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Serieneinbrecher muss ins Gefängnis

Prozess am Amtsgericht Potsdam Serieneinbrecher muss ins Gefängnis

Fahrräder, Silberbesteck, Briefmarkenalben: Er nahm mit, was er tragen und zu Geld machen konnte. Um seine Drogen- und Spielsucht zu finanzieren, plünderte ein Potsdamer Familienvater die Keller von mindestens 29 Häusern. Er hörte nicht einmal auf, nachdem er auf frischer Tat ertappt worden war. Die Sucht, sagt der 30-Jährige, bekommt er allein in den Griff.

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„Potsdam verschenkt Potenzial“


Quelle: dpa

Potsdam. Was die Potsdamer so alles in ihre Keller schaffen, weiß in der Stadt wohl kaum jemand so gut wie Christian K. (30). Ein Gebissabdruck aus Gips, Modeschmuck, alte Schülerausweise, Koffer, Briefmarkenalben, Fahrräder, Silberbesteck, eine Schreckschusspistole nebst Munition, DVDs, ausgediente Handys, Motorradhelme, Kredit- und Krankenkassenkarten, Winterstiefel, der Mitgliedsausweis für den Golfclub, Bohrmaschinen, Briefe, Spielekonsolen, Autoradios, Münzen und Medaillen, Weihnachtsdeko – das alles ist nur ein Teil der Beute, die der arbeitslose Familienvater aus fremden Häusern in seine Wohnung in der Waldstadt schleppte und dort in einem kleinen Zimmer neben der Wohnstube lagerte – bis er einen Käufer fand und das Diebesgut in bare Münze umwandelte.

Das Gefängnis könnte die Rettung sein

Am Dienstag wurde der Serieneinbrecher vom Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Zum ersten Mal in seinem Leben muss der mehrfach einschlägig vorbestrafte Christian K. ins Gefängnis – es könnte die Rettung für ihn sein, sagt Richterin Doris Grützmann. „Wir glauben, dass Sie nur unter geschlossenen Bedingungen ihr Leben ändern können.“

Dieses Leben ist, so schilderte es K. einer Sozialarbeiterin, früh aus dem Ruder gelaufen.

Christian K. ist das jüngste von drei Kindern, der Vater ist gewalttätig, die Eltern trennen sich, als er im Grundschulalter ist. Mit zehn Jahren zeigt Christian K. erste Auffälligkeiten in der Erziehung, er kommt in ein Kinderheim, wo er mit elf mit dem Kiffen beginnt. Als Jugendlicher wechselt er mehrmals die Einrichtungen, verlässt die Schule nach der 9. Klasse und absolviert ein berufsvorbereitendes Jahr. Die Lehre zum Straßenbauer schafft er nicht – er scheitert an der Theorie und an dem langen Fahrtweg.

20000 Euro Schulden und keine Arbeit

Heute ist Christian K. Vater eines sechsjährigen Jungen, seine Lebensgefährtin hat sich vor Kurzem von ihm getrennt. Er ist arbeitslos und hat laut eigener Aussage um die 20 000 Euro Schulden. Das größte Problem aber ist – so sehen es Richterin, Staatsanwalt und Verteidiger einhellig – die Sucht.

Laut Anklage ist Christian K. drogen- und spielsüchtig. Er sagt, er habe sich im Griff. „Ja, früher hatte ich ein ziemlich großes Drogenproblem. Cannabis, Speed, Kokain: Ich hab genommen, was es gab. Aber jetzt nicht mehr – weil ich aufhöre oder aufgehört hab oder dabei bin aufzuhören.“

An Automaten spiele er, seit er am 24. Januar 2016 bei einem Einbruch aufgeflogen war, „aus Angst vor einer Inhaftierung“ nicht mehr. Seit sechs Wochen habe er nun auch keine Drogen mehr angerührt. Eine Therapie habe er aber nicht begonnen und sich auch anderweitig keine Hilfe geholt. „Der Wille ist stark, aber das Fleisch ist schwach“, sagt Christian K. Er habe sich dazu noch nicht überwinden können.

Ruhig und kooperativ bei der Festnahme

An jenem 24. Januar 2016 war K. um 6 Uhr morgens in der Kunersdorfer Straße 34 auf frischer Tat ertappt worden. Eine Nachbarin von Gegenüber hatte einen Taschenlampenschein im Keller gesehen und die Polizei alarmiert. Die Festnahme verlief ohne Probleme. „Er hat sich gleich ergeben“, berichtet eine Beamtin. Ihr Kollege erinnert sich, dass K. ruhig und kooperativ war. Nach der Festnahme durchsuchen die Beamten K.s Wohnung, in der auch die damalige Partnerin und der Sohn leben. Sie finden 688 gestohlene Gegenstände und können 29 Einbrüche in Mehrfamilienhäuser überall in Potsdam rekonstruieren: in der City, in der Berliner, der Brandenburger, Teltower und Nauener Vorstadt, in Babelsberg und Potsdam-West. „Ich habe einfach alles mitgenommen – Hauptsache, es bringt Geld.“

Vor Gericht gibt K. alles zu – zumindest, was bekannt ist. „Wir können sicher davon ausgehen, dass es sich hier nicht um die einzigen Fälle handelt“, so der Staatsanwalt. Festnahme, Hausdurchsuchung und Vernehmung haben Christian K. offenbar nicht nachhaltig beeindruckt. Schon am 17. August 2016 wurde er erneut auf frischer Tat gestellt, dieses Mal in einem Keller in Bergholz-Rehbrücke. „Ein kleiner Drogenrückfall“, sagt K. „Von dem Tag weiß ich gar nichts mehr.“

Von Nadine Fabian

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