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Potsdam Schlaatz ist bis 2033 durchsaniert
Lokales Potsdam Schlaatz ist bis 2033 durchsaniert
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14:15 03.07.2018
Straßenbau statt Wohnungssanierung am Schlaatz, wie hier im Inselhof - das regt die Bürger auf. Umgekehr sollte es sein, sagen sie.
Schlaatz

Das Schmuddel-Image hängt dem Schlaatz noch immer an. Mehr Sperrmüll und weniger Läden als hier gibt es nirgends sonst in Potsdam, hört man im Kiez. „Es wird immer schlimmer“, sagt Margit Walsch, die erst seit dreieinhalb Jahren hier wohnt und eine schöne Wohnung hat, aber trotzdem überlegt, ob sie nicht besser wieder wegziehen sollte.

Bei einer Diskussion mit Bestandsaufnahme und Ausblick am Donnerstag im Bürgertreff am Milanhorst, konnte und wollte niemand die Negativ-Eindrücke bestreiten, doch die Pro Potsdam und die Stadtverwaltung schlugen eine Brücke in die Zukunft, die beachtlich ist. Bis 2033 werde man den Schlaatz durchsaniert und 195 Millionen Euro dafür investiert haben, sagte Gregor Heilmann aus der Geschäftsführung der kommunalen Immobilienholding Pro Potsdam, die 2500 Wohnungen im Kiez verwaltet. Das Datum nennen konnte er, weil die mit am Schlaatz vertretenen Wohnungsgenossenschaften in ihren kleineren Beständen schön länger als die Pro mit der Gebäudesanierung beschäftigt sind. Die hatte sich nach der Zuschreibung rückgabebelasteter Ensembles wie der Heidesiedlung und des Brauhausberges um die bauliche Rettung vieler, weit älterer Häuser kümmern müssen. „Da waren Wohnungen schon unbewohnbar geworden“, erklärte Heilmann. Nun wende man sich neben der Gartenstadt Drewitz verstärkt den Plattenbauten im Schlaatz zu, die in den 1980er Jahren entstanden und inzwischen sanierungsbedürftig sind.

An vielen Plattenbauten im Schlaatz ist die Sanierung bislang vorbei gegangen. Aber die Innenhöfe und ihre Spielplätze werden schon neu gestaltet. Quelle: Rainer Schüler

Trotz aller öffentlichen Förderung sei „nichts grundlegend besser geworden“ im Schlaatz, musste Sandra Ohst vom Wohnungsfirmenverbund Stadtspuren einräumen. Lediglich das Müllproblem sei beherrschbarer geworden, seit die Stadtentsorgung die Reinigungshäfigkeit erhöht hat. Der Müll und die Säufergruppen am Markt, der keiner ist, waren 2017 bei einer Visionenwerkstatt als die Hauptprobleme im öffentlichen Bild des Schlaatz benannt worden; sie sind es immer noch.

Zwar hat man den zeitweise aufgegebenen Kaufhallenstandort am Schilfhof retten können, nicht aber die Gaststätte und die Post; beides wird weiter von den Bürgern eingefordert. Bei der Sanierung der Ladenzeile am Rand des Marktes war die Postfiliale geschlossen worden; der Zeitungsladen, in dem auch Fahrkarten und Schreibwaren verkauft wurden, gab auf. Ein Betreiber aus Drewitz hatte nachrücken wollen, kann aber die vom privaten Sanierer geforderte Miete nicht zahlen. Die Sparkasse kann das; der Friseur, ein Kosmetik-Laden und die Apotheke tun das noch, aber keiner weiß, was nach dem Ausstieg der schon betagten Inhaber passiert. Weil es keine Ärzte gibt im Kiez, die Rezepte ausstellen, rechnet sich im Grunde auch eine Apotheke nicht. Die Wiederansiedelung eines Postangebotes war die mit Abstand häufigste Forderung in einer Bürgerbefragung des Bürgertreffs. Die Einrichtung eines zweiten Döner-Imbiss in derselben Ladenzeile dagegen erzeugte Protest.

Das Projekthaus Erlenhof wurde erst im Mai eröffnet; es ist bei weitem nicht ausgelastet und alles andere als ein Bürgertreff. Quelle: Rainer Schüler

Auf Unverständnis stößt bei den Einwohnern zudem die gähnende Leere des erst im Frühjahr eröffneten städtischen Treffpunktes im Erlenhof, einem Teil der früheren Ladenzeile. Er ist bislang alles andere als ein Bürgertreff. Hier ist unter anderem eine Selbsthilfewerkstatt untergekommen, die Langzeitarbeitslose schulen soll. Doch der von außen gut einsehbare große Hauptraum steht fast täglich leer: Die Saalmiete ist vielen Interessenten viel zu teuer, selbst der Stadtteil-SPD.

Damals wie heute ist der Schlaatz ein so genannter Starter-Kiez: hier beginnen viele Menschen ihr Leben in der eigenen Wohnung. Deshalb will die ProPotsdam eine unabhängige Mieterberatung einrichten.

Von Rainer Schüler

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