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„Seine Spuren werden nicht verwischen“

Universität Potsdam gedenkt Wolfgang Loschelders „Seine Spuren werden nicht verwischen“

Sonnenschein auf dem Campus Am Neuen Palais, das Air aus der Orchestersuite Nr. 3 von Bach, Kollegen, die sich still in das Kondolenzbuch eintragen: die Trauerfeier der Universität Potsdam für den am 20. Februar verstorbenen ehemaligen Rektor Wolfgang Loschelder in der Oberen Mensa begann innig, stimmungsvoll und würdig.

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Wolfgang Loschelder.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Auch im Folgenden behielt sie den Charakter einer fast privaten Veranstaltung bei.

Kaum ein Laudator des mit 72 Jahren verstorbenen Juristen, der nicht auch die persönlichen Seiten Loschelders hervorhob. Der erst 2012 an die Universität Potsdam gekommene Präsident Oliver Günther kannte Loschelder nur kurz. Er beschrieb den im Rheinland aufgewachsenen Katholiken als wachen Geist, der ebenso wohlwollend wie kritisch war. „Er war nie nachtragend, immer sensibel. Dieses Einfühlungsvermögen ließ ihn zum Mittler zwischen Kollegen aus Ost und West werden“, sagte Günther.

Zu Loschelders Leistungen zählte Günther nicht nur den Aufbau der Juristischen Fakultät, des ersten Sonderforschungsbereiches und der Universität insgesamt. „Er war auch einer der Ersten, die erkannten, dass die Chance dieser Universität in der Profilierung liegt.“ Loschelder habe die Universität selbst als sein Vermächtnis angesehen. „Seine Spuren werden nicht verwischen, wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren“, sagte Günther.

Hinrich Enderlein, der erste Wissenschaftsminister im Land Brandenburg, wurde bei der Erinnerung an den Weggefährten beinahe heiter. „Der in Rom geborene Rheinländer muss eine Portion preußischer Gene mitbekommen haben“, sagte er. Sonst hätte er die Pflichten niemals schultern können, die mit seinem Beitrag zur Herstellung der deutschen Einheit verbunden gewesen seien. Mit Ausdauer und Beharrlichkeit habe er die Universität geführt, besonders in der Zeit drastischer finanzieller Einschnitte ab 1996. „Sein Markenzeichen war der ihm eigene tiefgründige Humor.“ Er sei der Mann der entscheidenden Stunden gewesen. „Damit hat er sich um das Land Brandenburg verdient gemacht.“ Ausdrücklich dankte Enderlein auch der anwesende Witwe Christiane, die die Zeit des Rektorats ihres Mannes von 1995 bis 2006 mitgetragen habe. „Sie waren First Lady und Mutter Courage in einem. Chapeau!“

Nannte der Dekan der Juristischen Fakultät, Hartmut Bauer, dieselbe „ein Kind von Wolfgang Loschelder“, das sich erfolgreich gegen alle Angriffe verteidigt hatte, wies Stefan Gatzhammer vom Kanonistischen Institut auf Loschelders Einsatz für die Religionswissenschaften hin. Joachim Gaertner vom Evangelischen Institut für Kirchenrecht hatte Loschelder und dessen Frau schon zu Studienzeiten gekannt. „Für mich ist es ein herber Verlust.“ Das Institut wisse nicht, wie es die Lücke füllen solle.

Dass die Feier weniger eine Formalie, denn Herzensanliegen vieler Kollegen war, brachten Gespräche am Rande zutage. Der emeritierte Germanist Joachim Gessinger nennt Loschelder seinen persönlichen Freund. Wiewohl politisch auf gegensätzlichen Lagern – hier der linke Grüne, dort der konservative Katholik – habe er mit Loschelder begeistert bei diesem zu Hause debattiert. „Ich fand es immer sehr bereichernd.“ Zurecht hätten sie 1996 zusammen an vorderster Front vor dem Landtag gegen Kürzungen demonstriert. „Das sind Sachen, die vergisst man nie.“ (Von Rüdiger Braun)

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