle: Friedrich Bungert

Schätze finden, nicht behalten

Steven Busack trägt eine grüne Hose, einen schwarzen Anorak und Gummistiefel, in der rechten Hand umklammert er den Spaten. Ob ihn andere Leute für verrückt halten würden? „Nein, die finden es eher interessant, was ich mache“, sagt er. Steven Busack ist Softwareentwickler, hat eine Frau, eine Tochter (2) und einen Sohn (4).

Ihm geht es nicht ums Besitzen, sondern ums Finden. Alltagsgegenstände wie Münzen, Zangen oder kleine Gewichte zeigen ihm, wie Menschen früher hier in Potsdam gelebt haben. Die meisten Sachen, die er ausbuddelt, stammen aus den letzten 100 Jahren. Oft sind es auch einfach alte Nägel, Schrauben oder Blechdosen. Sein bisher bester Fund war ein Abzeichen, das von 1933 bis 1945 vom Winterhilfswerk rausgegeben wurde. „Es ist nicht besonders selten oder wertvoll, dennoch für mich ein sehr interessanter Fund“, sagt er. Vor etwa fünf Jahren sei er durch einen Freund auf das Sondeln gekommen. Ein, zwei Mal ist er mitgelaufen. Danach wollte er selbst suchen und absolvierte 2013 einen Kurs zum ehrenamtlichen Boden- und Denkmalpfleger.

Steven Busack ist Softwareentwickler – in seiner Freizeit zieht er als Sondengänger über die Äcker in Potsdam-Nord. Quelle: Friedrich Bungert

Die Gesetzeslage in Brandenburg sieht vor, dass Sondler eine Genehmigung brauchen. „Sonst könnten archäologische Dinge oder Zusammenhänge beschädigt werden, die der Laie gar nicht sehen kann“, erklärt Thomas Kersting vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum. Auch die Gefahr auf Kriegsmunition zu stoßen, sei in der Region sehr hoch.

In einem zweijährigen Kurs mit bis zu 14 Veranstaltungen lernen die Hobby-Sucher, wie sie sich auf dem Acker verhalten müssen. Dazu behandeln sie die rechtlichen Grundlagen und gehen die archäologischen Epochen durch. Erst nach bestandener Abschlussprüfung, erhalten die Teilnehmer den Schein zum Boden- und Denkmalpfleger. Zusätzlich brauchen die Sucher aber auch für jedes Gebiet eine Genehmigung, die in der Regel ein Jahr gilt. Diese stellt sicher, dass in der Region zum Beispiel keine bedeutenden Stätten zerstört werden.

Wer ohne Erlaubnis sondelt, riskiert eine Ordnungsstrafe. Die Höhe legt das Brandenburgische Denkmalschutz-Gesetz dabei nicht fest. Teuer wird es wenn man Fundsachen verkauft.

Seit etwa sieben Jahren geht das Landesamt offen auf Sondengänger zu. „Die Kurse platzen seitdem aus allen Nähten“, berichtet Kersting. Der rasante Aufschwung der letzten Jahre liege auch an den immer besser werdenden Suchgeräten. Für die Kurse habe man die Latte extra hochgelegt, erzählt Kersting. Es geht um Durchhaltevermögen. Es geht um Erziehung und um Vertrauen. Vertrauen, dass die Schatzsucher ihre Funde wirklich abgeben und die Stellen per GPS markieren.

Illegale Schatzsucher

Insgesamt gibt es nur zwölf legale Sondengänger im Potsdamer Raum – der Rest ist illegal unterwegs. Wie viele solcher „illegalen“ Schatzsucher unterwegs sind, lässt sich schwer schätzen. „Ich möchte es auch gar nicht wissen“, sagt Kersting. „Für mich sind das Neonazis, die nur Weltkriegsrelikte suchen.“

Einer dieser „illegalen“ Schatzsucher ist Tobias Lange (Name von der Redaktion geändert). Zeit habe er durch seinen Beruf bisher nie für den Kurs gehabt. Was er sucht, ist Geschichte. In seiner Freizeit schaut er im Internet gerne Dokumentationen über die Römer- oder Kaiserzeit. Vor drei Jahren entdeckte er so zufällig einen Mann, der mit einem Detektor nach alten Abzeichen suchte. Seitdem zieht er selbst los. Mal einmal im Monat, mal einmal die Woche. Immer aber mit der Angst im Nacken, entdeckt zu werden. „Ich habe mich nie gesehen, dass ich selber auf dem Acker grabe“, sagt er. „Aber diese Euphorie hat mich angesteckt“. Der 33-jährige Potsdamer weiß, dass es nicht erlaubt ist. Aber er brauche das, sagt er „Es ist, als ob du ein Überraschungsei auspackst. Du weißt nicht, was kommt.“

Diese Aufregung kennt auch Steven Busack. Er ist gerade auf das Teil eines Fluges gestoßen. „Manchmal weiß ich schon, dass es Schrott ist – und will trotzdem wissen, was es genau ist.“ Alle halbe Jahr schickt er einen Bericht über seine Funde nach Wünsdorf an das brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege. Zudem müssen Fundmeldungen mit einem entsprechenden Meldeformular zeitnah auch nach Wünsdorf geschickt werden. „Die Alternative ist, dass es verboten wird und viele Erkenntnisse verborgenen bleiben beziehungsweise der Wissenschaft verloren gehen“, sagt Steven Busack. Einen richtigen Schatz hat er bisher noch nicht ausgegraben. Aber jedes Mal, wenn er seinen Spaten schultert und den Detektor über dem Boden kreisen lässt, schwingt auch immer ein bisschen die Hoffnung auf den großen Fund mit.

Von Anne Knappe

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