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Potsdam Selbsthilfetag soll Berührungsängste abbauen
Lokales Potsdam Selbsthilfetag soll Berührungsängste abbauen
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13:54 28.05.2018
Hilfe zur Selbsthilfe können einfache Worte sein und Menschen, die zuhören und Ähnliches erlebt haben. Quelle: Pexels
Innenstadt

Ängste, Krankheiten, andere Probleme: Die Selbsthilfe hat in den vergangenen Jahrzehnten stark an Bedeutung gewonnen. Obgleich sie als vierte Säule des Gesundheitssystems gilt, gibt es trotzdem Berührungsängste. Um diese abzubauen, wird am 2. Juni auf dem Luisenplatz in Potsdam erstmals ein Selbsthilfetag organisiert. Veranstalter ist die Allianz für Selbsthilfe, ein Bündnis aus Selbsthilfegruppen und -Organisationen und Krankenhäusern.

In Potsdam gibt es mehr als 100 Selbsthilfegruppen, fast die Hälfte ist im Verein „Sekiz“ organisiert. Das Selbsthilfe- und Informationszentrum bietet den Rahmen: Werbung um Gruppenmitglieder, Räume, Vernetzungen. Die Angebote sind für Hilfesuchende kostenfrei. Durch den Selbsthilfetag, bei dem 35 Selbsthilfegruppen- und Institutionen mitwirken, sieht man die Möglichkeit, mit Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen. „Es ist wichtig, dass wir frühzeitig da sein können. Hat ein Mensch zum Beispiel soziale Ängste, verlässt die Wohnung nicht mehr und vereinsamt, dann wird es schwierig“, sagt Sekiz-Projektleiterin des Aktionstages, Ines Krahn.

Nadine-Claire Geldener, Ines Krahn und Susann Hajek vom Verein Sekiz sprechen über die Organisation des ersten Potsdamer Selbsthilfetags. Quelle: Christin Iffert

Wie vielfältig das Angebot der Hilfe zur Selbsthilfe ist, zeigt ein Blick in die Statistik: „Bundesweit gibt es 3,5 Millionen Menschen, die sich engagieren in 70 000 bis 100 000 Selbsthilfegruppen“, erklärt Sekiz-Sprecherin Nadine-Claire Geldener. Dabei sei die Themenvielfalt riesig. Es gehe nicht nur um Alkohol- oder Drogensucht. Geldener spricht von 1000 Themenbereichen. In Potsdam sei das Depressionshilfe-Angebot besonders beliebt, außerdem die Hilfe bei Ängsten. Dazu kommen Gruppen, in denen es sich um chronische Erkrankungen handelt oder Menschen anonym über ihre krankhafte Sammelleidenschaft sprechen – sie nennen sich selbst „Anonyme Messies“. Einige Frauen haben Stillgruppen und eine Kaiserschnitt-Selbsthilfe gegründet.

„In Zeiten, in denen viele Menschen sehr lange auf einen Therapieplatz warten, obwohl sie große Probleme haben, kann die Selbsthilfe eine zusätzliche Lösung sein“, sagt Nadine-Claire Geldener. Der Austausch mit anderen Betroffenen und das gegenseitige Verständnis gebe häufig den ersten Anstoß zur Heilung. In drei bis zehn Personen starken Gruppen setze man auf Offenheit, respektvollen Umgang und Wertschätzung. „Das ist das Schöne, es gibt keinerlei Stigmatisierung“, so Geldener. Die Treffen würden Raum bieten, einfach nur man selbst zu sein.

Programm für die ganze Familie

Hüpfburg, Schminken, Pedalo: Kinder können sich am 2. Juni von 11 bis 17 Uhr beim ersten Selbsthilfetag entfalten.

Auf der Bühne führt die Frauengruppe Multiple Sklerose einen Tanz auf, es gibt musikalisches Trommeln, aber auch Diskussions- und Interviewrunden zu Themen wie Borreliose, Darmgesundheit oder Schlaganfall. Zudem feiert der erste offizielle Selbsthilfesong Premiere.

Mitmachaktionen sind unter anderem: Promille-Brille, Fühlstraße, Gesundheitsparcours oder auch das Tasten von Brustkrebs und das Testen der Lungenfunktion.

Das Festival der Jungen Selbsthilfe startet 18 Uhr mit Bands wie „Tricky Riddle“, „Stadtruhe“ und „Toni Kater“.

Der Aktionstag ist alkoholfrei. Weitere Infos: www.sekiz.de

Selbsthilfe ist zum größten Teil Ehrenamt. „Der ideelle Wert – unbezahlbar“, sagt Projektleiterin Ines Krahn. Gibt es eine Gruppe noch nicht, kann sie einfach gegründet werden. Einige Potsdamer nutzen das Vereinsnetzwerk und suchen sich lieber anonyme Hilfe in Berlin.

Beim Selbsthilfetag wird nun Gesicht gezeigt, wie das offizielle Motto der Aktion verlautet. Rund um den Luisenplatz wird auf ein buntes Programm gesetzt, das einem Familienfest gleicht. Ziel: ganz unterschiedliche Menschen erreichen – auch jene, die nur eine geringe Vorstellung haben, was möglich ist. Neben Interviews, Fachgesprächen, Lesungen und Filmvorführungen gibt es Musik, Aktionen der Selbsthilfegruppen, Mitmachaktionen und ein Festival mit Livebands.

Von Christin Iffert

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