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So funktioniert die Nuthestraßen-Baustelle

Eine Baustelle im Porträt So funktioniert die Nuthestraßen-Baustelle

Dauerstaus, schimpfende Autofahrer und jede Menge laute Maschinen – auf Potsdams Dauerbaustelle der Nuthestraße ist viel los. Wir haben dem Bauleiter gesprochen – Sebastian Kutz ist erst 27, aber schon Chef auf der Baustelle. Und wir stellen die Baustellen-Maschinen vor.

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Arbeiter steuern den sogenannten Asphalt-Fertiger über die Piste.

Quelle: Fotos: Christel Köster

Potsdam. Baustellen sind vielen Menschen zwar vertraut, aber dennoch ein Rätsel. Wer im Berufsverkehr im Stau steht und Teerdämpfe einatmet, fragt sich mitunter: Warum dauert das so lange? Könnten die nicht schon längst fertig sein? Die Nuthestraßen-Baustelle ist die prominenteste in der Stadt. Sebastian Kutz, 27 Jahre alt und aus Berlin-Friedrichshain, ist Bauleiter bei der Firma Rask aus Hoppegarten. Er erklärt einige der Mysterien.

Baustellen-Leiter Sebastian Kutz

Baustellen-Leiter Sebastian Kutz.

Quelle: MAZ

MAZ: Was ist Ihr Lieblingsgerät auf der Baustelle?

Sebastian Kutz: Das ist eindeutig der Asphalt-Fertiger, weil er für das Kerngeschäft, nämlich den Straßenbau an sich, zuständig ist. Er schafft 1000 bis 1500 Meter am Tag – abhängig von der Einbaubreite und Einbaustärke. Am Tagesende kann ich also sehen, wie viel wir geleistet haben.

Was ist das teuerste Gerät?

Kutz : Der Asphalt-Beschicker. Ich glaube, dessen Wert liegt bei 400.000 Euro.

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Auf der Nuthestraße wird gerade kräftig gebaut. Dabei kommen auch viele unterschiedliche Geräte zum Einsatz. Wir stellen sie in der Bildergalerie vor.

Zur Bildergalerie

Ist Diebstahl ein Problem?

Kutz: Diebstahlgefährdetes Kleinmaterial wird über Nacht weggeschlossen und die Fahrzeuge sind schon vom Hersteller aus sehr effizient gegen Diebstahl gesichert. Dieselklau ist viel eher das Problem – vor allem auf unseren ländlichen Baustellen.

Der alte Belag der Nuthestraße

Etwa 30 Prozent des abgetragenen Materials der alten Nuthestraße werden zur Asphaltmischanlage gebracht. Der Baustoff wird wieder zu Mischgut verarbeitet. Der Rest wird für andere Bauvorhaben verwendet.

Das abgetragene Material beinhaltet keine Schadstoffe und stellt demnach keinen Sondermüll dar.

Archäologische Funde wurden während der Bauarbeiten, die bis auf den Sand hinab reichten, nicht gemacht.

Wie sieht ein typischer Tag auf der Nuthestraßen-Baustelle aus?

Kutz : Normalerweise arbeiten wir unter der Woche von 7 bis 16.30 Uhr, selbstverständlich abhängig vom Tages-Soll. Es kann durchaus schon einmal länger gehen. Wochenendarbeiten sind nicht ausgeschlossen. Wurde das Wochen-Soll nicht geschafft, müssen die Jungs am Samstag ran. Für die Koordination gibt es eine Art Hierarchie. Ich als Bauleitung habe einen so genannten „Polier“ an meiner Seite. Er ist das wichtigste Bindeglied zwischen Bauleiter und Arbeitskräften und koordiniert den Einsatz von Großgerät und Arbeitern. Die verschiedenen „Kolonnen“, etwa die Asphalt-Kolonne, haben separate Ansprechpartner. Fest auf der Baustelle sind 10 bis 15 Mann, dazu kommen die Lieferanten und Nachunternehmer.

Warum gibt es keine Nachtarbeiten – würde das nicht viel schneller gehen?

Kutz : Die Frage ist berechtigt, nur müssen bei Nachtschichten auch gewisse gesetzliche Regelungen eingehalten werden. So müsste geprüft werden, ob man nicht gegen Lärmschutzauflagen verstößt. Wir sind bei Nachtschichten von unseren Lieferanten abhängig, die eine nächtliche Lieferung – aus genehmigungsrechtlichen Gründen – derzeit nicht gewährleisten können.

Wenn man zu früher Stunde an Ihrer Baustelle vorbeifährt, sieht man ein Dutzend Sattelschlepper in Reih‘ und Glied stehen. Wozu die Polonaise?

Kutz: Das sind Transportfahrzeuge, die Asphalt von den Mischanlagen in Teltow und Berlin-Spandau herbringen.

Gibt es ein Gerät, das empfindlich ist oder oft kaputt geht?

Kutz: Vor allem der Asphalt-Beschicker ist wegen seines Förderbands etwas anfällig. Die vielen Tonnen, die Körnung – da ist der Verschleiß leider relativ hoch. Wir können einen mobilen Werkstattwagen rufen, so dass unsere Fahrzeuge direkt vor Ort repariert werden können. Neulich mussten wir eine Maschine über Nacht instand setzen, um die Arbeiten am nächsten Tag nicht zu gefährden.

Welches Wetter ist für solch eine Baustelle am besten geeignet?

Kutz: Es muss wie beim Fußball sein: trocken und weder zu warm, noch zu kalt. Regen ist sehr schädlich, vor allem beim Asphaltieren. Bei Erdarbeiten weicht zu viel Niederschlag den Untergrund auf. Bei Platzregen müssen die laufenden Arbeiten eingestellt werden.

Der neue Belag

15 Jahre soll die neue Nuthestraße halten. Bis Ende September sollen die Bauarbeiten noch andauern. Die Kosten für den Bauabschnitt zwischen Güterfelder Eck und Wetzlarer Straße betragen etwa 4,7 Millionen Euro.

Für die Sanierung der Schnellstraße werden insgesamt 70 000 Tonnen Asphalt benötigt. Die Schicht muss im Durchschnitt 46 Zentimeter dick sein.

Grobporiger Asphalt soll den Lärm dämpfen – die Nuthestraße ist
in dieser Hinsicht ein Pilotprojekt. Der Nachteil bei solchen Fahrbahndecken: Sie gehen etwas schneller kaputt als ganz glatte Pisten, denn die Witterung hat beim Flüsterasphalt mehr Angriffsfläche.

24 Stunden lang muss Asphalt auskühlen, bevor er befahren werden darf – etwa zu Markierungsarbeiten.

Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit wird unverändert bleiben. Sie liegt je nach Abschnitt bei Tempo 80 und 100.

Hatten Sie in Ihrem Projekt bisher schon einen besonderen Glücksmoment?

Kutz: Glücksmomente gibt es in meinem Job nicht! (lacht – die Red.) Nein, Spaß! Also: Mein persönliches Glück ist, dass wir die Terminkette bis jetzt halten konnten.

Werden Sie beleidigt, beschimpft oder vielleicht gelobt?

Kutz: Da haben wir eher schlechte Erfahrungen gemacht. Ich vermute, der Bürger versteht oft nicht, dass eine bereits dagewesene - und augenscheinlich intakte - Straße saniert wird. Er sieht die Notwendigkeit nicht. Vor allem die Mitarbeiter am Beginn der Baustelle, wo sich der Verkehr erfahrungsgemäß am meisten staut, bekommen das zu spüren: Mit Worten wie „Ihr Idioten!“ oder „Was könnt ihr überhaupt?“ Solche Äußerungen müssen aber an einem abprallen.

Erleiden im Sommer viele Bauarbeiter Hitzeschläge?

Kutz: Nein, das ist mir nicht bekannt. Wenn wir wirklich mal extrem heiße Tage haben, versorgen wir unsere Mitarbeiter mit ausreichend Wasser. Außerdem versuchen wir, die älteren Arbeiter mit schweren körperlichen Tätigkeiten zu verschonen. „Hitzefrei“ wie in der Schule gibt es bei uns leider nicht. Das wäre nur bedingt umsetzbar. Wie soll ich der Asphalt-Kolonne, die noch ein paar Tonnen zu verarbeiten hat, erklären, dass der Rest der Baustelle früher Feierabend macht? Das wäre nicht gerecht. Entweder alle oder keiner.

Gibt es typische Krankheitsbilder eines Baustellenarbeiters?

Kutz: Rückenbeschwerden und Gehörleiden – aber es gibt ja arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, die etwa alle zwei Jahre anstehen.

Gab es schon einmal einen schweren Unfall auf Ihrer Baustelle?

Kutz: Glücklicherweise nicht.

Wie kommt man in so jungen Jahren zu so viel Verantwortung? Schlafen Sie nachts gut?

Kutz: Sicher bin ich noch sehr jung, doch hat mich niemand in diese Position gedrängt, noch wurde mir etwas „geschenkt“. Meine Vorgesetzten haben mich Stück für Stück an diese Position herangeführt. Durch mein berufsbegleitendes Masterstudium und meinen Ehrgeiz bin ich in diese Position gekommen. Bisher konnte ich immer gut schlafen! Man denkt am Abend aber schon häufig darüber nach, ob man tatsächlich alles für den nächsten Tag geplant, organisiert und berücksichtigt hat.

Von Maria Reckließ

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