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Potsdam Schon Walter Ulbricht kritisierte das „Mercure“
Lokales Potsdam Schon Walter Ulbricht kritisierte das „Mercure“
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22:41 16.06.2016
Schaubild mit dem „Kreml“ und der geplanten Schwimmhalle am Brauhausberg vermutlich Ende des 1960er Jahre. Quelle: Stadtverwaltung Potsdam
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Potsdam

Verkehrte Welt: Walter Ulbricht zählte zu den frühen Kritikern des heutigen „Mercure"-Hotels. Als der Bau des Havelhochhauses längst auf vollen Touren lief, meldete sich der Staats- und Parteichef 1968 mit der Forderung: „Die architektonische Verträglichkeit zur historischen und modernen Bebauung ist zu sichern.“ Die Ruine der Garnisonkirche hingegen wurde bis in die 1960er Jahre von der sozialistischen Stadtplanung respektiert. „Bemerkenswert ist, dass die Garnisonkirche zu diesem Zeitpunkt noch hätte erhalten werden sollen“, schreibt der Architekturhistoriker Christian Klusemann mit dem Verweis auf 1961 und 1962 in der Zeitschrift „Deutsche Architektur“ publizierte Bebauungspläne.

Der ehemalige 1. Sekretär der SED und Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Walter Ulbricht, am 19. Januar 1970 in Ostberlin. Quelle: dpa


Klusemann ist der Herausgeber eines Buches „Das andere Potsdam“ mit dem Untertitel „DDR-Architekturführer“, das am Freitag um 18 Uhr im Potsdam-Museum vorgestellt wird. Mitten im kompromisslos geführten Streit zwischen Anhängern der DDR-Architektur und Befürwortern einer möglichst umfänglichen Rekonstruktion des Stadtbildes auf Vorkriegsniveau präsentiert er nach jahrelanger, akribischer Recherche ein Kompendium, das eine unglaubliche Fülle an Fakten, Zwischentönen, scheinbaren und tatsächlichen Widersprüchen in die Debatte bringt.

Die Verblüffung beginnt mit einem Übersichtsplan der Innenstadt, auf dem viele Gebäude schwarz, sehr viele aber rot markiert sind. Letztere sind „die im Buch explizit behandelten Bauten und Ensembles“, so die Legende. Die DDR hat mehr hinterlassen als manch einer denkt, und längst nicht alles sind Plattenbauten. Insgesamt hat Klusemann die Geschichte von 46 Häusern und Straßenzügen aus den Jahren 1946 bis 1990 erkundet. Drei zeitgeschichtliche Exkurse geben einen Überblick über die jeweilige politische Entwicklung und die Baupolitik.

Modell des Theaterneubaus am Alten Markt, für den im September 1989 der Grundstein gelegt wurde. Quelle: Potsdam-Museum

So erinnert das Buch daran, dass noch 1970 schwere Eingriffe in der zweiten barocken Stadterweiterung geplant waren. Dann aber wurde die heutige Brandenburger Straße so originalgetreu rekonstruiert, dass sogar Überformungen aus dem 19. Jahrhundert für das historische Erscheinungsbild entfernt wurden. Berücksichtigt sind in dem mit Anhang 294 Seiten starken, reich illustrierten Buch alle aktuell umstrittenen Gebäude vom Terrassenrestaurant „Minsk“ über das Rechenzentrum bis zum Mercure-Hotel. Das Porträt des Wohnblocks am Staudenhof beginnt mit der Schmähung durch einen Kritiker als „banale Kiste im unstädtischen Maßstab“, dann folgt ein Gegenbeweis.

In Einzelfällen erinnert das Buch an Gebäude, die es nicht mehr gibt. Das Haus des Reisens gehört dazu und der unmittelbar vor dem Mauerfall begonnene Theaterneubau am Alten Markt. Im kollektiven Gedächtnis blieb der Rohbaukern aus nacktem Beton, der 1991 wieder abgetragen wurde. Das Buch endet mit Modellen des Baus, der dort entstehen sollte.

Buchvorstellung und Bürgerbegehren

Der von Christian Klusemann herausgegebene DDR-Architekturführer „Das andere Potsdam“ wird heute um 18 Uhr in einer Veranstaltung des Museum-Fördervereins im Potsdam-Museum am Alten Markt 9 vorgestellt. Moderieren wird der Vereinsvorsitzende Markus Wicke, der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei. Das im Vergangenheitsverlag Berlin erschienene Buch kostet 16,90 Euro.

Das Buch kommt pünktlich zum Finale des im April gestarteten Bürgerbegehrens gegen den Abriss des „Mercure“-Hotels, der alten Fachhochschule und des Wohnblocks am Staudenhof in den Handel. Nach Angaben der Initiatoren kamen bis gestern rund 16 200 Unterschriften zusammen. Benötigt werden rund 13 600. Doch sicherheitshalber soll noch weitergesammelt werden, weil nach der Erfahrung früherer Bürgerbegehren einige Unterschriften ungültig sein können.

Christian Klusemann ist gebürtiger Münsteraner, lebte von 2002 bis 2011 in Potsdam, studierte Kunstgeschichte, Neuere Geschichte und Philosophie an der Technischen Universität Dresden und an der Freien Universität Berlin. Die Idee zum Buch entstand im Wintersemester 2013/14 an der Universität Marburg bei einem Projektseminar „SBZ/DDR-Architektur in Potsdam 1945 bis 1990“.

Von Volker Oelschläger

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