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Seit 70 Jahren unzertrennlich

Gnadenhochzeit in Potsdam Seit 70 Jahren unzertrennlich

Herbert (92) und Ursula Karsch (90) aus Potsdam haben am Mittwoch ihre Gnadenhochzeit gefeiert. Vor 70 Jahren sagten sie in Berlin Tegel Ja zueinander und blieben sich all die Zeit über treu. 1941 hatten sie sich in Neuruppin kennengelernt . Schuld daran waren die Johannisbeeren aus dem Garten von Ursulas Tante.

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Karschs zeigen ihr Hochzeitsfoto von 1946.

Quelle: Gartenschläger

Potsdam. Es begann mit Johannisbeeren. Ursula Karsch, damals 15 Jahre alt, wollte 1941 die überschüssigen Früchte aus dem Garten ihrer Tante in Neuruppin bei der Kaserne loswerden. Da sah sie ihren Herbert, der dort als Soldat stationiert war, zum ersten Mal. „Alle haben sie angeguckt. Kein Wunder, sie sah ja auch sehr gut aus“, erinnert sich der 92-Jährige. Eigentlich hatte es der Mann an der Schranke auf die Berlinerin abgesehen, doch als dieser kurz abgelenkt war, fragte Herbert seine Auserwählte: „Das mit uns beiden heute Abend klappt doch, oder?“ So fiel Ursulas Gunst auf Herbert, und ist bis heute dort geblieben.

Am Mittwoch feierte das Paar die 70 Jahre alte Ehe in der gemeinsamen Wohnung in Potsdam. 1946 hatten sie in Berlin-Tegel geheiratet. „Ich sage immer, ich habe meine Frau aus dem französischen Sektor in die sowjetische Besatzungszone entführt“, erzählt Herbert. Er brachte sie in seinen Heimatort Stürza in der Sächsischen Schweiz. Dort habe es nur Bauern und Handwerker gegeben. Herbert arbeitete für den Ortsbauernführer und verdiente 15 Mark im Monat. „Da habe ich gelernt, was Ausbeutung heißt“, sagt er. Irgendwann hatte er genug davon und meldete sich freiwillig zum Militärdienst in Neuruppin. Nachdem er seine Ursula angesprochen hatte, wollte er die Verabredung auch einhalten. Allerdings verweigerte ihm der gekränkte Schrankenwächter den Ausgang. „Also musste ich über den vier Meter hohen Zaun klettern“, erzählt Herbert.

Die Frau wollte zurück in ihre Heimat Berlin

Am Tag darauf gingen sie in Neuruppin spazieren und Ursula erfuhr, dass Herbert nach Russland musste. Fünf Jahre lang lebten sie getrennt und alles, was ihnen voneinander blieb, waren zahllose Briefe. Als Herbert zurückkehrte, war der Krieg vorbei.

Nach der Hochzeit lebte das Paar zuerst in der Sächsischen Schweiz und später in Pirna, wo Herbert im Ofenbau tätig war. Ursula hatte eine kaufmännische Lehre absolviert und verkaufte hauptsächlich Friseurbedarf. Nach einigen Jahren übermannte sie die Sehnsucht nach Berlin und nach dem S-Bahn-Fahren, wie sie selbst sagt. Doch für Herbert kam Berlin nicht infrage. „Die gute Stube von Berlin ist Potsdam“, hatte er seiner Frau damals gesagt. Also zogen sie 1953 in die Landeshauptstadt. Hier erlebten sie die Zeit zwischen Abriss und Wiederaufbau. Herbert gilt heute als „Retter der Sandfiguren“, die durch die Bombardierung des alten Stadtschlosses sehr gelitten hatten. Damals bei der Bauunion tätig, holte er die maroden Attika-Figuren mit seinen Arbeitern nach einem Beschluss des Politbüros runter. „Ich freue mich, dass sie jetzt wieder hochkommen“, sagt er.

Kinderlos, aber mit vielen Freunden

Das Paar ist zwar kinderlos geblieben, hat aber einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Dank einer Freundin, die „gute Fee“ genannt, können sie noch ohne Pflege in der eigenen Wohnung leben. „Wir fühlen uns gut aufgehoben und geben uns Mühe, senkrecht zu bleiben“, sagt Ursula. Das Geheimnis ihrer langen Liebe besteht im Vertrauen und im Verständnis füreinander. „Auch im Alter muss man noch rausgehen, sonst gibt man sich selbst auf“, so die 90-Jährige.

Von Luise Fröhlich

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