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„So ein Ding verpflichtet“

Geburtstagsfeier für Potsdams Hans-Otto-Theater „So ein Ding verpflichtet“

Ein neues Theaterhaus ist keine Selbstverständlichkeit. Schon gar nicht in Potsdam, wo man sich mehr als 60 Jahre lang vergeblich darum bemühte. Am Freitagabend wurde der zehnte Jahrestag des neuen Hans-Otto-Theaters in der Schiffbauergasse gefeiert.

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Die Schauspieler des Ensembles verlesen Kritiken und Gästebucheintragungen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Als die Schauspielerin Rita Feldmeier 1976 ans Hans-Otto-Theater (HOT) kam, erzählte ihr ein Kollege, dass es 1981 in Potsdam ein neues Theaterhaus geben werde. Sie erlebte die Grundsteinlegung für den Theaterneubau am Alten Markt 1989 und dessen Abriss 1991, das Blechbüchse genannte Langzeit-Provisorium an der Alten Fahrt und die Grundsteinlegung im Herbst 2003 mit dem damaligen Intendanten Ralf-Günter Krolkiewicz (1955-2008).

Der wünschte mit dem zweiten Hammerschlag, dass es das Ensemble des HOT sein möge, das dereinst im neuen Theater spielt. Feldmeier aber dachte dabei: „Ich glaube erst dran, wenn der Lappen hochgeht.“ Im September 2006 hob sich der „Lappen“ tatsächlich für „Katte“, die Uraufführung, inszeniert vom Eröffnungsintendanten Uwe Eric Laufenberg. Am Freitagabend, ganz zum Schluss der Feier zum zehnten Jahrestag des neuen Hauses in der Schiffbauergasse, bekannte Rita Feldmeier, dass es für sie „nicht selbstverständlich“ sei, „dass wir hier stehen und feiern dürfen“.

Das 60 Jahre währende Ringen um einen Ersatz für die zum Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörte „Kanaloper“ war ein immer wiederkehrendes Thema. „Es ist ein Haus, das sich die Potsdamer und ihre Theaterkünstler lange gewünscht haben“, sagte Intendant Tobias Wellemeyer: „Für dieses Haus haben die Theaterkollegen gekämpft, gestritten, sind auf die Straße gegangen.“

110 Premieren gab es seit der Eröffnung im neuen Haus, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) in seiner Gratulation. Er bezeichnete die von Pritzker-Preisträger Gottfried Böhm (1948-2012) entworfene Bühne mit dem Dachmotiv einer „sich öffnenden Blüte“ als „eines der ungewöhnlichsten Theater in Deutschland“. Dem Ensemble dankte er „herzlich“ für sein Engagement. Mit Bezug auf das Spielzeitmotto „Anders als du denkst“ sagte Jakobs, er sei „sicher“, das Theater werde „auch in den nächsten Jahren der Ort sein, an dem wir überrascht, mitgenommen werden in neue, unbekannte, zuweilen auch entgegengesetzte Welten“.

Wie komplex die Wahrnehmung von Bühnenkunst sein kann, demonstrierten 24 Ensemblemitglieder – Franziska Melzer als 25. fehlte wegen Krankheit – mit einer langen Reihe von Zitaten aus Kritiken und Gästebucheintragungen, manche vernichtend, andere anhimmelnd, oftmals beides auf das selbe Stück gemünzt.

Eine Filmdokumentation zeigte den Architekten Böhm mit Entwürfen für den Neubau und viele Wegbereiter: Guido Huonder (1942-2013), den Nachwendeintendanten, der mit einem ganzen Theaterkomplex in die Schiffbauergasse wollte, Kulturminister Hinrich Enderlein (FDP), der von der Eröffnung eines Neubaus in der Schiffbauergasse noch vor der 1993 anstehenden 1000-Jahrfeier Potsdams sprach, Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der zur Grundsteinlegung 2003 vom Miteinander von Hochkultur und freier Szene als Modell für die Kulturhauptstadt Europas 2010 sprach, um die sich Potsdam damals bewarb, die Schauspielerin Angelica Domröse, die vor der Eröffnung des neuen Hauses trocken sagte: „So ein Ding verpflichtet.“

Die Schauspielerin Meike Finck schließlich war in einem zweiten Video die Reporterin, die all die Menschen hinter den Kulissen fragte, was es ohne sie nicht geben würde am HOT, und Gäste wie den Regisseur Andreas Rehschuh und Harald Thor, warum sie immer wieder nach Potsdam kommen. Thor, der ausgezeichnete Bühnenbildner, sagte: „Ich gehe vergnügter als ich kam – das ist für mich das HOT.“

Von Volker Oelschläger

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