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Sechs gefährliche Stufen

Potsdam Schlaatz Sechs gefährliche Stufen

Eltern im Wieselkiez sieben sorgen sich um ihre Kinder, denn auf dem gern besuchten Hof des Hauses mit vielen Spielgeräten führt eine ungesicherte Treppe nebst Stolperschwelle zu einem Fernwärmeraum. Nach vielen Interventionen beim Vermieter, der städtischen Gewoba, hängt dort eine Kette, was den Eltern nicht genügt. Doch mittelfristig löst sich das Problem wohl.

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Festhalten an der Kette ist für Ryan (3) und Katharina (5) okay – drüber- oder drunterfallen können die Kinder im Spiel aber leicht.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Schlaatz. Wann immer Oliver Klötzer seine Kinder zum Spielen auf den Hof schickt, beschleicht ihn ein mulmiges Gefühl. Denn die vier Knirpse im Alter von zehn, acht, fünf und drei Jahren toben täglich in der Nähe einer potenziellen Unfallstelle. Auf dem Innenhof des U-förmigen Gebäudes Am Wieselkiez 7, für sich genommen ein schöner, abgeschirmter Spielplatz, ist eine ungesicherte Kellertreppe, die schnell zu Verletzungen führen könnte, falls eines der Klötzerschen oder ein anderes dort spielendes Kind mit einem Roller, Dreirad oder einfach rückwärts laufend dort hinunterfiele. „Sie können zwar aufpassen und warnen, aber nicht ihre Augen überall haben, wenn da zehn oder elf Kinder über den Hof toben“, sagt er. Der Hof ist ein beliebter Spielplatz, dort stehen viele Geräte, zwei Buddelkästen, und da er vom Otterkiez nicht einsehbar ist, biete er viel Schutz für besorgte Eltern, sagt Klötzer, zudem sei er von den Wohnungen aus gut einsichtig.

Das Problem mit der steilen Treppe sei zudem, dass oben eine Art Schwelle liege, die zum Stolpern geradezu einlade. Den Keller selbst können die Mieter im Übrigen nicht nutzen, so dass sich die Frage nach dem Sinn der ungesicherten Treppe erst recht stelle. Ginge es nach Oliver Klötzer, so würde dort ein massives Eisengitter den Eingang sperren, gern auch in Form einer verschlossenen Tür – so wie es an den Seiten der Treppe bereits jetzt steht.

Die Rechtslage zur Gefahrenabwehr

Die sogenannte Gefahrenabwehr ist ein gesetzlich streng regulierter Begriff.

Das Gefahrenabwehrrecht unterscheidet zwischen vier Situationen: keine Gefahr, Scheingefahr, Gefahrverdacht und Gefahr/Anscheinsgefahr.

Keine Gefahr besteht, wenn ein objektiver Beobachter vor der Situation keine Wahrscheinlichkeit einer Gefahr erkennen könnte.

Eine Scheingefahr liegt vor, wenn der Beobachter eine Gefahr annimmt, diese aber nicht eintritt.

Ein Gefahrenverdacht liegt vor, wen der Beobachter einen Verdacht hat, aber keine sichere Prognose ob des Eintritts vorliegt.

Bei Gefahr indes genügt eine hinreichende Wahrscheinlichkeit eines Schadenseintritts. Falls sich nachher herausstellt, dass sie nicht drohte, wird sie zur Anscheinsgefahr, was etwa für Schadenersatzansprüche relevant ist.

Seit März wandte sich Klötzer daher regelmäßig an den Vermieter, die zur städtischen Immobilienholding Pro Potsdam gehörende Gewoba. Er habe mehrfach geschrieben und 14-Tages-Fristen gesetzt zur Gefahrenabwehr, sagte er der MAZ. Zudem gab es viele Telefonate im Mai, Juni und Juli, doch alles blieb ohne Ergebnis. Vor etwas mehr als zwei Wochen kam dann ein Handwerker und zog eine Eisenkette, doch aus Sicht der Mieter ist das Problem damit kaum bis gar nicht gelöst: Die Kette hänge für kleine Kinder zu hoch und bremse auch niemandem, der mit Schwung auf die Stufen zurase. „Entweder fällt man drüber oder drunter durch“, sagt Oliver Klötzer.

Das Problem besteht schon lange, räumen die Mieter ein, aber es habe sich bislang niemand dessen angenommen, erst mit Klötzers Initiative kamen die Dinge in Schwung.

Bei der Pro Potsdam wiegelt man ab. Solche Zugänge zu den Fernwärmeräumen – denn um nichts anderes handelt es sich bei der Treppe und der eisernen Tür am Ende – seien in Gewoba-Wohnungen durchaus üblich. Bisher sei nie etwas geschehen, weder im Wieselkiez noch anderswo. Schließlich handle es sich auch nur um fünf bis sechs Stufen, sagte Pressesprecherin Anna Winkler auf MAZ-Nachfrage. Die Kette sei bereits ein Zeichen guten Willens gewesen. Langfristig werde sich das Problem ohnehin lösen, denn dann werde die ganze Treppe „zurückgebaut“, also verfüllt und die Absperrung entfernt. Der Zugang zum Fernwärmeraum werde nämlich gar nicht gebraucht, es gebe auch einen Zugang von der anderen Seite, so Winkler. Wann genau das beginnt, sei derzeit noch offen, die Gewoba warte ab, bis die Genossenschaft Karl Marx nebenan ihr Haus saniere, dann starte auch das städtische Unternehmen mit dem Rückbau. Ein technischer Kundenbetreuer prüfe bereits die Umsetzung der Planung.

Von Jan Bosschaart

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