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Schön ruinös

Historische Schlossküche am Marmorpalais saniert Schön ruinös

Seit 1995 sind am Marmorpalais im Neuen Garten 15 Millionen Euro verbaut worden. Jetzt ist auch die historische Schlossküche saniert, die gewollt wie eine Ruine aussieht. Weitere 1,7 Millionen kosten Ufermauer und Außenanlagen.

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Endlich ohne Gerüste: Die restaurierte Tempelruine am Heiligen See.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Fällt er oder hält er? Diese Frage stellen sich Spaziergänger im Neuen Garten seit Jahrzehnten, wenn sie den Säulengang der versunkenen Tempelruine am Ufer des Heiligen Sees passieren. Dort befindet sich der Stein des „Anstoßes“ – ein sehr schief eingepasster Architrav, der ziemlich absturzgefährdet ausschaut. Und so beschleunigt man automatisch den Schritt, um mit heiler Haut davon zu kommen.

Der Gänsehauteffekt ist gewollt und Hartmut Dorgerloh froh darüber, dass dieser nach Restaurierung der romantischen Ruine, die einst als Schlossküche des Marmorpalais diente, wie eh und je funktioniert. Gestern stellte der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) ein weiteres Sanierungsvorhaben aus dem Masterplan vor, das erfolgreich abgeschlossen werden konnte. „Und wir sind im Kostenrahmen geblieben“, betont er. Keine Limburger Verhältnisse also.

Lang ist’s her: Panzer auf der Schlossterrasse. Ab 2014 wird sie saniert.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Seit 1995 sind bei laufendem Museumsbetrieb für Arbeiten im und am Marmorpalais rund 15 Millionen Euro ausgegeben worden. „Im nächsten Jahr beginnt die Sanierung der 120 Meter langen Ufermauer und der Außenanlagen, dafür sind 1,7 Millionen Euro da“, so Dorgerloh. Das Uferplateau, wo Ende der 1980er Jahre noch ein Panzer des DDR-Armeemuseums stand, wird begrünt, und der Brunnen, den es dort einst gab, soll bald wieder sprudeln.

Nach zweijähriger Standzeit ist nun zunächst einmal das Wetterdach über dem Küchentempel abgebaut, und spätestens in zwei Wochen soll auch der braune Sperrholzzaun am Südflügel des Schlosses verschwunden sein. An der Tempelruine streichen derweil Handwerker die vormals weißen Fensterrahmen aus den 1920er Jahren mit dunkler Farbe. „Darauf haben wir uns mit den Denkmalpflegern geeinigt. Die Fenster wurden aus Kostengründen erhalten, und durch den dunklen Anstrich wirken sie von ferne wie Löcher in der Fassade“, sagt Kerstin Laurenz, die das Projekt als Architektin betreute. Die durch Feuchtigkeit geschädigte Gebäudehülle ist saniert und konserviert worden, Schadstoffe wurden beseitigt, das Dach erneuert und der Naturstein gesäubert und restauriert, so dass er wieder in einem warmen Gelbton erstrahlt.

Vom klassizistischen Kleinod zum Armeemuseum der DDR

  • Friedrich Wilhelm II. ließ das Marmorpalais ab 1787 nach Plänen Carl von Gontards im klassizistischen Stil als Sommerresidenz errichten. Zehn Jahre wurden Nord- und Südflügel angebaut. Der König hatte diesen Platz gewählt, weil er weite Sichten in die Havellandschaft bis hin zur Pfaueninsel ermöglicht.
  • Grottensaal, der Konzertsaal und die Wohnräume des Königs sind prachtvoll mit Intarsien, Seidenbespannung, Marmorkaminen, Gemälden, Kunsthandwerk ausgestattet.
  • Der Park ist als sentimentaler Landschaftsgarten gestaltet, erhielt neben der Schlossküche in Form einer Tempelruine eine ägyptische Pyramide als Eiskeller.
  • Von 1881 an diente das Palais dem späteren Kaiserpaar Wilhelm (II.) und Auguste Victoria als Wohnsitz; bis zur Fertigstellung des Cecilienhofs 1917 lebte dort Kronprinz Wilhelm mit seiner Familie.
  • 1961 wurde das Armeemuseum der DDR eingerichtet mit Panzer T 34 und MiG-Jagdflugzeug auf den Terrassen. Der Auszug erfolgte 1988 – wegen fortschreitenden Verfalls.

Wie die Fachleute berichten, konnten die losen Rüdersdorfer Kalksteine, ein wahrer Trümmerhaufen auf der Mauerkrone, gerettet und allesamt an ihrem ursprünglichen Platz befestigt werden. „Der heute in Rüdersdorf durch Sprengung abgebaute Stein wäre für unsere Zwecke nicht brauchbar gewesen, da durch den Druck Mikrorisse entstehen“, erklärt Kerstin Laurenz’ Kollege Olaf Saphörster, Projektkoordinator am Marmorpalais. Im November sollen der Kastellan und weitere SPSG-Mitarbeiter wieder ihre renovierten Büroräume in dem historischen Küchenbau beziehen. Der ist durch einem unterirdischen Gang mit dem von Friedrich Wilhelm II. erbauten Wasserpalais verbunden. Der Gang ist intakt, muss aber noch saniert werden. „Besucher können ihn künftig wieder bei Sonderführungen sehen“, sagt Dorgerloh. Weitere „Kostbarkeiten“ aus königlichen Tagen sind in der Küche allerdings nicht erhalten geblieben – bis auf die Form eines bauzeitlichen Kaminzuges.

Während für die Tempelküche 615 000 Euro aus dem von Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg finanzierten Masterplan zur Verfügung standen, wurde zeitgleich im siebten Bauabschnitt am Marmorpalais für 370.000 Euro der Südflügel statisch gesichert. Im Jahre 2009 waren während der Hüllensanierung des Hohenzollernsschlosses Risse in Deckengemälden etwa im Salon mit der Viertelkreisgalerie entdeckt worden. Sie hatten den Experten der Stiftung signalisiert, dass es Probleme mit der Standfestigkeit der Deckenkonstruktion gibt. Ursache sind die zeitlich versetzten Bauphasen der Dreiflügelanlage und damit einhergehende Setzungserscheinungen im Baugrund. Die sind nun Geschichte. Die statische Sicherung gelang durch aufwändige Eingriffe oberhalb der reich verzierten Decken und Stuckaturen und im Gründungsbereich einer Ecksäule. Ein Herbstspaziergang in den Neuen Garten schafft dazu neue Aus- und Einblicke.

Von Carola Hein

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