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Potsdam Silly über die AfD, Hass und Flüchtlinge
Lokales Potsdam Silly über die AfD, Hass und Flüchtlinge
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09:19 04.05.2016
Jäcki Reznicek, Silly-Frontfrau Anna Loos, Uwe Hassbecker und Ritchie Barton kommen am Sonnabend ab 10 Uhr zur Autogrammstunde ins Potsdamer Stern-Center. Quelle: Promo
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Potsdam

Silly war eine der wichtigsten Bands der DDR. 1996 starb Frontfrau Tamara Danz an Krebs, gerade einmal 43 Jahre alt. Vor gut zehn Jahren übernahm Anna Loos ihre Rolle. Am Freitag erscheint „Wutfänger“, das dritte Album in dieser Formation. Am Samstag ist Silly von 10 bis 12 Uhr zur Autogrammstunde im Potsdamer Sterncenter zu Gast. Ein Gespräch mit der Band.

Das Lied „Wutfänger“ auf Ihrem neuen Album klingt politisch, als Ansage gegen Hass. Sie haben sich auf Facebook vergangenen Sommer für Flüchtlinge stark gemacht. Ist das jetzt die Fortsetzung einer Botschaft?

Anna Loos: Der Song ist schon vor etwa zwei Jahren entstanden. Wir haben damals zusammengesessen und gedacht: Wenn hier nicht richtig etwas passiert, wird es einen echten Rechtsruck geben. Das ist etwas, vor dem wir Angst haben. Das war schon zwei Jahren totales Thema bei uns: Wer fängt die Leute auf? Was machen die Volksparteien? Beschäftigen sie sich mit den Leuten, die Angst haben, oder wird es einen Rechtsruck geben? Und den haben wir jetzt. Damit setzt sich dieses Lied auseinander. Wut wird erzeugt durch Angst. Man muss versuchen, den Leuten die Angst zu nehmen. Es wäre geil, wenn es einen Impfstoff geben würde, eine Schluckimpfung. Als erstes würde ich sie an alle Politiker weltweit verteilen.

Können Sie mit der Musik etwas ausrichten? Silly-Fans gehen doch eh nicht zu Pegida, oder?

Loos: Da bin ich mir nicht so sicher. Ich glaube, dass viele Leute auch unsere Platte hören, die vielleicht mal auf einer Pegida-Demonstration waren oder, vielleicht auch nur aus Protest, die AfD gewählt haben. Wir sagen: Der Name, AfD, ist eine Lüge. Das ist keine Alternative für Deutschland. Und wir stehen für Offenheit, Toleranz und Hilfsbereitschaft. Es geht vor allem darum, eine Haltung zu haben und damit Anstöße zu geben.

Uwe Hassbecker: Eigentlich will man es nicht wahrhaben, aber rechtes Gedankengut ist sehr tief in die Mitte der Gesellschaft eingesickert. Nicht nur als Künstler, als Band, sondern als Menschen haben wir die Verantwortung, Farbe zu bekennen und den Mund aufzumachen.

Haben Sie da schon in Ihrem Umfeld negative Erfahrungen gemacht?

Hassbecker: Bei einem Konzert in Dresden mit Herbert Grönemeyer für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit, da hat jemand aus unserem direkten Umfeld gesagt, er versteht nicht, dass wir mitspielen. Da habe ich die Welt nicht mehr verstanden.

Ritchie Barton: Dabei war der Inhalt der Veranstaltung, dass man sich gegenseitig zuhören soll. Da kann man nicht verstehen, dass es solche Reaktionen hervorruft.

An Silly hat viele Jahre das Etikett „Ost-Band“ geklebt. Ist das heute noch so?

Loos: Wir sind halt aus dem Osten, das ist unsere Herkunft. Silly war für mich meine Jugend, Tamara meine Heldin. Ich verbinde viele Momente in meinem Leben mit Musik von Silly. Das waren einfach im Osten Stars. Es wird immer mit der Band zu tun haben, auch wenn es jetzt eine andere Konstellation und Zeit ist. Heute empfinden wir uns als Berliner Band. Für uns gesehen sind wir schon lange keine Ost-Band mehr. Unsere Wurzeln liegen dort und wir sind die Kinder des Ostens, aber den Osten gibt es seit 26 Jahren nicht mehr und so lange hat die Band in der DDR auch keine Musik gemacht. Wir denken, leben, arbeiten und lieben im hier und jetzt.

Hassbecker: Wir haben uns selbst während der Zeit in der DDR nicht als Ost-Band begriffen. Es ist auch kein Problem, so lange es mit den Erfahrungen und Empfindungen von Leuten zu tun hat, die wie wir, oder auch die mit uns im Osten groß geworden sind. Wenn es gemeint ist, um uns in eine Schublade zu stecken, dann ist es falsch.

Ist es traurig, dass es die Etiketten Ost/West noch gibt?

Hassbecker: Es nervt manchmal.

Ist Ihnen durch Silly schon mal eine Fernsehrolle flöten gegangen, Frau Loos?

Loos: Oh, einige, auch Kinorollen. Aber ich habe als Schauspielerin das Glück, dass ich meine Projekte planen kann. Als ich angefangen habe mit Silly, war es wie ein luxuriöses Hobby. Das hat sich geändert. Jetzt ist es fast mehr mein Erstberuf.

Wie funktioniert das Wechseln zwischen Schauspiel und Musik?

Loos: Das funktioniert ganz einfach. Ich bin ja auch noch Mutter, Freundin und Frau. Das habe ich gelernt im Laufe meines Lebens. Einfach abschalten. Ich schließe meine Haustür auf und sage: Ich bin jetzt Mutti. Das kann man lernen, autogenes Training. Sonst wird man ja verrückt. Man kriegt nicht immer alles unter einen Hut, manchmal ist auch Chaos.

Hassbecker: Das geht aber nicht nur ihr so. Das war heute auch nicht geplant, dass der Hund mit hier ist ...

Spielt es für Sie eine Rolle, dass Sie mit Männern in der Band spielen?

Loos: Es gibt auch Frauen in unserem Team. Aber ich bin immer schon ein Jungstyp gewesen, hatte als Kind kaputte Knie, habe Fußball gespielt, hatte ein Mofa und habe mit meinem Vater in der Garage geschraubt. Ich hab auch Freundinnen, aber ich bin einfach sehr gerne mit Jungs unterwegs.

Anna Loos – die Frontfrau von Silly

Silly wurde 1978 in Ost-Berlin gegründet. Zu den bekannten Songs gehören „Bataillon D’Amour“, „So ‚ne kleine Frau“, „Mont Klamott“ oder „Alles Rot“.


Aktuelle Bandmitglieder sind Uwe Hassbecker (Gitarre), Ritchie Barton (Keyboard) und Jäcki Reznicek (Bassist).

1996 starb die Frontfrau Tamara Danz – gerade einmal 43 Jahre alt – an Krebs.

Seit gut zehn Jahren steht die 45 Jahre alte Schauspielerin Anna Loos („Weissensee“, „Helen Dorn“) als Sängerin im Mittelpunkt. Sie wurde in Brandenburg/Havel geboren.

Musik liegt in der Familie: Auch ihr Mann, Schauspieler Jan Josef Liefers, spielt in einer Band.

Von MAZonline

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