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Seddiner bietet Potsdam ein Wappen an

Seddin Seddiner bietet Potsdam ein Wappen an

Der Seddiner Mineraloge Heiner Vollstädt bietet der Stadt Potsdam ein Wappen aus Mineralen an. Die Marmorplatte war von ukrainischen Künstlern in Kiew geschaffen worden und sollte vor 25 Jahren ein Geschenk an die Landeshauptstadt zur 1000-Jahr-Feier werden. Doch Potsdam verschmähte damals das Angebot.

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Heiner Vollstädt aus Seddin will der Stadt Potsdam ein Wappen aus Mineralen anbieten. Das Wappen wurde von ukrainischen Künstlern in Kiew geschaffen und befand sich vor fast 25 Jahren schon einmal in der Landeshauptstadt.

Quelle: H. Helwig

Seddin. Ein nicht alltägliches Angebot unterbreitet der promovierte Mineraloge Heiner Vollstädt der Stadt Potsdam. Er bietet ihr eine Marmorplatte mit dem Wappen der Landeshauptstadt an, das aus verschiedenen Mineralen zusammengesetzt ist. Das Wappen wurde von ukrainischen Künstlern in Kiew geschaffen. Es sollte schon vor 25 Jahren einen Saal oder ein Foyer im Potsdamer Rathaus schmücken. Doch dazu war es nie gekommen.

In den 1970-er/1980-er Jahren arbeitete Vollstädt im damaligen Zentralinstitut für Physik der Erde der DDR auf dem Potsdamer Telegrafenberg und war dort als Bereichsleiter in der Hochdruckforschung tätig. In dieser Zeit war die DDR daran interessiert, eine eigene Produktion von Industriediamanten aus Kohlenstoffverbindungen aufzubauen, die in verschiedenen Wirtschaftszweigen unter anderem zum Schleifen und Polieren oder auch zum Abtasten von Tonträgern eingesetzt werden sollten. Dazu mussten spezielle Verfahren entwickelt werden, die das Zentralinstitut in enger Kooperation mit dem Institut für superharte Werkstoffe der Akademie der Wissenschaften in Kiew erarbeiten sollte.

„Wir waren eine Gruppe von etwa 30 Wissenschaftlern und Technikern, die sich mit der Bearbeitung von Mineralen und der Entwicklung entsprechender Maschinen beschäftigten“, sagt Vollstädt. Einige der Gruppenmitglieder waren in ihrer Freizeit auch künstlerisch aktiv. So verkleideten sie beispielsweise Industrieroboter, die als Hochdruckpressen für die Diamantherstellung arbeiteten, als ukrainische Bauern, um ihnen ihr kaltes maschinelles Aussehen zu nehmen und ihnen ein menschlicheres Antlitz zu geben. Noch heute hat der 77-jährige Professor Kontakt zum Kiewer Institut.

Im Vorfeld der 1000-Jahrfeier von Potsdam im Jahr 1993 hatte auch Vollstädts Team überlegt, welchen Beitrag es zum Stadtjubiläum leisten könne. „Wer schließlich auf die Idee kam, Potsdam ein Wappen aus Mineralen zu widmen, weiß ich nicht mehr. Ich hatte damals vergeblich einen Sponsor gesucht, der der Stadt die Platte stiften könnte.“

Also machte sich Vollstädt selbst auf den Weg ins Potsdamer Rathaus und bot dort einem Verwaltungsmitarbeiter die Marmorplatte an. Danach hörte er nie wieder etwas von der Stadtverwaltung. „Die hatten damals wohl andere Sorgen“, erklärt sich der Seddiner das Schweigen. Mehr als zehn Jahre lang wusste Vollstädt nicht, ob und wo sein Geschenk, wofür er einst nach eigenen Angaben noch 4500 DDR-Mark bezahlt hatte, einen passenden Platz gefunden haben könnte. Als dann im Potsdamer Rathaus umfangreiche Umbauarbeiten anstanden, riet ihm ein Bekannter, das Wappen schnell wieder abzuholen. Der Bekannte hatte es im Stadtarchiv entdeckt und befürchtet, es könne mit dem Bauschutt entsorgt werden.

Nun möchte Heiner Vollstädt der Stadt und seiner Marmorplatte eine zweite Chance geben, nach dem sie in den vergangenen Jahren in den Laboren seiner jetzigen Firma vor sich hin gedümpelt hat. „Es wäre schade, sollte die Arbeit der Künstler umsonst gewesen sein.“ Die Potsdamer Stadtverwaltung ist auf solch ein Angebot nicht vorbereitet. „Uns ist die Angelegenheit nicht bekannt. Wir werden der Sache nachgehen. Im Moment kann ich Ihnen dazu nichts sagen“, teilt Pressesprecher Stefan Schulz auf MAZ-Nachfrage mit.

Potsdams Stadtwappen wiegt mehr als 50 Kilogramm

Die Grundplatte des Wappens besteht aus Marmor, der Hintergrund aus Bernstein und der Adler aus Achat. Der dunkle Rand sowie die dunklen Elemente wurden aus Gabbro, einer Variante des Basalts, hergestellt.

Das Gewicht des Stadtwappens beträgt mehr als 50 Kilogramm. Die Marmorplatte ist 80 Zentimeter mal 55 Zentimeter groß.

Von den Industrierobotern gibt es weltweit nur noch drei Stück in Kiew, in Moskau und im Diamanten-Museum in Brügge (Belgien). Das Exponat ist eine Dauerleihgabe von Heiner Vollstädt, der den Roboter in einen preußischen Offizier verwandelt hat.

Von Heinz Helwig

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