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Sinterklaas-Fest ohne Sinterklaas

Weihnachten in Potsdam Sinterklaas-Fest ohne Sinterklaas

Immer wieder gab es zum niederländischen Weihnachtsfest Proteste gegen den Auftritt der „ Zwarten Pieten“ als dunkelhäutige Begleiter und Helfer des Weihnachtsmannes. Von Rassismus war die Rede. Jetzt hat die Stadtverwaltung die Festveranstalter gedrängt, auf die Pieten zu verzichten, sonst gebe es keine Förderung – deshalb gibt es nun auch keinen Sinterklaas.

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Der holländische Weihnachtsmann Sinterklaas war immer durch seine dunkelhäutigen Helfer begleitet, die Zwarten Pieten.

Quelle: Archiv

Innenstadt. Das Sinterklaas-Fest im Holländischen Viertel von Potsdam findet ohne seine wichtigsten Protagonisten statt, den Sinterklaas und seine „Zwarten Pieten“. Das hat der Förderverein zur Pflege niederländischer Kultur in Potsdam e.V. am Montag mitgeteilt und der Stadt vorgeworfen, dem Rassismusvorwurf einer kleinen Gruppe Gegner um den Ex-Grünen-Stadtverordneten Andreas Menzel nachzugeben und das Volksfest seines Höhepunktes zu berauben: des Einrittes des holländischen Weihnachtsmannes und seiner schwarzen Helfer. Jetzt gibt es nur noch ein niederländisches Adventsfest, aber das mit den gewohnten Marktständen und Veranstaltungspunkten.

Verein bedauert die Entscheidung

Deren Verein bedauert auf seiner Webseite, dass in diesem Jahr die Stadt Potsdam ein Sinterklaasfest mit den „Zwarten Pieten“ nicht finanziell unterstützen möchte, sondern nur eines ohne sie. Dem Protest zum Sinterklaasfest 2014 von einer etwa 30-köpfigen Gruppe Demonstranten gegen die Pieten, von denen die Demonstranten glauben, dass es sich um eine rassistische Darstellung handelt, standen laut Verein über 25000 fröhliche und friedfertige Besucher des europäisch geprägten Festes gegenüber.

Sinterklaas nicht ohne seine Pieten

Die holländischen Partner wollten den Sinterklaas aber nicht ohne seine „Zwarzen Pieten“ nach Potsdam schicken, berichtet der Verein; das verbiete die Tradition. Der Verein hat wiederholt erklärt, der Sinterklaas und seine Helfer seien Figuren ohne jeden rassistischen Hintergrund. Die Darstellung der „Zwarten Pieten“ beruhe auf Legenden und Mythen; der Auftritt erfolge im Holländischen Viertel „ nicht in entwürdigender oder auch erniedrigender Form.“ Vielmehr sei der „Zwarte Piet“ als Helfer und Begleiter des Sinterklaas eine beliebte und anerkannte Figur. Aufrecht, mit Humor und Stolz verkörpere er seine Rolle und habe Spaß mit Kindern aller Hautfarben. Da es sich um eine Jahrhunderte alte Tradition im Brauchtum der Niederlande handelt, stehe der Verein im Rahmen seiner Satzung zur Authentizität von Darstellungen, zumal diese durch Niederländer selbst verkörpert werden. Da die Pieten am 5. Dezember in den Niederlanden durch viele Schornsteine die Geschenke in die Stuben brachten, müsse es neben dem traditionellen Piet auch eine große Anzahl Pieten geben, die rußgeschwärzt sind, keine goldenen Ohrringe tragen und keine auffällig geschminkte Lippen haben. Der Verein hoffte auf die Toleranz der Kritiker, ist nun aber enttäuscht.

Das sagt die Stadtverwaltung

Nach Auskunft der Stadtverwaltung war der Antrag des Vereins auf ein Fest mit Sinterklaas und den Pieten nicht genehmigungsfähig, „weil in den Niederlanden selbst die Diskussion darum nicht abgeschlossen ist“, wie Marketingchefin Sigrid Sommer sagt. Sogar die UNO habe die Regierung der Niederlande darauf aufmerksam gemacht, dass hier ein Problem bestehen könnte, wenn koloniale Bilder wie die Pieten verfestigt werden.

Der ehemalige Stadtverordnete Menzel freute sich am Montag, „dass das Rathaus nach einem Jahr doch Einsicht zeigt“. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) habe vor 18 Monaten in der Stadtverordnetenversammlung noch Witze über das M-Rondell (Mohren-Rondell im Park Sanssouci, – d.Red.) gemacht, „und der Saal aus SPD, Linken, CDU und Grünen lachte“.

Menzel wünscht dem Veranstalter und den Besuchern trotzdem ein fröhliches Fest.

Von Rainer Schüler

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