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Potsdam Semmelhaack macht Druck für Baupläne
Lokales Potsdam Semmelhaack macht Druck für Baupläne
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00:22 01.03.2019
Theodor Semmelhaack präsentiert dem Ortsbeirat Fahrland seine Pläne für die Bebauung der Ketziner Straße Quelle: Saskia Kirf
Potsdam

Der Potsdamer Bauausschuss befasst sich am Dienstagabend unter anderem mit Bauplänen für den Ortsteil Krampnitz.

Im Hintergrund wird schon seit einiger Zeit heftig über die Pläne für Fahrland gestritten. Eigentlich geht es um zwei Baugebiete, die zwar rechtlich voneinander unabhängig sind, aber gemeinsam betrachtet werden müssen: eines an der Ketziner Straße, eines am Hasensteg. Beide gehören dem Bauträger Theodor Semmelhaack. Er will an der Ketziner Straße 24 Doppelhaushälften und acht Einfamilienhäuser auf sehr kleinen Grundstücken bauen. Den Plänen zufolge sollen die Gebäude teils sehr nahe aneinander stehen. Auch, wenn der Investor höchstpersönlich im Ortsbeirat versicherte, „Ruhe für die Nachbarn“ zu wollen. Damit ist der Fahrländer Ortsbeirat überwiegend nicht einverstanden, im November lehnte er den Antrag auf Wohnbebauung, über den nun der Bauausschuss zu befinden hatte, ab.

Der Investor hatte Anschauungsmaterial dabei. Quelle: Saskia Kirf

Diese Ablehnung wird allerdings seitens der Stadtverwaltung ignoriert, in einem vom Beigeordneten Bernd Rubelt (parteilos) unterzeichneten Ergänzungsantrag an den Bauauschuss steht, die Pläne seien in Fahrland auf „billigende Zustimmung“ gestoßen. Ortsbeirat Stefan Matz (Linke) findet das skandalös: „Das entspricht nicht den Tatsachen, zu keinem Zeitpunkt gab es eine zustimmende Billigung“, schreibt er in einer Presseerklärung. „Es ist im Gegensatz ein unerhörter Akt, wie hier mit demokratischen Beschlüssen umgegangen und diese eindeutig missachtet werden.“

Altenheim und Kita

Das Gebiet am Hasensteg soll, wie Theodor Semmelhaack dem Ortsbeirat in der vergangenen Woche darlegte, einem Pflegeheim mit 110 Plätzen und einer Kindertagesstätte mit rund 100 Betreuungsplätzen Raum bieten. Die Kita soll gleichzeitig als Betriebskindergarten für die Belegschaft des Heims dienen, es wäre der dritte Kindergarten in Fahrland.

Der Druck steigt – ein Kommentar von Saskia Kirf

Theodor Semmelhaacks Auftritt im Fahrländer Ortsbeirat war denkwürdig. Der Investor ist nicht gerade Dauergast solcher Veranstaltungen. Dass er tatsächlich persönlich mit seinem Tross im Ortsteil auftaucht und seine Baupläne vorstellt, zeigt, wie wichtig ihm die Fahrländer Baugebiete sind.

Semmelhaacks Plan dafür ist, aus seiner Sicht, schlicht genial: Die vom Ortsbeirat überwiegend nicht gewollten Wohnungen an der Ketziner Straße werden mit einem durchaus benötigten Altenheim verknüpft, dessen Bau wiederum weitere Wohnungen notwendig macht. Wenn gebaut wird, dann alles. Semmelhaack weiß, dass sich der Ortsbeirat noch so sehr sträuben kann, letztlich trifft die Stadtverordnetenversammlung die Entscheidung über Fahrland.

Im Hintergrund ist zu erfahren, dass dort wahrlich nicht jeder einverstanden ist mit dem, was man in Fahrland Erpressung nennt – ein sehr ähnliches Vorgehen im Bauausschuss bei den umstrittenen Plänen zum RAW-Gelände am Hauptbahnhof vor wenigen Wochen hat zu einem immensen Aufschrei in der Stadt geführt. Möglich, dass manche Fraktionen im Stadthaus eine Wiederholung des Skandals vermeiden wollen und den Plänen am Ende nicht zustimmen.

Für Semmelhaack geht es um viel, sein Bauland hat eine Menge Geld gekostet und er will das Gebiet entsprechend nutzen. Es wird sein Geheimnis bleiben, warum er hier derart unverhohlen droht. Denn die große Frage ist, ob sich die Lokalpolitik ein weiteres Mal dem Investorendruck beugt.

Nach dem aktuellen Bebauungsplan für dieses Gelände darf dort allerdings kein Pflegeheim gebaut werden, weil es als so genannte Sozialfläche ausgewiesen ist. Wenn der Bebauungsplan dahingehend angepasst wird, dass ein Altenheim entstehen dürfte, bringt das automatisch mit sich, dass auf einem Drittel der Fläche des Baugebiets Wohnungen entstehen müssten. Mit der Umwandlung des Bebauungsplans würde Theodor Semmelhaack also die Fläche am Hasensteg zu Bauland für Wohnungen machen, die er dann auch selbst bauen würde. Während der Ortsbeiratssitzung machte der Investor seine Position klar – und damit die Verbindung der beiden Baugebiete: „Ich wünsche mir natürlich ganz deutlich, dass ich die Ketziner Straße gemeinsam mit den sozialen Einrichtungen bauen kann“, so Semmelhaack, „ich baue keinen Kindergarten, wenn ich keine Wohnungen bauen kann.“

Fünf Mitglieder des Ortsbeirats hatten sich deshalb vor der Sitzung an den Bauausschuss gewandt. Sie schreiben: „Wir halten diese Verknüpfung und das unter Druck setzen eines demokratisch gewählten Gremiums der Bürgerschaft für völlig unangemessen und fordern Sie auf, sich diesem Druck ebenfalls zu widersetzen.“ Mitglieder der Bürgerinitiative Fahrland werden noch deutlicher: „Das ist Erpressung, Punkt.“, sagt Tina Lange. „Das Lockmittel des Pflegeheims soll uns die Kröte Ketziner Straße schlucken lassen.“

Von Saskia Kirf

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