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Schlechte Angewohnheiten in den Schlossparks

Öffentliche Ordnung in Potsdam Schlechte Angewohnheiten in den Schlossparks

Eine Fahrradtour durch Potsdam und den Neuen Garten – was ist schon dabei? Viel, sagt Gartendirektor Michael Rohde. Die Schlossparks sind Weltkulturerbe und keine Volksparks zur beliebigen Nutzung. Doch inzwischen haben sich gegen jede Parkordnung so viele schlechte Gewohnheiten eingebürgert, dass die Anlagen in ihrem Bestand gefährdet sind.

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Die Potsdamer Parkanlagen sind gefährdet.

Quelle: Rüdiger Braun

Potsdam. Fröhlich fährt die Gruppe mit ihren Treckingrädern um die Ecke des Marmorpalais herum und rollt auf den Hauptweg des Neuen Gartens zu. Keinen stört das. Genau genommen dürften die Sonntagsradler das aber gar nicht. An Haupteingang des neuen Gartens weist ein kleines Schild den Hauptweg eindeutig als für Fahrräder verbotene Strecke aus. Eine einzelne Radfahrerin wird später vom Aufsichtspersonal auch prompt ermahnt – aber nur, weil dieses gerade zur Stelle ist.

So geschehen am Sonntag, als der Gartendirektor der Schlösserstiftung, Michael Rohde, der neue Potsdamer Baudezernent Bernd Rubelt, der Gartendenkmalpfleger Gerd Schurig und Lars Schmäh, der Bereichsleiter Umwelt und Natur der Stadt, zu einen Rundgang in Sachen Gartenordnung aufbrachen. Insgesamt mussten die Ordnungskräfte am Sonntag 120 Leute im Neuen Garten verwarnen, meist Fahrradfahrer. Aber es flogen sogar zwei Drohnen verbotener Weise durch den Park.

Gartendenkmalpfleger kann nur seufzen

„Seit 27 Jahren haben wir dieses Thema auf der Agenda“, sagt Gartenchef Rohde. Das Thema lautet: Zerstörung eines Weltkulturerbes durch falsche Nutzung. Wäre es an diesem Sonntag nicht so kühl, das Problem wäre noch größer. Dann würden sich bis zu 4000 Besucher nicht nur an der nordöstlichen Badestelle drängeln, sie würden sich auch im südwestlichen Teil tummeln, wo Baden verboten ist, würden grillen, Ball spielen, Hunde ins Wasser lassen, das Ufer zerstören und eine Menge Abfall hinterlassen. Bis zu drei Kubikmeter Müll sammelt die beauftragte Firma laut dem Sprecher der Schlösserstiftung, Frank Kallensee, zwischen Grünem Haus und Hasengraben im Sommer zusammen. Kosten im Jahr: Etwa 20000 Euro.

Der Gartendenkmalpfleger Gerd Schurig kann inzwischen über die Zustände nur seufzen. Den Menschen sei zum Beispiel nicht klar, dass das Anlegen von Wegen eine hohe Kunst und aufwendig sei. „Früher mussten wir die Wege alle zehn Jahre erneuern“, sagt er. Wegen der Fahrradfahrer, die bei entsprechenden Witterungsbedingungen tiefe Spuren hinterlassen, müsse das jetzt schon alle drei Jahre geschehen. Und das Ufer am Heiligen See sei an manchen Stellen schon um vier Meter zurückgegangen. Deutlich sieht man Lücken im Bewuchs, wo Leute ein oder aussteigen. Hier bricht Bodenmaterial weg und wird ins Wasser gespült.

Baden nur an ausgewiesenen Stellen

Doch das als Volkspark missverstandene Weltkulturerbe ist nur eine Seite des Problems. Es gibt auch eine ökologische. Viele Grünflächen des Parks sind Trockenrasen mit seltenen Pflanzen wie der Sandgrasnelke oder der Heidenelke. „In Brandenburg ist die Pflanze gefährdet“, sagt der Bereichsleiter Natur, Schmäh. An geschützten Stellen des Parkes gedeiht das niedliche Pflänzchen noch üppig, wo die Besucher den Bereich als neue Badestelle für sich entdecken, wird der Trockenrasen geplättet – und die seltenen Pflanzen verschwinden. Es war auch eine neue Biotopkartieren im Jahr 2015, die die Schlösserstiftung dazu brachte, an die Öffentlichkeit zu gehen. Gegenüber der früheren Kartierung war im nördlichen Bereich des Garten die Hälfte der seltenen Pflanzen verschwunden. Wenn der Gartendirektor einen Wunsch frei hätte, dann würde er sich mehr Ordnungskräfte wünschen, die die Besucher ansprechen. „Man muss nicht immer gleich mit einem Ticket kommen“, sagt er. Aufklären helfe auch.

Darauf setzt auch der Beigeordnete Rubelt. Er kennt das Problem von seiner früheren Arbeitsstätte. Auch im Schlosspark der schleswig-holsteinischen Stadt Eutin hätten sich die Besucher Freiheiten herausgenommen. „Man muss überlegen, welche Angebote man machen kann“, sagt er. Zu den Angeboten rechnet Rubelt etwa das Dulden des Badens an ausgewiesenen Stellen, wie das im Neuen Garten schon der Fall ist, oder aber andere Anlagen außerhalb der Gärten. „Man muss den Leuten deutlich sagen: Was darf ich und was darf ich nicht.“ Ein ganz strenges Regiment mit limitiertem Einlass will dagegen weder die Schlösserstiftung noch die Stadt. Beide suchen nach der „Balance“ zwischen Weltkulturerbeanspruch und den Interessen der Nutzer.

Gewohnheitsrechte vs. Parkordnung

Ganz wird das Problem nicht verschwinden. „Es gibt in Deutschland kaum einen Ort, wo die Parkanlagen so zur Stadt gehören wie in Potsdam“, sagt Stiftungssprecher Kallensee. Der Neue Garten diene zum Beispiel sogar zum Wohnen. Da sei es schwierig, die offizielle Parkordnung gegen vermeintliche Gewohnheitsrechte durchzusetzen.

Von Rüdiger Braun

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