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Potsdam Stolpersteine für jüdische Potsdamer
Lokales Potsdam Stolpersteine für jüdische Potsdamer
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00:22 14.10.2014
Margarete und Siegfried Lehmann mit ihren Söhnen Alfred (l.) und Günter (r.). Quelle: Privat/Ralph Lehman
Jägervorstadt

Nur weil er als Jude heiraten wollte, wurde Alfred Lehmann wegen „Rassenschande“ zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach jahrelanger Zwangsarbeit starb er mit nur 32 Jahren im Konzentrationslager Groß-Rosen bei Breslau. Seine Mutter Margarete kam im KZ Auschwitz um, seinem Vater Siegfried Lehmann wurde die Notariats-Zulassung entzogen, so dass er keinerlei Einkommen mehr hatte. Um das Schicksal der drei Potsdamer mit jüdischem Glauben sichtbar zu machen, werden für sie in vor ihrem ehemaligen Wohnhaus Stolpersteine verlegt. Die kleinen, quadratischen Messingtafeln werden am Dienstag in der Weinbergstraße 36 im Boden versenkt.

Dass überhaupt so viel von der Lebensgeschichte der Familie bekannt wurde, ist Schülern des Humboldt-Gymnasiums zu verdanken. Sie haben in Archiven gestöbert, Verwandte gefragt und alte Akten gelesen. „Sonst werden meist nur grobe Fakten vermittelt. Durch unser Projekt ist aber deutlich geworden, was wirklich hinter dem NS-Regime steckte“, sagt Anja Vogler. Sie und die anderen Schüler haben sogar noch weiter geforscht, als das Schuljahr der neunten Klasse schon zu Ende war. So konnten sie auch Lebensdaten nachweisen, die bisher unbekannt waren. Auf einem Testament haben die Schüler das Hochzeitsdatum gefunden – bisher kannte das kaum einer.

Aus Spendengeld

Stolpersteine machen auf die Schicksale von Opfern des Nazi-Terrors, von Rassenwahn, Intoleranz und Euthanasie aufmerksam.
Eingelassen werden die Stolpersteine immer vor dem letzten selbst gewählten Wohnsitz. Zurück geht diese Form des Erinnerns auf den Kölner Künstler Gunter Demnig.
26 Stolpersteine sind bereits in Potsdam verlegt. Begonnen wurde das Projekt im Jahr 2008.
In der Großbeerenstraße 152 erinnert eine Messingplatte an den Sozialdemokraten Fritz Schüler (1894–1942). Er kam aufgrund seines politischen Engagements in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Auch in der Jägerallee, der Berliner Straße und am Platz der Einheit gibt es solche Erinnerungsorte.
120 Euro kostet eines der kleinen Mahnmale im Boden. Finanziert werden sie aus Spendengeldern.

Alfred Lehmann ist selbst quasi ein Vorgänger der heutigen Projektgruppe. Auch er hat auf dem Humboldt-Gymnasium gelernt, an dem er 1927 das Abitur ablegte. Besonders tragisch fanden die Jugendlichen, dass Lehmann fast die Flucht aus Potsdam gelungen wäre: „Er hatte schon die Ausreise geplant und finanziert. Eigentlich wollte er zu seinem Bruder in die USA fliegen. Aber dann wurde er wegen Rassenschande verurteilt“, sagt Niklas Ullmann. Ab und zu waren den jungen Leuten während des praktischen Geschichtsunterrichts die 1930er Jahre ganz präsent: „Es war am Ende so, als würden wir Alfred Lehmann und seine Eltern persönlich kennen“, sagt Anja Vogler.

Bald werden die Jugendlichen noch mehr über die Familie erfahren. Wenn die Stolpersteine verlegt werden, reisen dafür auch Nachfahren aus den USA an. „Günter Lehmann, der ältere der beiden Söhne der Familie, ist in die USA emigriert und hat dort eine Familie gegründet“, sagt der Zehntklässler Niklas Ullmann.

Veranstaltung: Die Stolpersteine werden am Dienstag, 17Uhr, verlegt. Ab 18 Uhr gibt’s Vorträge im Humboldt-Gymnasium, Heinrich-Mann-Allee 103.

Von Lisa Rogge

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