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Schweben und schwirren

Der Potsdamer Sebastian Dreyer ist einer der wenigen professionellen Sitar-Spieler Deutschlands Schweben und schwirren

Nicht gerade komfortabel sieht die Position aus, in der Sebastian Dreyer auf dem Teppich in seinem Musizierzimmer hockt. Die Socke seines linken Fußes hat er abgestreift und darauf den Korpus seines Instruments platziert.

POTSDAM. . Das linke Bein liegt angewinkelt auf dem Boden, das rechte hat er darüber geschlagen. Verknotungsgefahr? „Viele kriegen das nicht hin, aber für mich ist diese Position bequem“, sagt Dreyer. Kurz darauf, lässt er die Töne seiner Sitar wieder durch den Raum schweben und schwirren.

Sebastian Dreyer ist einer der wenigen professionellen Sitar-Musiker des Landes. Der 35 Jahre alte Potsdamer vermutet, dass es in ganz Deutschland etwa nur zehn Leute gibt, die mit diesem besonderen Instrument so vertraut sind, dass sie gute Konzerte geben können. Seit dem Tod des berühmtesten Musikers Indiens, Ravi Shankar, beschäftigen sich wieder mehr Menschen mit dem psychedelischen Sound der Raga-Musik.

Die indischen Ragas sind improvisierte Variationen über ein Thema und können sich von zehn Minuten bis zu einer Stunde ausdehnen. „Dabei handelt es sich aber nicht um wildes Improvisieren und ein bisschen dudeln“, erklärt Dreyer. Vielmehr gibt es immer wiederkehrende Phrasen, die der Künstler in Tempo und Länge arrangiert. Musiker wie Sebastian Dreyer schätzen ein Gefühl von Freiheit, wenn sie das Instrument spielen. „Es gibt keine vorgegebenen Kompositionen und keine Trennung zwischen Urheber und Interpret“, erklärt er.

Als Teenager verliebte sich Dreyer in den Klang der Sitar. Er fand die Schallplatte des indischen Sitarspielers Nikhil Banerjee im Wohnzimmerregal. Die Platte hatten Dreyers Eltern noch in der DDR erworben, als genau zwei Amiga-Schallplatten von Sitarmusikern zugelassen waren: die von Ravi Shankar und Nikhil Banerjee. Die Musik auf der Platte von Banerjee sprach den jungen Potsdamer an. Trotzdem dauerte es zwei Jahre, bis Dreyer sein erstes Sitar-Konzert besuchte und dort „ein Aha-Erlebnis“ hatte. „Anfangs findet man es toll, wie das Instrument schwingt und schwirrt und es sieht eben krass aus“, sagt Dreyer.

Später, als er selber Sitar-Unterricht bei einer Lehrerin in Berlin nahm, faszinierte ihn das Raga-Konzept mehr, als das indische Zupfinstrument. Der Raga schreibt vor, welche Töne zu einem Musikstück passen. Faszinierend findet Dreyer, wie das Instrument den klassischen, indischen Gesang imitiert.

Im Jahr 2003 begegnete Dreyer bei einem Hauskonzert Partha Chatterjee. Dieser war ein Schüler von Nikhil Banerjee, eben jener Sitarspieler, von dem Dreyers Eltern die Platte besaßen. Heute ist Dreyer glücklich, wenn er zweimal im Jahr mit seinem Lehrer Partha Chatterjee musiziert. Er trifft ihn bei Workshops in Deutschland oder in seiner Heimat Kalkutta. Von dem erfahrenen Sitarspieler lernt Dreyer neue Melodien „aus dem unerschöpflichen Schatz aus Ragas“.

Auch Dreyer, der vergleichende Musikwissenschaft und Indologie an der Freien Universität in Berlin studiert hat, gibt sein Wissen weiter. Seit acht Jahren unterrichtet er die Sitar in Potsdam und Berlin privat und an der Musikschule. Die jüngste Schülerin ist neun Jahre alt. Ihre Eltern hätten ein Faible für indische Musik. „Ein gute Sitarspieler“, sagt Dreyer, „sei jemand, der ruhig und bedächtig spielt.“

Wenn man danach geht, wie sich der Musiker im Gespräch gibt, ist er dafür der geborene Botschafter. Dreyer, spricht ruhig und wählt seine Worte besonnen aus. In seiner schwarzen Hose und dem schwarzen Hemd wirkt er nicht wie ein Hippie-Blumenkind. Dabei mag er die Natur rund um Potsdam gern.

Mindestens ebenso wie das Umland liebt Dreyer Potsdam. Gern würde er dort wiederauftreten. „Problematisch ist, wenn Veranstalter sich nicht trauen, außer-europäische Musik so stehen zu lassen, wie sie ist.“

Das nächste Konzert gibt Dreyer am 26. April im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg/Havel. (Von Diana Bade)

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