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Potsdam So könnte das Potsdam der Zukunft aussehen
Lokales Potsdam So könnte das Potsdam der Zukunft aussehen
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00:18 17.03.2017
Dem Potsdam-Plan hat Pakertharan Jeyabalan auch neue Stadtviertel hinzugefügt. Deutlich zu sehen ist, wie grün die Landeshauptstadt ist Quelle: Repro: Peter Jaworskyj
Potsdam

Ist das jetzt meine Uni?! Sein erster Besuch in Potsdam, der Blick auf das Fachhochschulgebäude in der historischen Innenstadt waren ein Schock für Pakertharan Jeyabalan. „Ich wusste damals nicht, was der Alte Markt ist“, sagt der gebürtige Karlsruher, dessen Eltern aus Sri Lanka stammen. Er sei dann sehr erleichtert gewesen, dass er nicht am FH-Standort am Alten Markt, sondern in der Kiepenheuerallee studierte.

Sechs Jahre ist das her. Inzwischen hat der 26-Jährige sein Studium, Fachrichtung Architektur und Städtebau, abgeschlossen und einen anderen Blick auf Potsdam. Einen so scharfen, dass er die Landeshauptstadt in Vogelperspektive aufs Papier gebracht hat. Mit Bleistift hat er Haus- und Baukonturen vorgezeichnet. „Drei Fineliner und zwei Grünstifte habe ich verschlissen“, erzählt der junge Architekt, der seinem Hobby Städtzeichnen meist abends vor dem Fernseher nachgeht. Auf dem Sofa sitzend, Serien guckend, ein Holzbrett auf dem Schoß, entwirft Jeybalan seinen Visionen des öffentlichen Raums.

Pakertharan Jeyabalan mit der Originalkarte. Quelle: Detlev Scheerbarth

„Bislang hatte ich nur Fantasiestädte gezeichnet. Potsdam war meine erste reale Stadt“, erklärt der 26-Jährige. Schon in der Schule unter der Bank habe er heimlich gezeichnet, auf unauffälligen A 5-Blättern, die er später zu großen City-Gemälden zusammensetzte. „Das hat mich 0,3 vom Abischnitt gekostet“, sagt er und lacht. Sein Erstling – 2 x 1,35 Meter groß – hängt noch heute als Erinnerung in seiner Schule. Denn natürlich blieb den Lehrern das heimliche Talent nicht verborgen. Auch seinen Freunden nicht, die auf Facebook schon das ein oder andere Werk bewundern konnten. Pakertharan, genannt Pake, Jeyabalan spielt Handball bei Motor Babelsberg. Ein Teamkollege fragte ihn, ober für seine Heilpraktikerpraxis nicht einmal ein großes Bild von Potsdam zeichnen wolle. „Erst war ich nicht so begeistert, weil ich ja noch nie eine echte Stadt gezeichnet hatte, aber dann habe ich losgelegt und es hat großen Spaß gemacht“, sagt Jeyabalan und zeigt auf der Skizze sein Wohnhaus in der Zeppelinstraße.

An der Nikolaikirche erstrahlt ein neues Wohnkarree, der „alternative Staudenhof“. Quelle: Repro: Peter Jaworskyj

Was macht eine Stadt lebenswert?

„Potsdam in einer nicht ganz so weit entfernten Zukunft“, nennt er seinen Plan. Geholfen haben ihm Google Maps und Google Earth. „Damit habe ich das Straßennetz skizziert“, erklärt er. Danach hat er Haus für Haus, Baum für Baum, gezeichnet.

>> Die Zeichnung in größerer Ansicht

Herausgekommen ist nicht nur ein künstlerisch faszinierendes Werk, sondern auch ein politisches Statement. Denn Jeyabalan hat nicht nur gezeichnet, was bei Google Realität ist, sondern wie er sich Potsdam vorstellt: da fließt der Stadtkanal, dort gibt es einen alternativen Staudenhof, der ganz wunderbar mit der Nikolaikirche harmoniert und die Garnisonkirche steht, als wäre sie nie gesprengt worden, komplett, nicht nur mit wiederaufgebautem Turm. Das Rechenzentrum – verschwunden. „Die Ecke an der Breiten Straße ist momentan wirklich nicht schön“, findet er.

Gerade für seine Zeichnung mit der Garnisonkirche bekam Jeyabalan online viele Kommentare – nicht nur positive. „Das war zum Teil so massiv, dass der Administrator einschreiten musste“, sagt der Potsdamer, der in einem Berliner Architekturbüro arbeitet und sich während seines Studiums viel mit Städtebaugeschichte beschäftigt hat. Die erhitzten, politisch aufgeladenen Debatten in Potsdam könne er nicht nachvollziehen. Ihm gehe es um Ästhetik, darum, eine Stadt lebenswert zu machen. „Dieser Turm an genau dieser Stelle – das ist Potsdam“, sagt er über die Garnisonkirche. Dass es den Tag von Potsdam gab, Hitler sich an genau dieser Stelle vor Hindenburg verneigte – weiß er alles. Aber dafür, findet er, könne doch das Gebäude nichts.

Garnisonkirche und langer Stall statt Rechenzentrum – Jeyabalans Vision von der Breiten Straße. Quelle: Repro: Peter Jaworskyj

Alter Markt sollte wiederbelebt werden

„Potsdam ist eine sehr schöne Stadt, die von ihren Sichtbeziehungen lebt“, sagt er. Dass sich der Alte Markt, der Schock-Ort seiner ersten Begegnung mit Potsdam, langsam entwickelt und durch das Museum Barberini belebt wird, findet er sehr positiv. Aber es müsste noch mehr passieren. Leute, die draußen sitzen wie auf einer italienischen Piazza, sich wie selbstverständlich dort treffen. So wie er es aus seiner Heimatstadt Ettlingen in Baden-Württemberg – mit 39.000 Einwohnern deutlich kleiner als Potsdam – kenne. „Da trifft man sich auf dem Marktplatz, sitzt auf Bänken zusammen.“

Aber nicht nur die Mitte hat er während seiner mehrwöchigen Zeichenarbeit in den Blick genommen. Auch zu den entlegeneren Stadtteilen hat er eine Meinung. Das Kirchsteigfeld etwa – nach der Wende aus einem Architektenwettbewerb entstanden – ist in seinen Augen eine Fehlplanung. „Da wurde versucht, auf einen Rutsch eine neue Stadt aus dem Boden zu stampfen. So etwas muss sich aber entwickeln.“

Auch für das Potsdamer Verkehrsproblem hat er einen Lösungsvorschlag. „Man muss eine andere Havelquerung finden“, sagt er. Der Bau eines dritten Havelübergangs wird bislang aber abgelehnt. „In Potsdam wäre viel möglich“, sagt Pakertharan Jeyabalan und schaut auf seine Zeichnung. „Man braucht nur den Willen dazu.“

Die Heilig-Geist-Residenz an der Havel gegenüber der Freundschaftsinsel. Quelle: Repro: Peter Jaworskyj

Von Marion Kaufmann

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