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Potsdam Lustgarten: Architekten planen ohne Mercure
Lokales Potsdam Lustgarten: Architekten planen ohne Mercure
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10:20 18.11.2014
Der Lustgarten - noch mit dem Mercure, viel Wiese und einem Basketballfeld - soll umgestaltet werden. Quelle: Lutz Hannemann
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Potsdam

Im Ringen um die Neugestaltung des Potsdamer Lustgartens zwischen Havel und Stadtschloss ist die zweite Runde eröffnet. Ab Dienstag können die Potsdamer ihre Meinungen zu den Planungsvorschlägen von sieben Büros abgeben. Die Grundzüge für die Entwürfe waren in der ersten Runde im August ermittelt worden: Damals wurden die Potsdamer gefragt, was ihnen am Lustgarten gefällt und was sich ändern muss. Informieren konnten sie sich dazu in einer am Eingang des Lustgartens aufgestellten Infobox, im Internet unter www.werkstatt-lustgarten.de und bei sogenannten Werkstattgesprächen, in denen die Ideen und Anregungen aus dem Briefkasten der Infobox und dem Internetforum vorgestellt und diskutiert wurden.

In dieser Infobox auf dem Festplatz direkt gegenüber dem Landtag nahm die Stadt Ideen, Anregungen und Vorschläge von Bürgern entgegen.

Während die Büros auf Grundlage dessen ihre Entwürfe erarbeiteten, konnten keine weiteren Meinungen abgegeben werden. Ab Dienstag ist das nun wieder möglich: Die Box hat wochentags von 14 bis 19 Uhr, an Wochenenden von 12 bis 18 Uhr geöffnet, der Briefkasten nimmt wieder Kommentare entgegen. Die Entwürfe stehen außerdem im Internet und können dort bewertet oder kommentiert werden. Das wird bis 12. Dezember möglich sein, dann werden Forum und Briefkasten wieder geschlossen, und die Teams überarbeiten ihre Entwürfe entsprechend der Bürgerkommentare. Im Frühjahr 2015 werden die Überarbeitungen gezeigt, dann findet eine dritte Beteiligungsrunde statt, am Ende entscheiden die Stadtverordneten.

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So sieht der Lustgarten derzeit aus.

Einig bei den großen Fragen

In der nun beginnenden zweiten Phase der Bürgerbeteiligung stellen alle Teams zudem ihre Entwürfe persönlich vor und stellen sich den Fragen der Potsdamer. Die Termine sind ebenfalls auf der Internetseite und in der Infobox zu erfahren.

So unterschiedlich die Entwürfe der ausgewählten Büros im Detail sind, so einig sind sie sich bei den großen Fragen:

  1. Weg mit dem Mercure: Kein einziger Entwurf konnte sich mit dem Erhalt des umstrittenen Plattenbauhotels Mercure anfreunden. Für einige Büros wie Dietz/Joppien und KKLF stand von Beginn an außer Frage, dass es abgerissen werden muss, andere Büros wie die Gruppe Planwerk haben nach eigenem Bekunden lange mit Ideen gerungen, wie man das „schlanke“ Hochhaus integrieren könne, kamen aber am Ende doch zu keiner Lösung, bei der die Platte stehen bleibt.
  2. Sichtachse muss her: Alle Büros betonen die Notwendigkeit der Wiederherstellung der einstigen Sichtachse Schlossportal – Neptunbecken – Havel, in der das Gebäude steht, und das „zu allem Übel“, wie ein Planer schreibt, nicht einmal mittig, sondern leicht versetzt. Nur so könne der Lustgarten wieder ein verbindendes Ensemble werden. Ebenso einig sind sich die Büros – zumindest in der Mehrzahl – dass das Neptunbecken vergrößert werden soll. Dietz/Joppien und WES wollen sogar die originale Größe wiederherstellen und damit sehr nah ans Havelufer rücken, drei andere Büros sehen zumindest eine Vergrößerung vor. Und: Alle sieben Planer oder Planergruppen stärken das im Moment im Schatten des Hotels und des Weiße-Flotte-Palmenzelts liegende Becken. Sie werten es optisch auf, indem sie es etwa freistellen, mit Baumreihen säumen oder mittels großzügiger Grünstreifen scheinbar vergrößern.
  3. Mehr Grün: Die dritte Gemeinsamkeit besteht darin, dass sich offenbar kein Büro mit der großen Betonfläche gegenüber dem Marstall anfreunden konnte, die derzeit noch regelmäßig für Jahrmärkte, Volksfeste und insbesondere für das Stadtwerkefest genutzt wird. Sie alle begrünen die Fläche, wenn auch in unterschiedlichem Maße: Am geringsten das Büro Machleidt/Loidl, das lediglich ein paar größere Bäume vorsieht. Auch Agence Ter hält sich noch mit Grün zurück, setzt aber drei Rasenkissen und 16 Bäume in die heutige Betonwüste. Bei den Büros RMP und WES ist derweil schon der größte Teil der Fläche mit Rasen begrünt, und quasi gar keinen Beton mehr duldet das Büro KKLF, dessen Entwurf in diesem Punkt am weitesten geht. KKLF plant den gesamten Lustgarten in Grün, ändert dazu auch den Vorplatz des Marstalls und verkleinert die vierspurige Breite Straße auf eine dann nur noch zweispurige weniger breite Trasse. Damit bewegen sich die Planer zwar schon außerhalb der Ausschreibungsbedingungen, aber als Idee, Vorschlag und Diskussionsbeitrag ist das natürlich gestattet. Chancen auf eine Umsetzung hat dieser Teil des Entwurfs indes nicht.

Ihre Meinung ist gefragt!

Begeistert Sie einer der sieben Vorschläge und sollte sofort umgesetzt werden? Oder trifft keiner der Entwürfe Ihren Geschmack? Oder haben am Ende alle Ideen so ihre Vor- und Nachteile, und Sie würden am liebsten ein Element von diesem mit einem Element eines anderen kombinieren? Ist Ihnen am Ende gar ein ganz eigenes Konzept eingefallen, das Sie der Welt zeigen wollen?
Sagen Sie uns Ihre Meinung – zu den vorgestellten Entwürfen oder auch zu denen, die Sie vermissen. Schicken Sie uns Ihre Kommentare, Ihre Anregungen, Ihre eigenen Entwürfe:

  • per Post an die Märkische Allgemeine, Lokalredaktion Potsdam, Friedrich-Engels-Straße 24, 14473 Potsdam
  • Per E-Mail finden Sie uns unter Potsdam-Stadt@MAZonline.de
  • per Fax unter (0331) 2840275.
  • auf Facebook zum Lustgarten-Post
  • oder kommentieren Sie zu diesem Artikel (siehe oberhalb der Überschrift rechts)

Was steht anstelle des Mercure?

Den Kernbereich des Lustgartens lassen die meisten Teams unangetastet – nur Machleidt/Loidl wollen dort Gastronomie, Ausstellungen, Kulturveranstaltungen, Biergärten und eine Bouleplatz schaffen. Die größten Unterschiede gibt es in der Frage, was an die Stelle des Hotels tritt:

  • Bei Agence Ter ist dies eine Wasserfläche, die die Planer „Himmelsspiegel“ nennen. Dieser Spiegel soll ein Gefühl der Weite schaffen, das Neptunbassin aufwerten und zudem als Planschfläche im Sommer und als Eisbahn im Winter für zusätzliche „Aufenthaltsqualität“ des Lustgartens sorgen – sprich: ihn für die Bürger attraktiver machen.
  • Das Büro RMP, sonst ein starker Freund der Begrünung der Flächen, sieht dort ausnahmsweise eine Steinfläche vor, die die Planer „Schlossplatz“ nennen.
  • Machleidt/Joidl und Dietz/Joppien wollen die Fläche schlicht begrünen, die ersten als Rasenfläche mit Sitzkanten, die zweiten mit einem Weg durch die Mitte, der genau auf der Sichtachse Schloss – Neptunbecken – Havel – Brauhausberg verläuft.
  • Dietz/Joppien fordern auch, den Stadtplatz von Großveranstaltungen freizuhalten und ein „wichtiges öffentliches Gebäude“ in den Lustgarten zu bauen, denn dieser sei das „politisch-administrative Zentrum Brandenburgs“. Als einziges Büro schlägt Dietz-Joppien, das den Lustgarten bereits zur Buga umgestaltete, auch einen neuen Brückenkopf an der Langen Brücke. Von Jan Bosschaart
Sehen und gesehen werden: Der Lustgarten bot auch für den friedfertigen Normalbürger Potsdams eine Flanierfläche. Quelle: MAZ-Archiv

Nicht alle Potsdamer sind begeistert

Unter MAZ-Lesern hatte sich zum Thema Lustgarten und Mercure schnell eine lebhafte Debatte entwickelt.

"Wir Potsdamer sollten uns freuen, dass endlich etwas zur größeren Attraktivität des Lustgartens unternommen wird", meinte etwa MAZonline-User Schlossherr. Doch nicht alle Leser waren erfreut über das Konzept der Umgestaltung: "Wir wissen doch alle, was Ziel der propagandistischen Inszenierung ist. Den von Jauchs Mitte Schönen in Hinterzimmern getroffenen Entscheidungen einen demokratischen Anstrich zu geben. Was der ganze Quatsch wieder kosten mag - kein Wort dazu", echauffierte sich ein weiterer Online-Leser.

Eindeutig fiel die Antwort dann aber auf die Frage aus, ob das Mercure Hotel im neu gestalteten Lustgarten verschwinden sollte: Nur 23 Prozent der Leser stimmen mit Ja, gegen einen Abriss des Hotels sprechen sich 77 Prozent aus (Stand Montagabend).

Sehen Sie das Mercure als städtebaulichen Missstand, den es zu beseitigen gilt?
Blick von der Freundschaftsinsel auf das Hotel Mercure. Quelle: Jacqueline Schulz

Seit Jahren wird um das Hotel Mercure gestritten. Die Stadt will das Hochhaus aus DDR-Zeiten abreißen lassen - mit der Begründung, es sei ein städtebaulicher Missstand. Was meinen Sie?

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