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Schwindel und Schwebe

An der Babelsberger Filmhochschule „Konrad Wolf“ entsteht innerhalb eines Forschungsprojektes „Die Reise der Imagonauten“ – ein 180°-Spielfilm Schwindel und Schwebe

Eine apokalyptische Welt: Die Erdoberfläche ist verseucht; ein Leben nur in hermetisch abgeschotteten, gläsernen Bunkern möglich. Die wenigen verbliebenen Menschen wie Max fristen dort ihr Dasein.

Max ist ein Imagonaut, arbeitet im „Institut für den Erhalt des Kulturerbes“, in dem die Menschheitsgeschichte in virtuellen Räumen nachgebaut und bewahrt wird. Max (gespielt von Maximilian Klas) testet diese virtuellen Realitäten.

„Die Reise der Imagonauten“ heißt der erste 180°-Spielfilm, der zurzeit an der Babelsberger Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF) innerhalb eines interdisziplinären Forschungsprojektes in Kooperation mit dem Fraunhofer Heinrich Hertz Institut entsteht. Die letzten Szenen werden in der kommenden Woche in Potsdam und Berlin gedreht. Während bei 180°-Filmen bislang insbesondere dokumentarische oder effektlastige Ansätze verfolgt wurden, geht es bei dem Forschungsprojekt um ein gänzlich neues filmisches Erzählen, erzählte gestern Philipp Wenning, der an der HFF im neunten Semester Montage studiert und für das Projekt auf den Regiestuhl wechselte. Anders ist die Bildsprache: „Jede Kameraeinstellung gewinnt wieder an Bedeutung, wir probieren viel aus, dadurch ist das Filmen ein freier Prozess“, schwärmte der 27-Jährige. Klassisch gefilmte Szenen wechseln sich in den „Imagonauten“ ab mit „Räumen, die sich öffnen und in denen der Zuschauer dann entscheiden kann und muss, was er sehen möchte“, sagte Wenning. Das Format sei wesentlich näher an der Realität als das gewohnte Filmbild, das eben nur einen Ausschnitt zeigt. Der Regisseur verspricht neuartiges, „körperliches“ Kinoerleben, etwa Schwindel- und Schwebezustände: „Der Zuschauer wird ins Geschehen hineingezogen.“ Dazu passend ist der raumfüllende Ton.

Eigens für die Dreharbeiten konstruiert wurde ein komplett mobiles 180°-Kamera- und Projektionssystem. Bevor der Dreh im August vergangenen Jahres startete, haben sich die Studenten mit den historischen Entwicklungen des Formats „Multi-Projektoren-Panoramafilm“ seit den 1950ern beschäftigt.

An drei Tagen während der Berlinale präsentierten die Macher der „Imagonauten“ bereits das für eine deutsche Filmhochschule einzigartige Projekt – mit Erfolg. Rund 350 Filmbegeisterte sahen einen 13-minütigen Trailer aus den „Imagonauten“ und kurze Panorama-Experimente. Beim Studentenfilmfestival Sehsüchte Ende April in Babelsberg werden ebenfalls Ausschnitte zu sehen sein. Ende des Jahres soll der auf 45 Minuten angelegte Film Premiere feiern. Retten die „Imagonauten“ vielleicht sogar das immer mal wieder totgesagte Kino vor Internet- und Bildschirmkonkurrenz? „Die Option ist gegeben“, sagte Wenning: „Es geht uns ja darum, einen exklusiven Kinoraum zu schaffen.“ Das Problem bislang: Es gibt keine Lichtspielhäuser mit entsprechender 180°-Projektionstechnik. Die HFF-Studenten sind dagegen privilegiert, denn in ihrem „Forschungslabor“ im „Kunsthaus 17“ an der Heinrich-Mann-Allee 103 steht die nötige Technik. (Von Ricarda Nowak)

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