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Seit mehr als 25 Jahren Rat nicht nur für Schwangere

DRK-Familienberatungsstelle Seit mehr als 25 Jahren Rat nicht nur für Schwangere

Seit 1991 gibt die Schwangeren- und Familienberatung des Roten Kreuzes in Potsdam Tipps für alle Lebenslagen. Seit der Wende hat sich in Sachen Sexualität und Familienplanung einiges verändert.

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Vater, Mutter, Kind – zur klassischen Familienform kommen heute zum Beispiel homosexuelle Eltern und Patchworkfamilien.

Quelle: Foto: dpa

Potsdam. War der Sex vor 25 Jahren ein anderer, die Moral in Ost und West unterschiedlich? Seit der Wende hat sich manches verändert in Potsdams Betten und Familien. Kaum jemand weiß das wohl besser als Corinna Kmezik, Leiterin der Potsdamer Beratungsstelle für Schwangerschaft, Familienplanung und Sexualität des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Von Anfang an: Seit 1. September 1991 stehen die ehemalige Gesundheits- und Sozialfürsorgerin und ihre vier Mitarbeiterinnen in der Alleestraße Ratsuchenden zur Seite. „Frauen, die ich vor 25 Jahren begleitet habe, kommen jetzt als potenzielle Großmütter mit ihren Töchtern zu mir“, sagt Corinna Kmezik, die selbst zwei erwachsene Kinder und ein Enkelkind hat.

Corinna Kmezik leitet die Beratungsstelle

Corinna Kmezik leitet die Beratungsstelle.

Quelle: Iris MökerIris Möker

Mit einer Fachtagung im Hotel Mercure hat der DRK-Landesverband am Mittwoch das 25-jährige Bestehen der insgesamt elf Beratungsstellen gewürdigt. In der Prignitz bewegten die gewollt oder ungewollt Schwangeren nicht unbedingt andere Probleme als in der Landeshauptstadt, hat Corinna Kmezik im Gespräch mit ihren Kolleginnen erfahren. „Auch in Potsdam gibt es ganz verschiedene soziale Problemlagen und Schwangere, die aus sehr schwierigen sozialen Verhältnissen kommen“, sagt die 55-Jährige. Die Unterschiede zwischen Früher und Heute seien größer als die zwischen Stadt und Land.

Unterschiedliches Abtreibungsrecht in Ost und West

„Nach der Wende hatten viele Familien Zukunftsängste“, erinnert sich Corinna Kmezik. „Es gab viele Umbrüche, die sich auch auf die Familienplanung auswirkten.“ Von Anfang an sei die Beratungsstelle gut frequentiert gewesen. Weitere große Umstellung für DDR-Frauen: das andere Abtreibungsrecht in der Bundesrepublik. Der umstrittene Paragraf 218, der einen Schwangerschaftsabbruch unter Strafe stellte, galt in der DDR nie. Die 1992 vom Bundestag verabschiedete Fristenlösung brachte für Schwangere auch eine Neuerung mit: die Beratungspflicht. „Viele dachten: Jetzt reden die mir vielleicht ein Kind in den Bauch“, sagt Kmezik. Auch die ostsozialisierten Beraterinnen hätten sich umstellen müssen. Insgesamt habe sich das Alter der Ratsuchenden stark verschoben. 1992 waren zwei Drittel der Frauen in der Schwangerschaftsberatung zwischen 21 und 29 Jahre alt. „Eine 40-Jährige, die ein Kind bekommt, das war selten“, blickt die Leiterin zurück. Heute seien die Frauen zwischen 30 und 40 – und hätten dann auch andere Fragen, etwa zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch Paare, die sich für Reproduktionsmedizin interessieren oder gleichgeschlechtliche Partner, die sich ein Kind wünschen, suchen inzwischen die Beratungsstelle auf.

Doch nicht nur Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung gehört zum Angebot. Die Beraterinnen sind auch so etwas wie das Doktor-Sommer-Team von Potsdam. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Aufklärung von Jugendlichen – jenseits der oft verklemmten Situation im Klassenzimmer. „Wir machen die Schüler fit in Sachen Verhütung“, erklärt Corinna Kmezik. Die Jugendlichen, Schulklassen zumeist, können in geschlechtsgetrennten Gruppen ohne Scham alle Fragen loswerden. „Es stimmt zwar, dass Jugendliche durch Internet und Smartphone inzwischen viele Informationen über Sex bekommen, aber das heißt nicht, dass sie automatisch aufgeklärter sind.“ Gerade durch Pornofilme, die eine Sexualität suggerieren, die mit der Realität wenig zu tun hat, entstünden auch viele Unsicherheiten. Das Thema Teeangerschwangerschaften sei hingegen kein großes. „Schwangere Teenies gab es schon immer, das ist nicht mehr geworden“, sagt Corinna Kmezik. Nur zwei bis drei Prozent der Schwangeren, die zur Beratung kommen, seien Minderjährige.

Kostenlose Hilfe

Die Potsdamer Beratungsstelle für Schwangerschaft, Familienplanung und Sexualität ist in der Alleestraße 5 zu finden. Informationen unter 0331/2 01  18 91.

Die Beratung ist kostenlos. Ausnahmen können Angebote wie Paarberatung sein.

Mehr als 1600 Beratungsgespräche haben die Potsdamer Beraterinnen 2016 geführt. 250 Kinder und Jugendliche kamen zur Sexualaufklärung.

Brandenburgweit gibt es elf DRK-Familienberatungsstellen. Die Zahl der gewollt oder ungewollt Schwangeren, Paaren mit Kinderwunsch oder Jugendlichen, die Hilfe bei den derzeit ausschließlich weiblichen Beraterinnen suchen, steigt. 2015 suchten mehr als 4973 Frauen und Männer die Beratungsstellen auf. 2013 waren es 4815. Dabei ist der größte Anstieg im Bereich der sozialrechtlichen Beratung zu verzeichnen. Hintergrund sind laut DRK komplexer werdende soziale und wirtschaftliche Problemlagen von Familien.

Von Marion Kaufmann

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