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Potsdam Seit bald 40 Jahren politische Satire
Lokales Potsdam Seit bald 40 Jahren politische Satire
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14:13 22.05.2016
Die Kabarettisten Andreas Zieger, Gretel Schulze und Helmut Fensch finden ab 24. Juni: „Ein bisschen Pass muss sein“. Quelle: Promo
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Innenstadt

Einfach mal ablachen – und das zu „fußballfreundlichen Anfangszeiten“ – das versprechen die Potsdamer Obelisk-Kabarettisten anlässlich ihres neuen Stücks „Ein bisschen Pass muss sein“. Wenn die Premiere des satirisch-musikalischen „Heimatabends“ am 25. Juni steigt, laboriert ja mindestens halb Deutschland am EM-Fußball-Fieber. Kabarettistin Gretel Schulze will klären, ob Heimat nur der Ort ist, an dem ihre Kollegen Andreas Zieger und Helmut Fensch „ihr Bier wortlos am Tresen serviert bekommen“ oder was sonst hinter dem Begriff steckt.

Dass auch das Zeitgeschehen beim „Heimatabend“ eine Rolle spielt, versteht sich. Aktuelle Politik „satirisch zu bearbeiten, ohne zu moralisieren“, sei nicht so einfach. Manche Themen seien „eine Gratwanderung“. Siehe das Erdogan-Ziegen-Gedicht des TV-Satirikers Jan Böhmermann. Gretel Schulze erlebt immer mal wieder Bedenken gegenüber Polit-Kabarett, etwa so: „Kann man da überhaupt lachen?“ Ja, man kann! Und man soll!

1978 wurde das Kabarett Obelisk Potsdam gegründet. Die als Provisorium gedachte Spielstätte in einem alten Kino in der Schopenhauerstraße 27 erwies sich als langlebig. Erst 1997 musste man das Haus wegen veränderter Eigentumsverhältnisse verlassen und zog an die Charlottenstraße 31.

Im vergangenen Jahr lösten etwas mehr als 23 000 Besucher ein Ticket fürs Kabarett, 2014 waren es rund 25 000. Kabarett in der Krise? Ach, Quatsch! „Das sind normale Schwankungen“, sagt die künstlerische Geschäftsführerin. „Wenn die Politik so weiter macht wie bisher bleiben die Zeiten gut für uns.“

Potsdamer Provinzpossen bleiben jedoch Fehlanzeige auf der „Obelisk“-Bühne. Nicht, weil die Geschichten aus dem Rathaus nicht etwa hochvergnüglich wären, aber: „Unser Programm sollen alle verstehen“, sagt Gretel Schulze. Etwa zwei Drittel der Besucher kommen aus Berlin und aus dem Umland, im Sommer sitzen außerdem viele Touristen im Saal. Aber grundsätzlich böte die Stadtpolitik natürlich genug Stoff für einen komischen Abend: „Allein die Diskussion um die Entwicklung der Innenstadt. Architektonische Brüche machen eine Stadt erst spannend.“ Das Kabarett wiederum sitzt in einem denkmalgeschützten Barockhaus. „Wir kämpfen seit Jahren für eine anständige Außenwerbung, dafür, dass man uns in der Straße sieht. Zurzeit nimmt man uns ja erst wahr, wenn man vor unserem Haus steht“, bedauert die 67-Jährige.

2018 feiert das Kabarett seinen 40. Geburtstag. „Dann geht richtig was ab!“, verspricht Gretel Schulze. Eine Festwoche soll es geben, gern mit namhaften Bühnengästen wie Uwe Steimle („Sushi in Suhl“). Und vielleicht steht ja bis dahin auch die Außenwerbung.

Von Ricarda Nowak

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