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Potsdam Sehsüchte-Festival in vollem Gange
Lokales Potsdam Sehsüchte-Festival in vollem Gange
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18:01 27.04.2017
Seit Mittwochabend tummeln sich Filmemacher aus aller Welt beim Sehsüchte-Festival. Quelle: Imago
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Babelsberg

Auf dem Bildschirm des großen Kinos in der Babelsberger Filmuniversität ist eine Holzkiste zu sehen. Eine Hündin versteckt sich darin und bellt einmal kurz. Chika heißt sie und hat Angst. Das merken auch die jungen Schülerinnen und Schüler im Saal, obwohl sie noch nicht alle verstehen, was es für Chika bedeutet, während des 2. Weltkriegs bei einer jüdischen Familie im Ghetto zu leben.

„Die Juden durften keine Hunde mehr haben“, erklärt die siebenjährige Amy nach der Vorführung. Der Animationsfilm hat ihr von allen sechs Kinderfilmen, die sie und ihre Klassenkameraden von der Teltower Stubenrauch-Grundschule in den letzten 90 Minuten gesehen haben, am besten gefallen. „Weil Chika so süß war“, sagt Amy.

Filme über Rassismus, Vorteile und die Angst vor dem Tod

Dass die Siebenjährige so begeistert von dem Animationsfilm ist, überrascht Malte Henning ein wenig. „Denn er behandelt ein schwieriges Thema“, sagt er. Der Potsdamer Filmstudent gehört zum Team der Programm-Koordinatoren beim 46. Sehsüchte-Festival. Themen wie Rassismus, Vorurteile und die Angst vor dem Tod sind in diesem Jahr allerdings auch bei den Kinderfilmen fester Bestandteil.

So wollten es die Filmstudenten, als sie ihr Motto „surfaces“ nannten. Oberfläch(lichkeit)en behandeln deshalb die meisten der insgesamt 130 Filme, die in der Babelsberger Filmuniversität und im FX-Center gezeigt werden. Zur Eröffnungsvorführung am Mittwochabend war der große Kinosaal bereits vor der traditionell gut besuchten Kinderfilmreihe ein erstes Mal voll besetzt.

Den Grundschülern aus Teltow gefielen die Animationsfilme, die sie am Donnerstagvormittag im Kino der Filmuni sehen durften. Popcorn gab’s gratis dazu. Quelle: Victoria Barnack

Während Amy und ihre Klassenkameraden im Hörsaal mal starr vor Spannung, mal laut lachend das Schicksal von Hündin Chika verfolgten, trafen sich die Nachwuchsfilmemacher im Foyer der Universität. Mit Brötchen, Croissants und Kaffee hatten die Veranstalter dort zur ersten Networking-Veranstaltung des Festivals geladen. „Bei Sehsüchte möchten wir die Möglichkeit bieten, zwischen Filmemachern, Studenten und Produzenten in Kontakt zu kommen und sich eventuell über künftige Projekte auszutauschen“, sagt Pressesprecher Stefan Babuliack.

80 Filmteams aus alller Welt erwartet

Das Angebot am Donnerstagmorgen nutzten etwa 25 junge Filmemacher – die wenigsten von ihnen leben in Potsdam. Denn an dem Studentenfilmfestival beteiligen sich seit vielen Jahren wesentlich mehr internationale als Studenten aus der Hauptstadtregion. 80 Filmteams aus aller Welt hätten sich für die sechs Filmfesttage angemeldet, berichten die Organisatoren, darunter größere Gruppen aus China und den Niederlanden ebenso wie kleine Filmteams aus Uruguay, Indonesien, den USA und Europa.

Sylwia Rosak und ihr Freund Wojciech Ratajczak sind aus Warschau angereist. Die 25-jährige Regisseurin ist bereits zum zweiten Mal beim Sehsüchte-Festival dabei. „Im letzten Jahr wurde mein Dokumentarfilm gezeigt“, sagt sie. Auch 2017 hat es eines ihrer Werke ins Programm geschafft. „Letarg“ basiert auf einem Roman und verarbeitet auf abstrakte Weise Themen wie Tod, Familie, Erinnerung und Wahn. Am Freitag um 17.30 Uhr eröffnet der Kurzfilm einen zweistündigen Filmblock. „Das ist mein Highlight des Festivals“, sagt Sylwias Freund Wojciech, für den es der erste Besuch in Potsdam ist. Die Nachwuchsregisseurin selbst freut sich besonders auf das Rahmenprogramm.

Filme, Quiz-Nacht, Party und Führungen

Denn die Organisatoren bieten nicht nur den Brunch zum Netzwerken für Filmemacher an. Insgesamt sieben Touren führen noch bis einschließlich Montag unter anderem durch das Potsdamer Filmmuseum, die Neubabelsberger Villenkolonie und die Filmuniversität selbst. „Wir nehmen an einer Studioführung durch Babelsberg teil“, sagt Sylwia Rosak, „dafür hatte ich im vergangenen Jahr keine Zeit.“

Dieses Mal bleibt sie die gesamten sechs Festivaltage in Potsdam. So kann sie spontan auch an der Quiz-Nacht am Freitag oder der großen Sehsüchte-Party am Samstag teilnehmen. „Das Festival ist großartig, weil es so viele Möglichkeiten gibt, Filmemacher aus aller Welt kennenzulernen“, sagt sie und freut sich vor allem auf ähnlich interessante Gespräche wie schon 2016. „Im letzten Jahr konnte ich Kontakte knüpfen, mit denen ich noch Monate später Filme diskutiert habe“, berichtet sie.

Lob für die Organisatoren gab es pünktlich zur Festivaleröffnung auch von Kulturministerin Martina Münch (SPD). Die Studenten und Nachwuchsfilmer beeindruckten mit ihrem „unglaublichen Engagement und ihrer unbändigen Kreativität.“ Spontane Kinobesucher können sich davon noch bis Montagnachmittag überzeugen. Dann starten mit den letzten Jugendfilmen und den Siegern in der Kategorie Spielfilm die finalen Vorführungen des Festivals.

Von Victoria Barnack

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