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Potsdam Schwarzer Würfel im Villenviertel
Lokales Potsdam Schwarzer Würfel im Villenviertel
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07:15 25.04.2016
Schlicht und preisgekrönt ist das Haus, das Andreas Coerper und Susanne Müller in der Großen Weinmeisterstraße gebaut haben. Quelle: Marcel Kirf
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Nauener Vorstadt

Der Grimmepreis steht abseits. Zwischen Notizen und Unterlagen und Büchern auf einem Schränkchen am Schreibtisch. Die Comedypreise, Siegerurkunden und anderen Auszeichnungen hängen an der Wand neben der Toilette im Erdgeschoss. Darunter der Baukulturpreis für das selbstentworfene Haus in der Großen Weinmeisterstraße. Das darf man nicht falsch verstehen: Susanne Müller und Andreas Coerper freuen sich über die breite Anerkennung für ihr Wirken. Aber alles Repräsentative liegt ihnen fern. Eine gewisse Leichtigkeit in allen Belangen ist ihnen wichtig. Sie behelfen sich mit ihrem ureigensten Arbeitsmittel: humoristischer Verfremdung.

Den Grimme-Preis gab es für „Sonneborn rettet die Welt“. Mit dem ehemaligen Titanic-Chefredakteur und heutigen EU-Parlamentarier für die Satire-Partei DIE PARTEI arbeitet das Paar seit langem zusammen. Andreas Coerpers Stimme hat jeder an intelligenter Komik interessierte Fernsehzuschauer in Deutschland schon einmal gehört – in der NDR-Satiresendung „Extra 3“ oder der „heute-Show“ im ZDF zum Beispiel. Mit Hunderten von Beiträgen haben er und Susanne Müller die Humorkultur hierzulande in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt.

Bauherren: Andreas Coerper und Susanne Müller. Quelle: Marcel Kirf

Leichtigkeit und die Ablehnung allen Repräsentativen macht auch die moderne Architektur ihres Zuhauses aus. Zwischen all den Villen und Schmuckfassaden entlang des Neuen Gartens und unterhalb des Pfingstberges fällt auf, was die aus Hamburg gekommenen Filmemacher Müller und Coerper in die Landschaft gesetzt haben. Touristen bestaunen es auf Bustouren. „Black Box“ nennen es die Fremdenführer in Ermangelung anderer Begriffe. Wie der Monolith in Kubricks „2001: A Space Odyssey“ ist der schwarze Würfel ein abstrakter Bruch eingeübter Sehgewohnheiten. Eine neutrale Form inmitten auf Pracht und Prunk angelegten Weltkulturerbes. Und zugleich erscheint alles so temporär, wie es gedacht ist: ein dünnes Stahlgerippe trägt den Kubus, ein stützenloser Leichtbau, den man „jederzeit auseinanderbauen, sortieren und entsorgen könnte“, wie Andreas Coerper scherzt. Große Glasflächen verbinden Innen und Außen. Die schwarze Optik der Fassaden rührt von deren „textiler Haut“ her, gewebebespannten Aluminiumrahmen, die teilweise verschiebbar sind.

Inspiriert von den „Case Study Houses“, dem Versuch namhafter Architekten der Nachkriegszeit, kostengünstige Wohnalternativen zu schaffen, haben die architekturbegeisterten Wahl-Potsdamer ihr Traumhaus entworfen. Spartanisch, nur auf das Nötigste reduziert, ist auch der Innenbereich: ein großer Raum, ein Atelier zum Arbeiten und Aufhalten, „keine Monsterküche“, ein durchgängiger Boden, keine Badewanne oder Duschtassen. Der intime Bereich privaten Alltags findet in einer Box innerhalb der Box statt, im „Hamsterkäfig“, wie Andreas Coerper sagt. Als Zwischengeschoss ist eine hölzerne „Schachtel“ eingehängt. Hier befindet sich das Schlafzimmer, die Wäsche, das Nicht-Öffentliche. 2009 wählte die Zeitschrift „Schöner Wohnen“ das Müller-Coerpersche Domizil zum „Haus des Jahres“, vom Land Brandenburg gab es eine Urkunde im Rahmen des Baukulturpreises.

Großzügige Glasflächen verbinden Innen und Außen. In der hölzernen Box befindet sich vor allzu neugierigen Blicken geschützt das Schlafzimmer. Quelle: Marcel Kirf

Für Potsdam haben sich Andreas Coerper und Susanne Müller ganz bewusst entschieden. Im immer schicker werdenden Hamburg wurde es ihnen nach der Jahrtausendwende zu eng, nicht nur räumlich. Auch habe es „eine Sehnsucht nach dem wilden Osten“ gegeben, den die beiden voller Neugier zuvor schon kreuz und quer bereist hatten. In Potsdam begeisterte sie der Gegensatz zwischen „gebauter Utopie“ und einer Stadt im Umbruch. Als dann noch klar wurde, dass sie modern bauen dürfen, ausgerechnet in der Weinmeisterstraße, die nicht lange Zeit zuvor im verbotenen KGB-Städtchen innerhalb der heutigen Landeshauptstadt gelegen war, deswegen „verwunschen und unsaniert“, im Grünen und in Wassernähe, gab es kein Halten mehr. „Wir ziehen ins Paradies“, waren sie sich einig. Und auch, wenn sich Potsdam seither stark verändert hat, haben Andreas Coerper und Susanne Müller ihre Entscheidung nie bereut.

Große Weinmeisterstraße

Der Name „Große Weinmeisterstraße“ erinnert an die einstigen Weingärten zwischen Pfingstberg und Heiligem See. Die herrschaftlichen Villen waren einst bewohnt von preußischen Prinzen und Mitgliedern des Hofs, später von Industriellen und bürgerlichen Würdenträgern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen Offiziere der sowjetischen Geheimdienste ein. Das Areal wurde zum Sperrgebiet, zu Potsdams „Verbotenen Städtchen“. Bis 1994 hieß die Straße Uliza Zentralnaja (Hauptstraße).

Seit 1999 ist die Große Weinmeisterstraße Teil des Potsdamer Weltkulturerbes.

Von Marcel Kirf

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