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Potsdam Schiffe bauen in der Schiffbauergasse
Lokales Potsdam Schiffe bauen in der Schiffbauergasse
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16:49 17.11.2016
Der Künstler Jörg Mandernach vor seinem Bild, das sich vom Boden in den Raum erhebt. Quelle: Lars Grote
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Schiffbauergasse

Jörg Mandernach zeigt auf den kleinen Strich am Boden. „Kommen Sie hierher“, bittet er seinen Gast, „halten Sie das linke Auge zu, schauen Sie nur mit dem rechten, dann sehen Sie, wie passend sich die Säulen in den Saal einfügen.“ Tatsächlich, die beiden Säulen in der Halle stellen sich urplötzlich nicht mehr störend in den Raum, verbauen nicht mehr Sichtachsen, führen kein verqueres Eigenleben – sondern ergänzen das Bild, das Mandernach in der Galerie „Kunstraum“ installiert, gemalt, gefertigt hat.

Von der zweiten in die dritte Dimension

Was ist das für ein Bild in der Schiffbauergasse? Eines, das sich erhebt. Es beginnt auf dem Boden. Linien, die sich zielstrebig, und doch rätselhaft entfalten. Sie laufen auf die Wand zu, dort angekommen, suchen sie den Weg nach oben, die Wand hinauf, bis hoch zur Decke. „Ich wecke eine neue Dimension“, erklärt Mandernach, dem es darum geht, das Bild von einer Fläche in den Raum zu erweitern.

Jörg Mandernach sagt, er gehe von der zweiten in die dritte Dimension. Um den Ansatz auf die Spitze zu treiben, sucht er auch die Zeit, also die vierte Dimension, in seinem Bild. Für diesen kühnen Sprung hat er das Bild nochmal gemalt, sehr ähnlich, doch nicht identisch. Das zweite Bild hat er mit einer Kamera gefilmt, es allmählich mit schwarzer Farbe übermalt, bis es verschwindet. Dieser Prozess wurde im Zeitraffer aufgenommen. Der Film ist in der Galerie zu sehen. Er zeigt die „Versenkung“ des Bildes, wie Mandernach es nennt.

Mike Geßner, Kurator der Galerie „Kunstraum“, hat ihn darauf hingewiesen, dass die Versenkung einen Begriff der niederländischen Malerei darstellt: Die Meister haben ihr Bild schwarz übermalt, um es auf dieser Grundierung erneut zu malen. Damit die Farben deutlicher zum Tragen kommen. Ein Effekt, der sich vage auf die Arbeit von Mandernach übertragen lässt. Ohne dass er diese Parallele gesucht hätte.

„Teile, die beim ersten Blick noch unverbunden wirken, will ich aus bestimmten Perspektiven zusammenzufügen“, sagt Mandernach. Hierfür hat er zwei „Aussichtspunkte“ markiert. Ein sinnliches und intellektuelles Vergnügen.

Ein Fliesenleger baut das „Traumschiff“

Ein Kompliment, das man auch Chris Hinze machen kann. Er ist Gitarrist der Cottbuser Band Sandow, doch lebt seit Jahren auch als Künstler, der Skulpturen schafft, die handwerkliches Rüstzeug voraussetzen. Hinze hatte als Fliesenleger begonnen, arbeitet aber nicht mehr in der Branche. Gerade hockt er über den Brettern seines „Traumschiffes“, ein Kunstwerk, so groß, dass es fast hinausdrängt aus der Galerie. Es sieht aus wie eine Arche, wie ein Schiff, das man auch auf dem Mittelmeer vermuten könnte, voller Flüchtlinge. Das Boot ist robust, doch nicht zwingend für die hohe See geschaffen.

Im Boot sieht man zersägte, hohe Baumstämme, Eichen aus Brandenburg. Sie wurden gefällt, weil sie schief standen. Chris Hinze erklärt, diese Stämme seien Träume, die um die Welt reisen. Er komme aus dem Spreewald, darum sei ein Schiff für ihn das naheliegende Gefährt.

„Wir leben von Träumen und Wünschen“, sagt Hinze, „ich materialisiere diese Wünsche mit dem Schiff und seinen Stämmen.“ Eine Metapher, aus der sich jeder sein eigenes Glück schnitzen kann.

Info: „Doppel Deutig“, Galerie Kunstraum, Schiffbauergasse 4d. Mi bis So 13-18 Uhr. Bis 17. Dezember. Eröffnung: 19. November, 19 Uhr.

Von Lars Grote

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