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Schöner morden in Potsdam

Krimi-Autor sucht Anekdoten rund um die Volkspolizei Schöner morden in Potsdam

Zerzauster Schopf und Dreitagebart, langer Wollmantel und stets ein kleiner Notizblock im Anschlag – wer diesem Herren in Potsdam über den Weg läuft, hat die Lizenz zum Plaudern. Der Schriftsteller Raimon Weber ist auf Spurensuche für seinen neuen Psychothriller. Hoch im Kurs stehen vor allem Anekdoten rund um die Volkspolizei und die Tage direkt nach dem Mauerfall.

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Raimon Weber vor dem Domizil der Potsdamer Kriminalpolizei, einem Schauplatz seines kommenden Romans.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Ob in der Verbrennungsanlage für amputierte Gliedmaßen oder auf der Aida – der Rahmen stimmt, wenn Raimon Weber aus seinen Geschichten vorträgt. Längst hat der aus Unna (Nordrhein-Westfalen) stammende Autor die Zeiten hinter sich gelassen, da er gegen summende Neonröhren in der Volkshochschule anlesen musste. Immer öfter zieht es ihn nun mit seinen Lesungen an verblüffende Orte. Man darf also gespannt sein, wo Raimon Weber den Potsdam-Krimi präsentiert, an dem er gerade arbeitet und für den er in diesen Tagen immer mal wieder in Potsdam einkehrt – um zu recherchieren oder sich einfach nur den märkischen Wind um die Nase wehen zu lassen.

Raimon Weber, geboren 1961, schreibt seit seiner Jugend und hat seither dutzende Bücher, eBooks und Hörspiele veröffentlicht. John Christopher und George Orwell haben den Vielleser auf die andere Seite gelockt und zum Fabulieren verführt. Die klassische Kinderliteratur hatte er damals übersprungen. Als Raimon Weber mit zehn, elf Jahren die Karte für die Stadtbibliothek bekommt, schlendert er mit Vorliebe durch die Regalreihen für Erwachsene. Er schmökert sich durch Pestepidemien und Schiffsuntergänge, trifft schließlich auf Christophers „Dreibeinige Monster auf Erdkurs“ – und ist selbst auf Kurs. Nach der Schule beginnt er dennoch erst einmal ein Universitätsstudium (Geschichte/Politik), hat Gelegenheitsjobs (er steht an der Stanze im Alu-Werk), absolviert eine Lehre (Kaufmann im Kfz-Gewerbe). „Wenn du nichts erlebst“, sagt Raimon Weber, „hast du auch nichts zu erzählen.“

2013 ging Privatdetektiv Morgenstern auf Verbrecherjagd in Potsdam

Klar, dass so einer auf kein Thema, auf kein Genre festgelegt ist. Sein Herz schlägt dennoch für Krimi und Psychothriller. Nachdem er 2013 den Privatdetektiv Morgenstern in der gleichnamigen Reihe in Potsdam auf Verbrecherjagd schickte, tritt nun ein neuer Ermittler seinen Dienst in der Stadt an.

Die Handlung setzt unmittelbar nach dem Mauerfall ein. Eine Zeit des Umbruchs und der Auflösung. Und mittendrin im stürzenden System, in zerbröselnden Strukturen ein Hauptmann der Volkspolizei, der es in dieser undurchsichtigen Zeit mit mehreren Morden zu tun bekommt... Klingt nach Polizeiruf? Von wegen! „Der Stoff ist härter“, sagt Raimon Weber. „Aber es wird kein plattes Gemorde, kein Waten in Blut. Es dreht sich viel um Psychologie.“

Der neue Romanheld ist ein Babelsberger

Der Polizist – den Namen verrät er noch nicht – ist um die 40, Babelsberger und mit einer Gerichtsmedizinerin verbändelt. „Er ist kein Paragrafenhengst“, sagt Raimon Weber, „und hat immer versucht, sofern möglich, sich aus der Politik herauszuhalten. Er ist SED-Mitglied – natürlich. Aber nicht aktiv. Er ist einfach ein Typ, mit dem man gern ein Bier trinken würde.“ In welchem Lokal? Raimon Weber zögert und ist ertappt. Da muss er wohl noch zwei, drei Runden durch Potsdam drehen und auf Spurensuche gehen.

Nicht die schlechteste Aufgabe, meint der Schriftsteller, der mit seinem zerzaustem Schopf und angegrautem Dreitagebart, mit dem langen Wollmantel und dem kleinen Notizblock im Anschlag selbst wie in Kommissar aussieht. „Potsdam hat eine schöne Kneipenkultur. Ich mag es auch, dass im Einzelhandel so viele kuriose Geschäfte wie das Lakritzkontor zu finden sind.“ Ach Potsdam! „Übersichtlich, liebenswert – in positivem Sinne provinziell.“ Das hat er damals gedacht, als er der Stadt vor rund 15 Jahren auf einer Geschäftsreise das erste Mal begegnete. Und das denkt er noch heute, wenn er sich beim Flanieren zwischen Barock und Beton im Schatten der Metropole Berlin verliert. Den Krimi dort drüben, in der großen Stadt, anzusiedeln wäre für ihn unmöglich gewesen, sagt Raimon Weber. „Da ist viel zu viel los. Dass in Berlin etwas Schreckliches passiert erwartet man.“ Das Böse, das Unheimliche aber lauert an abgelegenen Orten. Im Haus am Waldrand. Im Hotel in den verschneiten Bergen. Und nun im malerischen Potsdam.

MAZ-Leser sind gebeten, ihre Erinnerungen an die VP zu teilen

Im April muss er das Manuskript abgeben. Der Roman soll im Herbst erscheinen, pünktlich zur Frankfurter Buchmesse. Bis dahin ist noch ausreichend Zeit, Eindrücke aus dem 1989er Potsdam aufzunehmen. Denn egal, wie tief sich der Autor auch in die Akten- und Blätterwelt der Antiquariate, des Stadt- und des MAZ-Archivs gegraben hat: „Kleine Anekdoten machen es erst authentisch“, sagt Raimon Weber. Er setzt nun auf die MAZ-Leser. Gefragt sind Erlebnisse mit der Volkspolizei (VP) – ernste, heitere, gern skurrile. „Ich bin überzeugt davon, dass nicht alles schlecht gewesen ist“, so Weber. Neulich zum Beispiel habe er eine amüsante, geradezu sympathische Episode aufgeschnappt: Zwei Jugendliche wurden mit ihren Fahrrädern zu nah am der Grenze in Babelsberg erwischt. Die Volkspolizisten lasen den beiden die Leviten – und ließen zur Strafe die Luft aus den Reifen... So etwas, meint Raimon Weber, kann man doch besser nicht erfinden. Also bittet er die MAZ-Leser, ihre Erinnerungen mit ihm zu teilen. Getreu seinem Motto: „Ich bin Autor – lassen Sie mich rein!

MAZ-Leser schreiben mit

Möchten Sie sich in den Krimi von Raimon Weber einbringen? Der Autor freut sich auf Potsdamer Anekdoten rund um die Wendezeit. Vor allem interessieren ihn Erlebnisse und Erfahrungen mit der Volkspolizei.

Wer seine Erinnerungen mit dem Schriftsteller teilen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Stichwort „Krimi“ an potsdam-stadt@MAZ-online.de Wir leiten die Einsendungen an Raimon Weber weiter.

Von Nadine Fabian

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