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„Skizze eines Sommers“ am HOT in Potsdam

„André Kubiczek lässt sich von Premiere überraschen „Skizze eines Sommers“ am HOT in Potsdam

Romanautor André Kubiczek spricht über die bevorstehende Uraufführung „Skizze eines Sommers“ am Hans-Otto-Theater in Potsdam, über seine ganz persönliche Beziehung zu der alten Potsdamer Bühne in der Zimmerstraße, über einen Selbstversuch als Autor nach dem Vorbild Heiner Müllers und über seine nächsten Bücher.

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André Kubiczek ist in Potsdam aufgewachsen und lebt heute in Berlin.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. 2016 wurde der Roman „Skizze eines Sommers“ von André Kubiczek für den Deutschen Buchpreis nominiert. Erzählt wird von Jugendlichen im Sommer 1985 im Wohngebiet Am Stern. Am Sonnabend hat die erste Bühnenfassung am Hans-Otto-Theater Premiere.

Sie sind in Potsdam aufgewachsen. Verbinden Sie Erinnerungen mit dem Hans-Otto-Theater?

André Kubiczek: An Theatervorstellungen nicht. Aber an ein Konzert: Als Billy Bragg 1986 gemeinsam mit Attila The Stockbroker und den Newton Neurotics dort gespielt hat, sind die Jugendlichen hingepilgert und haben Pogo getanzt. Und dann gab es ab und zu Abende in der Theaterkantine in der Zimmerstraße mit Freunden die damals dachten, Dramatiker werden zu müssen.

Haben Sie selbst auch einmal daran gedacht, fürs Theater zu Schreiben?

Nein. Eigentlich nicht. Mit einer Ausnahme: Einmal habe ich mich als Heiner Müller-Plagiator versucht. Ich habe ein Stück geschrieben über einen Staudammbau in der DDR der 1950er Jahre. Talsperre Sosa hieß es. Ich habe es Leuten zu lesen gegeben, die Laientheater gespielt haben, aber das ist dann irgendwie eingeschlafen.

Wie lange haben Sie in Potsdam gelebt?

Bis 1985. Dann kam ich ins Internat nach Halle. Nach der Wende habe ich einige Monate bei meinem Vater in Kleinmachnow gewohnt und in Potsdam als Briefträger gearbeitet – als Springer im Holländischen Viertel. Da waren nur noch ganz wenige der Häuser bewohnt. Es war echt morsch. Nach der Schicht haben wir uns im Café Heider getroffen. Dann bin ich nach Leipzig umgezogen.

Gehen Sie heute noch ins Heider?

Nein. Es ist völlig anders als damals. Es ist echt nur noch der Name geblieben. Deswegen muss man die damalige Atmosphäre in die Bücher bringen, damit sie konserviert wird. Das war auch ein Antrieb für „Skizze eines Sommers“: Die Atmosphäre der Stadt zu konservieren, die ja heute völlig anders ist.

Was haben Sie empfunden, als Sie vom Theater gefragt wurden, ob Sie „Skizze eines Sommers“ für die Bühne freigeben?

Das hat mich gefreut! Abgewickelt hat es dann mein Verlag. Ich hatte auch noch keine Zeit, das Stück zu lesen, weil ich bis in die letzte Woche an meinem neuen Buch geschrieben habe. Ich habe mir aber auch gedacht: Selbst wenn ich das jetzt lese, was sollte mir auffallen? Ich habe keine Ahnung von Theater.

Sie haben keinen Anteil an der Dramatisierung?

Genau. Ich werde mich überraschen lassen. Ich habe auch keine Proben gesehen. Ich war in der vergangenen Woche mit zwei Hauptdarstellern und dem Regisseur zu einem Gespräch im Haus des Rundfunks. Sie haben sich unterhalten, wie die Bühne aussieht. Das waren überhaupt meine ersten Informationen zur Inszenierung.

André Kubiczek

André Kubiczek, Jahrgang 1969 , in Potsdam geboren und aufgewachsen, lebt in Berlin. 2002 erschien sein hochgelobter Roman „Junge Talente“, 2003 „Die Guten und die Bösen“.

Es folgten „Oben leuchten die Sterne“ (2006), „Kopf unter Wasser“ (2009) sowie „Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn“ (2012).

2007 wurde André Kubiczek mit dem Candide-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen „Das fabelhafte Jahr der Anarchie“ (2014) und „Skizze eines Sommers“ (2016), das auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand.

Hat Regisseur Niklas Ritter angedeutet, wie viel DDR in dem Stück zum Tragen kommen wird?

Wohl nicht so viel. Das konzentriert sich tatsächlich eher auf die Beziehungen der Jugendlichen.

Und Lokalkolorit?

Entsprechend auch weniger.

Wird Ihr nächstes Buch auch in Potsdam handeln?

Nein. Aber das übernächste Buch wird eine Fortsetzung des Potsdam-Buches.

Ein neues Potsdam-Buch?

Nein, es geht dann nach Halle.

Und worum geht es in Ihrem aktuellen Buch „Komm in den Park und schau“, wann wird es erscheinen?

Es ist ein Gegenwartsstoff. Kein richtiger Familienroman. Aber dysfunktionale Familien tauchen trotzdem auf. Es erscheint im Februar.

Wie entwickeln Sie eine Romanidee?

Zuerst gibt es die Überlegung, welche Zeit man beschreiben will. Dann muss man sich ein paar Figuren erfinden. Eigentlich gibt es gar keine konkrete Dramaturgie, kein ausgefeiltes Gerüst, das dann nur noch gefüllt werden müsste. Das ist eine Möglichkeit des Schreibens. Ich habe eher eine Idee, weiß, wo es hinführen soll, habe eine Hand voll Figuren, und die entwickeln so nach 50 Seiten eine eigene Logik.

Sind Sie oft in Potsdam?

Durch das Buch schon. Vorher lange Zeit überhaupt nicht.

Was gab den Anstoß zu „Skizze eines Sommers“?

Ich wollte es einfach machen. Es war eine Zeit, die für mich schön war, die ich schön in Erinnerung hatte. Und genau diese Zeit kam in den anderen Büchern noch nicht vor.

Uraufführung in der Reithalle

„Skizze eines Sommers“ von André Kubiczek kommt am Sonnabend um 19.30 Uhr in der Reithalle des Hans-Otto-Theaters in einer Bearbeitung von Nadja Hess zur Uraufführung.

Spielen werden unter der Regie von Niklas Ritter Schauspielstudenten der Filmuniversität „Konrad Wolf“ in Babelsberg.

Die Premiere ist ausverkauft. Weitere Vorstellungen gibt es am 10. Dezember um 18 Uhr, am 16. und 30. Dezember sowie am 6. und 25. Januar um 19.30 Uhr.

Nächste Premieren am Hans-Otto-Theater stehen am 12. Januar mit „Ziemlich beste Freunde“, bekannt durch den französischen Kinoerfolg von 2011, und am 19. Januar mit der Bühnenfassung von Juli Zehs Bestsellerroman „Unterleuten“ an.

Von Volker Oelschläger

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