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Skaten ja – aber wo?

Skateanlagen in Potsdam Skaten ja – aber wo?

Die Szene der Skateboarder, BMX-Fahrer und Roller-Derby-Spielerinnen ist unzufrieden mit den Skateparks in Potsdam. Die Anlagen seien marode und zum Teil gesundheitsgefährdend. Deshalb suchen sie nun den Dialog mit Politikern und Verwaltung der Stadt. Die Skater wollen anerkannt werden und bieten Eigeninitiative beim Umbau der bestehenden Anlagen.

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Die Projektteilnehmer haben unter anderen die Anlage vom Skatepark West unter die Lupe genommen.

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam. Die Skateplätze in der Landeshauptstadt sind marode und teilweise ein Risiko für die Gesundheit der Fahrer. So fällt das Urteil der Rollsportszene über die Skateanlagen in Potsdam aus. Zur Szene gehören nach eigener Schätzung mehrere Hundert Skateboarder. Auch BMX-Fahrer ärgern sich über die Zustände. Hinzukommen 50 Frauen, die den amerikanischen Sport Roller Derby betreiben. Die Rollsportler haben sich nun aufgrund der – aus ihrer sich inakzeptablen – Verhältnisse der Anlagen zusammengeschlossen.

Mit dem Stadtjugendring (SJR), dem Jugendclub j.w.d. und den Straßensozialarbeitern von Wildwuchs Streetwork haben sie ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem die Situation realistisch eingeschätzt und gemeinsam mit politischen Vertretern sowie Mitarbeitern der Stadtverwaltung mögliche Lösungen diskutiert werden sollen.

Zwei Potsdamer Skateparks sind vielversprechend

„Uns geht es nicht darum, zu meckern“, sagt Wildwuchs-Mitarbeiterin Barbara Paech, die seit September an dem Projekt beteiligt ist. Man wolle in erster Linie in Zusammenarbeit mit den Skatern eine Lösung für die Situation finden. Dafür hat die Projektgruppe alle relevanten Anlagen im Stadtgebiet unter die Lupe genommen. Zwei davon empfand sie als vielversprechend für einen möglichen Um- oder Ausbau: den „E-Park“ am Umspannwerk in der Friedrich-List-Straße und den Skate-Platz in Potsdam-West in der Haeckelstraße. „Diese Anlagen sind für uns interessant, weil man alle Gruppen der Rollsportler abdecken könnte und wir dort kurzfristig die besten Veränderungsmöglichkeiten sehen“, sagt Paech.

Im Skatepark am Umspannwerk in der Friedrich-List-Straße sehen die Projektteilnehmer Potenzial

Im Skatepark am Umspannwerk in der Friedrich-List-Straße sehen die Projektteilnehmer Potenzial.

Quelle: Friedrich Bungert

Bei dem Rundgang war auch ein Mitarbeiter des zuständigen Grünflächenamtes der Stadt anwesend gewesen. Über den schlechten Zustand der Anlagen sei der Mitarbeiter überrascht gewesen, berichtet die Projektgruppe. Die größte Herausforderung bei der Realisierung des Wunsches der Skater sei jedoch weniger die Bereitschaft des zuständigen Amtes, sondern die finanzielle Situation der Stadt. „Wir sind uns dessen bewusst, dass im Haushalt derzeit keine Mittel für unser Vorhaben bereitstehen“, sagt Katja Altenburg vom Stadtjugendring. Über einen konkreten Kostenplan habe man sich noch keine Gedanken gemacht.

Indes haben die Skateboarder, BMX-Fahrer und Roller-Derby-Spielerinnen bereits Pläne für die Anlagen entworfen. Darauf ist zu erkennen, dass die Grundfläche der bestehenden Skateparks nicht erweitert werden soll. Die Entwürfe sehen hingegen Verbesserungen der vorhandenen Elemente vor. Bisher sei beim Bau der Anlagen stets am Bedarf der Nutzer vorbeigeplant worden, bemängelt Tinko Jäckel, Skateboarder und Sozialarbeiter im Jugendclub.

Video zeigt Mängel und soll Politiker überzeugen

In einem Video haben die Projektteilnehmer konkrete Mängel bereits aufgezeigt: Skate-Elemente, die verkehrt herum aufgebaut wurden oder nach Sprüngen zu Landungen im Gras zwingen, zu flache Bowls (die Pool-ähnlichen Becken der Skateboarder und BMX-Fahrer) ebenso wie unzählige Risse und Unebenheiten in den betonierten Flächen.

Mit dem Video wollen die Projektteilnehmer nun auf die Politiker der Stadt zugehen. Sie hoffen auf ein Bekenntnis in Form eines Beschlusses im Rahmen der Stadtverordnetenversammlung. „Vor allem wollen wir aber als Experten wahrgenommen werden“, sagt Skater Maik Mekleburg, „denn wir haben in diesem Fall mehr Ahnung als Architekten, die noch nie geskatet sind.“ Er und seine Mitstreiter sind überzeugt: Wenn man die Sportler in den Umbau einbeziehen würde und sie eventuell sogar selbst mitbauen ließe, würden sich die Nutzer freiwillig um die Pflege der Anlagen kümmern, Kosten gesenkt und mehr Rollsportler in die Landeshauptstadt gelockt werden.

Anstoß zur Diskussion fiel im August 2016

Anlass für das Projekt war der Bau einer illegalen Skateanlage im Park Babelsberg im vergangenen Sommer. Neben dem alternativen Kulturzentrum „La Datscha“ nahe der Humboldtbrücke hatten Skater eine Halfpipe selbst errichtet und am 22. August eingeweiht. Auch eine Kletterwand war geplant.

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten als Grundstücksbesitzer und die Polizei hatten die Erbauer zum Abriss der Rampe aufgefordert. Das Areal, auf dem sich die Anlage befand, gehört zum eingetragenen Denkmal des Parks Babelsberg und zum Unesco-Welterbe. Die Skater ignorierten die Aufforderung zunächst.

Am 30. August rissen die Erbauer ihre Halfpipe schließlich wieder ab. Zu den Gründen gehörte neben der Forderung der Schlösserstiftung auch eine Nutzungsuntersagung der Stadt. Die Verwaltung soll ihrer Forderung damals mit Geldstrafen von 5000 Euro pro Person Nachdruck verliehen haben.

Von Victoria Barnack

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