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Potsdam Schulsanitäter: Nachwuchs-Retter auf dem Schulhof
Lokales Potsdam Schulsanitäter: Nachwuchs-Retter auf dem Schulhof
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06:00 14.03.2019
Max Infanger geht in die 8. Klasse und ist Schulsanitäter am Schiller-Gymnasium in Potsdam. Quelle: Hannah Rüdiger
Potsdam

 Kompressen, Blutdruckmessgerät, Beatmungsmaske. Fachmännisch nimmt Max Infanger ein medizinisches Hilfsgerät nach dem anderen in die Hand und erklärt kurz und knapp, wozu es da ist. „Ziemlich stabil“, kommentiert er eine ordentlich zusammengelegte Tragedecke und schiebt sie wieder zurück in den knallroten Rettungsrucksack. Dann setzt er ein manuelles Beatmungsgerät zusammen und demonstriert, wie er es benutzen würde. So arbeitet er sich Stück für Stück durch seine Ausrüstung. Max kennt sich bestens aus – und das, obwohl er gerade einmal 13 Jahre alt ist.

Der Achtklässler ist seit etwa einem Vierteljahr einer von zwei Schulsanitätern am Potsdamer Schiller-Gymnasium. In einem Alter, in dem sich andere Kinder auf dem Bolzplatz die Bälle um die Ohren hauen, verbrachte er sechs Wochen lang so gut wie jedes Wochenende mit den Helfern vom Malteser Hilfsdienst Berlin. Die Hilfsorganisation brachte ihm bei, andere in die stabile Seitenlage zu bringen, Schwerverletzte zu reanimieren oder wie Herzdruckmassagen funktionieren. „Das war manchmal ganz schön kompliziert“, erzählt er. „Jede Kleinigkeit ist wichtig.“

Jeder Einsatz wird genau protokolliert

Schulsanitäter Max Infanger kennt seine Ausrüstung ganz genau. Quelle: Hannah Rüdiger

Als Schulsanitäter ist er der erste Helfer vor Ort und überbrückt die Zeit bis der Notarzt eintrifft. Jeden Einsatz protokolliert er auf einem Vordruck. Verletzungssymptome, Puls, Blutdruck, Atmung – alles könnte für die Rettungskräfte wichtig sein. „Am wichtigsten ist, dass man genau einzeichnet, wo die Verletzung war“, sagt er und tippt auf eine kleine Zeichnung des menschlichen Körpers.

Dramatisch seien seine Einsätze bisher allerdings nicht gewesen. „Einmal ist jemand in der Pause umgekippt, da war ich gerade in der Nähe“, erinnert er sich. Dem Mädchen habe er ein bisschen Zucker gegeben, dann sei es ihm schon besser gegangen.

Schulleiter sehr zufrieden mit Sanitätern

Schulleiter Andreas Mohry hat auch schon heftigere Situationen erlebt. Vor etwa acht Jahren habe sich eine Schülerin im Chemieunterricht am Arm verbrannt. Die polyesterhaltige Kleidung der Zehntklässlerin schmolz und klebte an der verbrannten Haut. „Das ist zum Glück alles gut verheilt“, erzählt der Schulleiter. Auch eine ausgekugelte Schulter habe es einmal gegeben. Und bei Sportfesten könnte immer mal jemand umkippen. „Dann ist es gut, jemanden hier zu haben“, sagt Mohry.

Wenn ein Notarzt hinzugerufen werden muss, überbrücken die Schulsanitäter die etwa fünf Minuten Wartezeit. Medikamente dürfen die Nachwuchs-Sanitäter zwar nicht verabreichen – manchmal sei es aber schon genug, wenn sie dem Verletzten Trost spenden, bis Hilfe kommt, erläutert Mohry.

Pro Schuljahr gebe es durchschnittlich zwei bis drei schwerere Verletzungen, von denen viele auf dem Schulweg passieren. Von den 115 Mitarbeitern des Schiller-Gymnasiums hätten mehr als 40 eine Ersthelfer-Ausbildung, die sie alle zwei Jahre auffrischen. „ Es ist aber nochmal ein Unterschied, ob ich ein ausgebildeter Schulsanitäter oder ein normaler Ersthelfer bin“, erläutert Mohry. Die Schulsanitäter würden deutlich mehr Zeit in ihre Ausbildung stecken.

Seit 2007 setzt der Schulleiter auf Schulsanitäter. „Unsere Erfahrungen damit sind hervorragend“, resümiert er. „Wir freuen uns über das Engagement.“ Allerdings würden sich meistens nur ein oder zwei Schüler für die Aufgabe melden. „Es ist schade, dass es nicht so viele Schüler gibt, die Interesse daran haben“, sagt Mohry.

Manche Mitschüler machen sich lustig

Max Infangers Mitschüler reagieren sehr unterschiedlich auf seine besondere Rolle. „Manche machen sich darüber lustig“, erzählt er. „Aber schlussendlich sind das diejenigen, die froh sind, wenn etwas passiert und ich da bin.“ Einzelne Schüler würden sich sogar über Kinder lustig machen, denen es nicht gut geht. Das könne der 13-Jährige überhaupt nicht nachvollziehen.

Eines Tages möchte Max Infanger Arzt werden. Quelle: Hannah Rüdiger

Seine Freunde hätten sich hingegen sehr für ihn gefreut, als er die letzte Prüfung bestanden hatte. Unterstützung bekomme er auch von seiner Familie: „Meine Eltern sind stolz auf mich“, sagt Max. Beide Elternteile kommen aus dem medizinischem Bereich. Sein Vater ist Chirurg, seine Mutter arbeitete früher als Krankenschwester. Nach der Schule möchte Max unbedingt in ihre Fußstapfen treten.

„Ich wollte immer anderen Menschen helfen“, sagt der 13-Jährige. Eines Tages möchte er Arzt werden. Seine Aufgabe als Schulsanitäter nimmt er deswegen sehr ernst. „Es ist eine große Verantwortung“, sagt er. Angst, dass mal etwas schiefgehen könnte, habe er aber nicht. Mit so einer Einstellung müsse man den Job gar nicht erst machen. „Man tut sein Bestes, um den Menschen zu helfen“, sagt er. „Wenn’s mal nicht gelingt, dann nicht. Wenn’s aber doch gelingt, dann umso besser.“

Schulsanitäter im Einsatz

Gemeinsam mit Brandenburger Schulen bieten Hilfsorganisationen einen Schulsanitätsdienst an, der sehr erfolgreich läuft. Hierbei setzen die Malteser, die Johanniter-Jugend oder das Deutsche Rote Kreuz auf das Ehrenamt.

Schüler werden zu Schulsanitätern ausgebildet, die für ihren Einsatz kein Geld erhalten.

Die Idee: Junge Ersthelfer lernen durch ihre Tätigkeit soziale Kompetenzen.

In Wochenendseminaren lernen die Nachwuchs-Retter zum Beispiel wie eine Herzdruckmassage funktioniert oder was bei der stabilen Seitenlage zu beachten ist. Wenn sie alle Prüfungen bestanden haben, werden sie mit einem Erste-Hilfe-Rucksack ausgestattet.

In Brandenburg bieten die Malteser den Schulsanitätsdienst seit 2007 an. Es gibt ihn an der Marienschule in Potsdam, am Bernhardinum in Fürstenwalde und neu am Potsdamer Schiller-Gymnasium. 25 Schulsanitäter stehen Mitschülern und Lehrern in der Not zur Seite.

Von Hannah Rüdiger

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