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Skurrile Proteste in Potsdam

Vom Steak über Skelett zur SA Skurrile Proteste in Potsdam

Der satirische Protest hat in Potsdam durchaus seinen Platz - mal etwas feiner, mal grobschlächtiger. Mal amüsiert er viele, so wie bei der Hohenzollern-Hochzeit 2011, mal schockierte er viele Beobachter, wie bei dem "Antifa-Gedenkmarsch" zum "Tag von Potsdam" in SA-Kostümen.

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Protest zum "Tag von Potsdam".

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Am frühen Donnerstagabend fliegen Steine gegen das Stadtschloss – zwar nur aus Styropor, aber immerhin. Mit der Aktion soll laut Versammlungsleiter Lutz Boede, an den 12. November 1848 erinnert werden, als „eine Volksmenge Steine gegen das verhasste Stadtschloss warf“.

Aber ganz anders als im Fall des 29-jährigen Mannes Ende Oktober ist das natürlich alles nur Satire.  Die Form des spöttischen Protests wird in der Landeshauptstadt immer wieder gerne gewählt. Manchmal ist die gewählte Form höchst amüsant, aber manchesmal geht es auch unter die Gürtellinie. Erst am Mittwoch hat ein falscher Putin für Rubel verteilt.

„Grabsteinlegung“ gegen Garnisonkirche

Mitte April 2005 protestierten Gegner der Garnisonkirche gegen die Grundsteinlegung in der Berite Straße. Ein Lancaster-Bomber aus Pappmaschee war aufgebaut, Flugblattverteiler wurden verteilt, und Plakate, wie „Mit Brecht gegen die Nazis“ oder jenes, auf dem ein sowjetischer und ein britischer Bomberpilot sich im Fluge die Hände reichen, während ihre Bomben in Berlin einschlagen, waren zu sehen - dazwischen etliche Polizisten.

 
Plötzlich gingen die Propeller des Papp-Bombers an, kurz darauf ein Kassettenrecorder. Zu hören waren Sirenen, Flugzeugmotoren, Pfeifen, Explosionen. „Fliegeralarm“ stand als Titel auf der dazugehörigen Kassettenhülle. Zu den Uniformierten hatte sich jetzt ein Mann in Bundeswehrmontur gesellt mit einem Schild, auf dem „Vorsicht, Satire“ stand.

Wenig später wurde ein Tuch gelupft, das einen Grabstein aus Gussbeton verhüllt hatte, in den das Wort „Versöhnung“ eingraviert war. Dann kam Musik vom Band: Variationen auf die Melodie „Üb’ immer Treu und Redlichkeit“. Die Performance hatte begonnen. Sie begann damit, dass zwei Leute mit Leichenmasken sich die Hand schüttelten. Unaufhörlich, in unverkennbarer Anspielung auf den Händedruck Hitlers und Hindenburgs am Tag von Potsdam. Dann trugen sie den Grabstein in kleiner Prozession auf die andere Straßenseite, setzten ihn vor dem Fahrradladen ab in knapper Distanz zur rasant wachsenden Festgesellschaft, die gleich den Grundstein feiern sollte.

Von der Qual, im Käfig zu sitzen

Ein eigenartiges Bild bot sich den Passanten Mitte Juli 2010 auf dem Vorplatz des Brandenburger Tores: Eine Frau, bekleidet mit schwarzem Bikini, bemalt mit Leoparden-Flecken, einem Schnurrbart im Gesicht und Katzenohren auf dem Kopf sitzt in einem kleinen Gitterkäfig, in dem sie sich kaum bewegen kann.

 Die Tierrechtsorganisation Peta war auf Demotour gegen Wildtierhaltung im Zirkus in Deutschland unterwegs und führte solche Aktionen in allen Landeshauptstädten durch, „um die Menschen wachzurütteln“, sagt Stefan Klippstein, Aktivist der Tierrechtsorganisation. „Wenn Tiere in einem engen Käfig sitzen, können die Menschen die Qual nicht so gut nachvollziehen und mitfühlen, als wenn ein anderer Mensch dort drin sitzt“, so Klippstein. Im Gegensatz zu den Tieren, konnte Melanie Klein jedoch nach einer Stunde wieder hinaus.

Protest gegen Hochzeit der Hohenzollern

 Unter Potsdams Wappenadler mit schief aufgesetzter Krone lud eine so genannte Barocke Glaubens- und Untertaneninitiative „Monarchie Jetzt!“ aus der Lindenstraße zum „Jubelzug“ gegen die Hochzeit von Georg Friedrich Prinz von Preußen mit Sophie Prinzessin von Isenburg am Samstag, dem 27. August 2011.

Die Hochzeit fand in der Friedenskirche von Sanssouci statt, wohin sich der satirische Protest vom Bassinplatz aus bewegt. Die „Potsdamer und Untertanen“ wurden von den Monarchiegegnern aufgefordert, sich ordentlich anzuziehen, Transparente zu malen, Diener und Kratzfüße zu üben und die Preußenhochzeit zu bejubeln. Man brauche „kein Internet und keine Autos, keine Kanalisation und keine Wahlen (und schon gar nicht für alle)!“, hieß es im Aufruf: „Ja zur Erbmonarchie!“
 

Todesmarsch gegen illegale Felle

Im März 2013 marschierte ein kleines Grüppchen Aktivisten der Tierschutzorganisation Peta durch die Potsdamer Innenstadt. Vor einem Pelzgeschäft versammelte sich das achtköpfige Protest-Grüppchen – drei von ihnen in schwarzer Kutte, mit Totenkopfmaske und Sense in der Hand.

Auf drastisch bebilderten Flyern fordern sie Passanten auf, Pelzmäntel und -accessoires aus ihren Kleiderschränken zu verbannen – anscheinend mit Erfolg. Vor allem junge Potsdamer ließen sich mitreißen. „Die Aktion ist sehr positiv verlaufen“, resümierte Noetzel, nachdem die Sensenmänner ihre Route über die Einkaufsstraße beendet hatten. „Die Leute waren uns sehr zugewandt.“

SA-Uniformen als Protest

„Geschmacklos und nicht akzeptabel – eine Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus.“ Das war der empörte Kommentar von Oberbürgermeister Jann Jakobs zu einer Protestaktion von Gegnern des Wiederaufbaus der Garnisonkirche.

In makabrer Kostümierung mit SA-Uniformen und Fackeln störten sie am Abend des 20. März einen Gedenkspaziergang zur mahnenden Erinnerung an den 21. März 1933, der mit dem symbolischen Händedruck von Adolf Hitler und dem greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg vor der Garnisonkirche als „Tag von Potsdam“ in die Geschichte eingehen sollte.

Ein Antrag der linksalternativen Fraktion Die Andere auf Streichung Hindenburgs aus der Ehrenbürgerliste wurde Wochen zuvor von einer Stadtverordnetenmehrheit abgelehnt, weil die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod erloschen sei. Auf Anregung der Grünen distanzierten sich die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am 30. Januar, dem 80. Jahrestag der Machtergreifung durch das NS-Regime, ersatzweise von dem 1933 gefassten Beschluss ihrer Vorgänger.

Protest mit Sättigungsbeilage

Wieder Peta, wieder skurril: Ende Augsut 2015 Die Tierschutzorganisation wies auf dem Luisenplatz mit einem anklagenden Tellergericht auf die Klimafolgen von Massentierhaltung hingewiesen. Eine Aktivistin legte sich als blutüberströmtes Hähnchen auf einen überdimensionierten Teller.

Die Peta-Protestierer verweisen auf eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), in der das Institut 2010 dazu aufforderte, den Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten zu verringern. So lasse sich der landwirtschaftlich bedingte Ausstoß von Methan und Lachgas um mehr als 80 Prozent reduzieren. Peta empfiehlt vegane Ernährung.

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