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Schaulaufen der Krisenmanager

Nach der Stadtwerke-Affäre Schaulaufen der Krisenmanager

Wie weiter in der Stadtwerke-Krise? Freitag und Montag beraten die Aufsichtsräte von SWP und EWP über die Zukunft des Unternehmens. Die von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) vorgeschlagenen Personalien kommen dabei auf den Prüfstand.

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Die EWP-Zentrale in der Steinstraße

Quelle: Gartenschläger

Potsdam. Gleich am Montag, nach der Aufsichtsratsitzung der Stadtwerke-Tochter Energie und Wasser (EWP), sollen sich die altbekannten Neuen den Mitarbeitern vorstellen. Bei einer Betriebsversammlung wollen die von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) auserkorenen Krisenmanager die verunsicherte Stadtwerke-Belegschaft beruhigen und signalisieren: Die Skandale der vergangenen Wochen und der Rückzug von Geschäftsführer Wilfried Böhme vergangenen Freitag können den kommunalen Konzernriesen nicht erschüttern.

Ihren Lebenslauf durchexerzieren müssen die Neuen beim Schaulaufen sicher nicht. Vor allem der halbmarathonerprobte Pro-Potsdam-Chef Horst Müller-Zinsius (64) ist in der Landeshauptstadt hinlänglich bekannt. Gemeinsam mit dem Chef des städtischen Rechnungsprüfungsamtes Christian Erdmann, der übergangsweise auch schon als Antikorruptionsbeauftragter der Stadt eingesetzt war, soll Müller-Zinsius der affärengebeutelten kommunalen Holding neue Energie geben.

Doch vor ihrer Berufung muss der Aufsichtsrat der Stadtwerke eine entsprechende Empfehlung aussprechen. Das Kontrollgremium trifft sich Freitagvormittag, um über die Personalien zu beraten. Es gilt als höchst unwahrscheinlich, dass der Aufsichtsrat den Vorschlag von Jakobs, den er am Montag bereits im Hauptausschuss vorstellte, nicht annimmt.

Sollten die Aufsichtsratsmitglieder Müller-Zinsius und Erdmann ablehnen, müssten sie zudem Alternativen nennen, denn ohne Geschäftsführer dürfen die Stadtwerke, die seit Böhmes Rücktritt provisorisch von Prokuristen gelenkt werden, nicht bleiben.

Ein Externer soll übernehmen

Die Stadt betont, dass die alten Haudegen der Kommunalwirtschaft nur in der Krise aushelfen sollen und Müller-Zinsius, dessen Vertrag bei der Pro-Potsdam bis 2018 läuft, nicht längerfristig neuer Mister Stadtwerke bleibe. „Dem Oberbürgermeister ist es wichtig, einen Externen zu finden, um dem Unternehmen neuen Schwung zu geben“, sagt sein Sprecher Stefan Schulz. Ein „neuer Kopf, der von außen kommt“ soll mittels Ausschreibung gesucht werden. Das Verfahren dürfte aber ein Dreivierteljahr dauern.

Aufhebungsvertrag für Wilfried Böhme

Auch für die EWP, die bislang von Wilfried Böhme und dem nach Untreuevorwürfen beurlaubtem Holger Neumann geleitet wurde, hat Jakobs schon Interimsmanager in petto. Jörn-Michael Westphal, Geschäftsführer der Pro-Potsdam-Tochter Gewoba, soll mit Christian Erdmann übernehmen. Den Segen des EWP-Aufsichtsrats, der sich am Montag in aller Frühe trifft, brauchen Jakobs und der Minderheitsgesellschafter Eon-Edis nicht. Die Berufung der Geschäftsführer ist wegen eines anderen rechtlichen Konstrukts anders als bei beim Mutterkonzern allein Sache der Gesellschafter. Die Einstellungsverträge der Neuen müssen aber den Aufsichtsrat passieren.

Auch der Aufhebungsvertrag für Wilfried Böhme, der letztlich über einen umstrittenen Werkvertrag der EWP mit seinem Schwager stürzte, muss vom Kontrollgremium genehmigt werden, da sein Hauptvertrag beim Tochterunternehmen geschlossen wurde. Dieser endet Ende März 2017. Bis dahin soll der 64-Jährige dem Vernehmen nach sein Gehalt – rund 200 000 Euro pro Jahr inklusive Prämien – weiter beziehen.

Von Marion Kaufmann

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