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MyPlace übernimmt Produktionshalle in Potsdam

Gewerbe in Potsdam MyPlace übernimmt Produktionshalle in Potsdam

Nach zwei Jahren Leerstand soll die frühere Magna-Steyr-Halle am Potsdamer Hauptbahnhof wieder genutzt werden – produziert wird dort künftig allerdings nichts mehr, sondern nur eingelagert. Der „Selfstorage“-Anbieter MyPlace baut das Gebäude bis Jahresende zu seiner ersten Filiale in Ostdeutschland um.

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Die 2009 errichtete Halle in der Friedrich-Engels-Straße steht seit Ende 2015 leer. Jetzt will „MyPlace“ dort einziehen und Lagerraum für jedermann anbieten.

Quelle: Peter Degener

Teltower Vorstadt. Das österreichische Unternehmen „MyPlace“ wird in Potsdam seine erste Filiale in Ostdeutschland eröffnen. Bis Ende 2018 soll eine seit zwei Jahren leerstehende Produktionshalle in der Friedrich-Engels-Straße zu einem „Selfstorage“-Lagerhaus umgebaut und eröffnet werden, wie Thekla Liebnitz, die Regionalleiterin von MyPlace, der MAZ auf Anfrage bestätigt hat.

850 Lagerräume ab einem Quadratmeter Fläche entstehen

Das Geschäftsmodell der Firma besteht darin, Lagerraum ab einem Quadratmeter Fläche für Privatpersonen und Gewerbetreibende in zentraler Lage zu vermieten. „Wir haben eine Nutzungsänderung der Halle beantragt, um auf der etwa 6500 Quadratmeter großen Grundfläche rund 850 Lagerabteile einzubauen“, erklärt Liebnitz.

Seit Ende 2015 war der erst 2009 errichtete Produktionsstandort in der Nähe des Hauptbahnhofs ungenutzt. Ursprünglich produzierte dort der Automobilzulieferer Erhard & Söhne Tanksysteme. Bereits 2011 übernahm der kanadische-österreichische Zulieferer Magna Steyr die Firma und den Standort und produzierte fortan Druckluftbehälter für Bremssysteme. Als Großaufträge für Daimler nicht verlängert wurden, gab Magna Steyr den Standort Ende 2015 auf.

Nach Rückzahlung des Vorbesitzers bestehen keine Förderauflagen mehr

„Wir haben das Grundstück über einen lokalen Makler zum Verkauf angeboten und im August 2017 verkauft“, bestätigt ein Magna-Sprecher den Besitzerwechsel. Nach Angaben von Thekla Liebnitz erwarb MyPlace die Liegenschaft im Sommer aus Händen der Potsdamer Firma Semmelhaack.

Die Halle in der Friedrich-Engels-Straße wurde 2009 für Erhard & Söhne errichtet, später von Magna Steyr bis Ende 2015 genutzt und stand seit

Die Halle in der Friedrich-Engels-Straße wurde 2009 für Erhard & Söhne errichtet, später von Magna Steyr bis Ende 2015 genutzt und stand seitdem leer. Jetzt will MyPlace einziehen und dort Lagerraum anbieten.

Quelle: Peter Degener

Die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) hatte den Neubau der Halle als bedeutende Industrieansiedlung in Potsdam ursprünglich mit 1,1 Million Euro gefördert. „Magna hat anderthalb Jahre nach einem Unternehmen für den Standort gesucht und auch die ILB hat viele Gespräche geführt. Das Konzept „Selfstorage“ ist allerdings nach der Richtlinie der geflossenen Fördermittel nicht förderfähig“, sagt ILB-Sprecher Matthias Haensch zum Verkauf.

Weil die Halle nicht lang genug für die industrielle Produktion genutzt wurde, kam es zum Teilwiderruf des Zuwendungsbescheids. „Die Rückforderung wurde von Magna Steyr vollständig erfüllt. Heute bestehen an dem Standort keinerlei Auflagen mehr“, sagt Haensch.

Vor der Halle wird immer noch mit einem Schild nach einem Mieter gesucht

Vor der Halle wird immer noch mit einem Schild nach einem Mieter gesucht. Tatsächlich hat Magna Steyr das Grundstück bereits Mitte 2017 verkauft.

Quelle: Peter Degener

In der RAW-Halle nebenan entsteht ein Innovationszentrum

Der städtische Wirtschaftsförderer Stefan Frerichs wollte die Neuansiedlung auf MAZ-Anfrage nicht kommentieren. „Wir äußern uns nicht, bevor der Investor es getan hat“, sagte ein Stadtsprecher. Erst vor zwei Wochen konnte die Stadt Potsdam einen Investor für das brachliegende RAW-Gelände in unmittelbarer Nähe präsentieren. Dort soll denkmalgerecht saniert und neu gebaut werden, um ein Innovationszentrum für die Medien-, IT- und Kreativwirtschaft zu schaffen.

Nur drei neue Arbeitsplätze werden durch MyPlace geschaffen

Im Gegensatz zu den RAW-Plänen sind durch die MyPlace-Ansiedlung nur Investitionen und Arbeitsplätze in geringem Umfang zu erwarten. Während Magna Steyr 50 festangestellte Mitarbeiter und zehn Zeitarbeiter beschäftigte, wird das Lagerhaus von MyPlace mit drei Mitarbeitern betrieben. Hinzukommen externe Dienstleister für Hausmeister- und Sicherheitsaufgaben. Rund eine Million Euro will die Firma in den Umbau der Halle investieren.

Vorerst sollen auch einige Bürocontainer auf dem Gelände aufgestellt werden, mittelfristig will das Unternehmen einen kleinen Büroneubau auf dem Grundstück errichten.

Potsdam ist für das „Selbsteinlagern“ prädestinierter Ort im Osten

MyPlace betreibt derzeit 27 Standorte in Deutschland, zehn davon in Berlin. Neun weitere Lagerhäuser sind deutschlandweit in Planung. Die Potsdamer Filiale und ein ebenfalls geplantes Lager in Leipzig sind der erste Schritt von MyPlace in die neuen Bundesländer. „Diese zwei Städte in Ostdeutschland sind prädestiniert. Hier finden sich viele unserer Kundensegmente“, sagt Liebnitz.

Neben Studenten seien dies Bewohner von Altbauwohnungen, die einen Kellerersatz benötigen oder Gewerbetreibende, die in ihren Räumen nicht expandieren können. „Wir bekommen unterschiedlichste Anfragen, unsere Lagerräume sind ein Spiegelbild unserer Gesellschaft“, sagt Liebnitz.

Das Prinzip „Selfstorage“

Das Selbst-Einlagern von Gegenständen in fremden Lagerhäusern wird als „Selfstorage“ bezeichnet. Meist können bereits Flächen ab einem Quadratmeter angemietet werden – die sogenannte „Telefonzelle“.

Als Vorteile gelten die permanente Überwachung der Räume, die für Fremde sichtgeschützt sind, der trockene und saubere Zustand, sowie die fast ständige Zugangsmöglichkeit des Abteils durch den Mieter.

In den USA nutzt jeder zehnte Haushalt Selfstorage, in Deutschland steckt der Markt noch in den Kinderschuhen. Der Wettbewerb ist daher groß. Der Verband deutscher Selfstorage Unternehmen zählt derzeit 40 Mitglieder.

Von Peter Degener

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