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Potsdam Seerosen-Krieg in der Havelbucht
Lokales Potsdam Seerosen-Krieg in der Havelbucht
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00:30 24.05.2015
Das ursprüngliche Erscheinungsbild: Das freistehende Restaurant soll einem schwimmenden Seerosenblatt gleichen.  Quelle: Privat
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Innenstadt

 Es ist das bedeutendste Denkmal der Ost-Moderne in Potsdam: das Restaurant „Seerose“ an der Neustädter Havelbucht. Mit der Projektierung war seinerzeit der Bauingenieur Ulrich Müther betraut, eine der Ikonen der DDR-Architektur. Sein Markenzeichen waren Bauwerke, die sich durch doppelt gekrümmte Beton-Schalentragwerke auszeichnen. Geplant und gestaltet wurde die „Seerose“ von dem Potsdamer Dieter Ahting. Eröffnung war im Mai 1983 anlässlich des Friedenstreffens der Jugend der sozialistischen Länder in Potsdam.

Doch nun droht die „Seerose“ für lange Zeit zum Zankapfel werden. Vor Gericht stehen sich die Landeshauptstadt und der Eigentümer der „Seerose“, Gastronom Guido Greifenberg, gegenüber. Greifenberg ist in der Gastro-Szene bekannt. In Potsdam zählen unter anderem das „Pfeffer und Salz“, das „Maximilian’s“ in der Brandenburger Straße und das „Ristorante Cancello“ im Nauener Tor zu seinem Reich. In Berlin sorgte er vor wenigen Wochen für Schlagzeilen, als er die „Wannsee-Terrassen“ als Pächter übernahm.

Ein Zaun versperrt den Blick auf das Gebäude, das laut Denkmalschutz frei stehen sollte. Quelle: Köster

In Potsdam gibt hingegen bei der „Seerose“ weniger frohe Botschaften. Denkmalpfleger erheben Vorwürfe gegen den Gastronomen: Greifenberg missachte schon seit langem die Denkmalschutzbestimmungen. Kritikpunkt Nummer eins ist das unmittelbare Umfeld der „Seerose“. So sollten die denkmalgeschützten Außenanlagen laut Vorgabe komplett frei bleiben. Der Gedanke dahinter: Auf diese Weise wird der gestalterische Eindruck eines frei schwimmenden Seerosenblattes geschaffen. Der umgebende Sand und die Pflasterflächen sollen dabei die Wellen einer Wasserfläche symbolisieren – theoretisch. In der Praxis sieht es mittlerweile ganz anders aus. Statt einer Freifläche findet man im Umfeld nun unter anderem einen Bauzaun, Heckenpflanzungen, Einhausungen für Gerätschaften. Über die historischen Pflasterflächen wurden Holzroste gelegt. Alles ohne erforderliche Baugenehmigung.

Laut Stadt nicht genehmigt: Die Terrasse über dem historischen Pflaster. Quelle: Köster

In dieser Woche landete die Angelegenheit nun vor dem Potsdamer Verwaltungsgericht. Greifenberg hatte einen Bauantrag gestellt zur Genehmigung der Gestaltung der Außenanlagen. Nachdem er bei der Stadt damit abgeblitzt war, klagte er dagegen. Doch Richterin Ingrid Meinecke schloss sich der Auffassung der Verwaltung an. „Die Klage wurde abgewiesen“, erklärte der stellvertretende Gerichtssprecher.

In einem zweiten Verfahren ging es vor dem Verwaltungsgericht um die Beseitigung der ungenehmigten Anlagen. Die Gerichtsentscheidung dazu ist allerdings bis zum 5. Juni vertagt worden.

Greifenbergs Rechtsanwalt Jörg Baumgart zeigte sich gestern zuversichtlich: Seinen eigenen Recherchen in Unterlagen des Landesdenkmalamts hätten eindeutig ergeben, dass die Unterschutzstellung nur einen Teilbereich betreffe. Und zwar: „Nur den Bereich der Seerose zum Wasser hin.“ Weshalb die straßenseitig aufgestellten Objekte – Zaun, Einhausung, Mülltonnen-Stellplatz – auch nicht als problematisch zu werten seien, erklärte Baumgart, der zudem Bestandschutz geltend machen will. Ein neuer Bauantrag sei bereits ausgearbeitet: „Der ist aus unserer Sicht genehmigungsfähig.“

Der Außenbereich ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Denn auch das Innere des Traditionsrestaurants ist Denkmalschützern ein Dorn im Auge, weil es – ohne Genehmigungen – verändert wurde. Original seien nur noch die Toiletten-Griffe, berichten Gäste.

Die Seerose

Eingerichtet wurde das damalige Café im Zusammenhang mit dem ab Anfang der 1980er Jahre am Standort realisierten Wohnungsbauprogramm „Wilhelm-Külz-Straße“ . Ingenieur Ulrich Müther projektierte die Schalenkonstruktion. Müther war damals als Leiter des VEB Spezialbetonbau Binz tätig.

Bei dem Café handelte es sich um einen Zentralbau, gegründet auf insgesamt 2014 jeweils 16 bis 18 Meter langen Betonpfählen und ausgeführt über einem kreisförmigen Grundriss. Hinsichtlich der Konstruktion und Gestaltung war die „Seerose“ vergleichbar mit Gaststätten wie dem „Teepott“ in Warnemünde und der „Ostseeperle“ in Glowe.

Müthers markanter Bau mit den acht rosettenartigen Schalen, die gleichzeitig als Außenwand und Dach des Gebäudes dienen, wurde zu einem Wahrzeichen der Stadt. Andernorts ging man nach der Wende wenig pfleglich mit dem DDR-Vermächtnis um. Als Müthers „Ahornblatt“ auf der Berliner Fischerinsel abgerissen wurde, war der öffentliche Aufschrei groß. In Potsdam blieb das denkmalgeschützte Objekt hingegen erhalten.

Dieser Umgang mit dem geschützten Innenraum sorgt unter Kulturverantwortlichen für Empörung: „Denkmalschutz bleibt Denkmalschutz, den kann man sich nicht aussuchen“, sagt Kulturausschussvorsitzende Karin Schröter (Linke). Sie will das Problem in der Stadtpolitik thematisieren: „Die Seerose muss als Gesamtkunstwerk erhalten bleiben.“

Greifenbergs Anwalt Jörg Baumgart kann die Aufregung nicht nachvollziehen: „Geschützt ist nur der Baukörper.“ Sein Mandant habe sich mit der „Seerose“ sehr viel Mühe gegeben: „Er hat sie angestrichen, es war ja eine Ruine. Jetzt ist es richtig schick.“

In der Unterschutzstellungsbegründung für die „Seerose“ durch das Landesdenkmalamt im Jahr 2004 wird allerdings ausdrücklich auf die Ausstattungsstücke im Gastraum hingewiesen, darunter „der in zwei Bögen geschwungene Tresen, der Fliesenfußboden sowie einige Ausstattungselemente, zum Beispiel Kleiderständer“.

Zum Thema Außenanlagen heißt es in der Unterschutzstellung: „Mitgetragen wird der Denkmalwert des Bauwerks durch die Terrasse an der Südseite sowie durch die gestalteten Außenanlagen im unmittelbaren Umfeld des Gebäudes.“

Von Ildiko Röd

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