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Potsdam „Schoko-Kunst“ sucht einen neuen Besitzer
Lokales Potsdam „Schoko-Kunst“ sucht einen neuen Besitzer
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09:10 13.08.2016
Nachfolger gesucht: Susanne Müller möchte ihren Schoko-Kunst-Laden im Holländischen Viertel in vertrauensvolle Hände geben. Quelle: Friedrich Bungert
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Innenstadt

Dieser Abschied wird bittersüß. Ganz so wie die Schokolade, die seit mehr als zehn Jahren ihr Leben bestimmt. Susanne Müller (62) möchte ihr Geschäft „Schoko-Kunst“ in liebevolle Hände geben und in den Ruhestand gehen. Das Holländische Viertel verliert mit ihr ein Original – immerhin soll der Laden mit seiner Idee und in seiner Gestalt erhalten bleiben. Darauf legt Susanne Müller Wert.

Von der Kakaobohne bis zur fertigen Tafel

Diesen Laden, von dem viele sagen, dass er einzigartig ist, hat Susanne Müller im November 2005 eröffnet. Die Idee dazu war eine spontane Eingebung. Susanne Müller hatte im Fernsehen eine Dokumentation über die Schokoladenherstellung von der Bohne bis zur fertigen Tafel gesehen. Im Mittelpunkt des Films stand Gianluca Franzoni, der sich der Entdeckung und Rekultivierung seltener alter Kakao-Sorten verschrieben hat und diese Kakaos in seinem Unternehmen „Domori“ zu wahren Geschmacksexplosionen veredelt. „Ich war sofort fasziniert“, sagt Susanne Müller. „Ein Blitz hatte eingeschlagen. Ich wusste: Das will ich machen.“

Susanne Müller ist eine Frau mit Stil – das ist unübersehbar. Sie steckt ihr burgundrotes Haar zu einem kunstvollen Knoten zusammen, trug lange, bevor es Mode wurde, eine auffällige Brille und extravagante Kleidung. Von Hause aus Fotografin – oder Fotografikerin, um genau zu sein – hat sie ein Auge für das Besondere und das Schöne. Sie hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HfGB) in Leipzig studiert, eine der renommiertesten Kunsthochschulen des Landes, und viele Jahre hinter der Kamera gearbeitet. Dann kam die Jahrtausendewende und mit ihr der Siegeszug der Digitalfotografie. Susanne Müller, ganz und gar analog eingestellt, wollte sich in dieser neuen Welt nicht einfinden und zog sich allmählich aus der Branche zurück. Der Blitz traf sie sozusagen zum richtigen Zeitpunkt.

Die Spur des braunen Goldes führte sie bis nach Vietnam

In der Mitte des Lebens, wenn andere damit beginnen, sich auf dem Erarbeiteten auszuruhen, ist Susanne Müller noch einmal ins Unbekannte aufgebrochen und hat etwas Neues begonnen. Geradezu besessen war sie von der Idee, sagt sie. Über das braune Gold hat sie sich alles selbst beigebracht, ist bis nach Vietnam gereist, um auf einer Plantage mitzuerleben, wie hart die Arbeit ist und wie groß die Kunst, Schokolade herzustellen.

Schnell war auch der kleine Laden an der Hebbel-Flanke des Holländischen Viertels gefunden. Ein hoher, heller und dennoch gemütlicher Raum, den Susanne Müller mit zupackenden Freunden und Freundinnen nach ihren Ideen gestaltet hat. „Der Laden soll zeigen, wer ich bin“, sagt Susanne Müller. Deshalb hängen auch einige ihrer Fotografien an den Wänden. Ein Motiv, eine Straßenszene aus Havanna, hat es als Druck auf die Küchenfront gebracht. Susanne Müller war „das weißte Ungetüm“ inmitten von warmen Rost-, Braun- und Anthrazittönen ein Graus. Nun schmiegt sich die Küche ins Gesamtbild, das ein funkelnder Lüster krönt.

Ein über die Grenzen Potsdams hinaus bekanntes Geschäft

Nicht nur fürs Auge hat Susanne Müller einen der reizvollsten Läden Potsdams geschaffen. Der Name Schoko-Kunst ist über die Stadtgrenzen hinaus für seine erlesene Auswahl feinster Schokoladen und Pralinés bekannt. Wie die Chefin und das Interieur sind auch die Schokoladen individuell und kreativ – eben nicht von der Stange. Ins Regal kommt nur, was frei von künstlichen Aromen, Konservierungsstoffen und Industriezucker ist und dafür ökologisch angebaut und fair gehandelt wurde. Mehrmals kürte das Gourmet-Blatt „Feinschmecker“ Schoko-Kunst zu einem der besten Schoko- Läden Deutschlands. Schoko-Kunst ist außerdem in dem Reiseführer „111 Orte in Potsdam, die man gesehen haben muss“ erwähnt und sogar in einem Krimi. Längst ist Schoko-Kunst auch Ziel kulinarischer Stadtrundgänge.

Susanne Müller hat mit ihrem Laden eine Marke geschaffen und ein Versprechen gegeben. Sie möchte es halten, auch wenn sie Schoko-Kunst nun in andere Hände gibt. Bis es soweit ist, werden noch einige Monate vergehen. Der Wechsel ist für Anfang 2017 anvisiert. Derzeit führt Susanne Müller Gespräche mit dem einen oder anderen potenziellen Nachfolger. Bedingung Nummer 1: „Leidenschaftlich sollte er sein, damit Schoko-Kunst erhalten bleibt!“

Von Nadine Fabian

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