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Potsdam „So krass miteinander klarkommen“
Lokales Potsdam „So krass miteinander klarkommen“
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15:55 03.09.2017
Nonnen des buddhistischen Klosters in Päwesin ließen auf der Bühne ein Mantra erklingen. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Innenstadt

Die muslimische Al-Farouk-Gemeinde wird ihren neuen Gebetsraum in einer Industriehalle in der Joliot-Curie-Straße im Dezember beziehen. Die Sanierungsarbeiten an dem ehemaligen Heizhaus der Energie- und Wasser Potsdam (EWP) beginnen im Oktober, wie Musa Jakut vom Gemeindevorstand am Rande der „Nacht der Freiheit“ am Sonnabend auf dem Bassinplatz sagte. „Wir freuen uns, dass wir in so einer toleranten Stadt wohnen und in so einer Zeit frei unsere Religion leben können“, betonte Jakut, der aus der Türkei stammt und seit 23 Jahren in der Landeshauptstadt lebt. Allerdings gelte es, wachsam zu sein: „In Potsdam müssen wir das schützen, was wir haben – damit nicht radikale Gruppierungen Fuß fassen.“

Junge Muslime beim Fest auf dem Bassinplatz. Quelle: Bernd Gartenschläger

Bei dem Fest präsentierten sich Gläubige mehrerer Religionen mit traditionellen Ritualen, Musik und Ständen. Eingeladen hatte der evangelische Stadtkirchenpfarrer Simon Kuntze in Zusammenarbeit mit anderen Religionsgemeinschaften und der städtischen Jahreskampagne „Stadt trifft Kirche“.

Flüchtlingspfarrer Bernhard Fricke (r.) am Info-Stand zusammen mit Geflüchteten. Quelle: Bernd Gartenschläger

Die Palette war breit: Flüchtlingspfarrer Bernhard Fricke erläuterte die Probleme der von ihm Betreuten: „Ganz viele leiden unter Einsamkeit und unter der Trennung von ihren Familien.“ Die Nonnen des buddhistischen Klosters in Päwesin erzählten über ihren Alltag mit Meditation und Arbeiten in der klostereigenen Bibliothek oder im Garten. „Ich habe einfach die Wahrheit der Lehre gespürt“, sagte Nonne Losang Phagma über ihre Entscheidung, die rote Robe anzulegen. Früher war die Deutsche im Naturschutz tätig gewesen, ehe sie 2003 in der Lehre Verlässlichkeit fand.

Jazz-Gottesdienst zum Auftakt der „Nacht der Freiheit“. Quelle: Bernd Gartenschläger

Auch die katholische Gemeinde St. Peter und Paul, die Krankenhausseelsorge und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit waren vor Ort. Zum Auftakt hatte Pfarrerin Cornelia Radeke-Engst von der Nagelkreuzgemeinde bei einem Jazz-Gottesdienst Worte der Andacht gesprochen. Kernthema des Abends: Toleranz und Religionsfreiheit. Dieter Jetschmanegg, Fachbereichsleiter Kommunikation im Rathaus, schlug den Bogen vom Potsdamer Toleranzedikt von 1685 zum „neuen“ Toleranzedikt von 2008, das aus der Bürgerschaft heraus entstanden sei.

Einladung zum Bibelmarathon

Zur „Nacht der Freiheit“ gehörten auch Texte aus dem Koran. Zum Ende des Schabbat erklang Chor-Musik der Jüdischen Gemeinde Potsdam.

Der Potsdamer Bibelmarathon im Zeichen des Reformationsjubiläums läuft seit gestern, 18 Uhr, in der Französischen Kirche am Bassinplatz. Christen aus vielen Potsdamer Gemeinden lesen die ganze Bibel und laden zum Mitlesen und Zuhören ein. Der Marathon läuft bis zum Freitag um 8 Uhr non-stop, unter anderem liest heute um 10 Uhr die städtische Marketingchefin Sigrid Sommer.

Superintendent Joachim Zehner erinnerte daran, dass 80 Prozent der Menschen weltweit in Ländern leben, die keine Religionsfreiheit kennen: „Es ist ein Geschenk, dass wir in der Freiheit als unterschiedliche Religionsgemeinschaften zusammenkommen können.“

Besucher des Gottesdienstes auf dem Bassinplatz. Quelle: Bernd Gartenschläger

Einer, der ihm aus vollem Herzen zustimmte, war der 14-jährige Hosein. Dessen Geschichte bewegt zutiefst. Als Zwölfjährigem gelang ihm mit seinem zwei Jahre älteren Bruder die abenteuerliche Flucht aus dem Iran. Weil ihre Familie der Glaubensgemeinschaft der Baha’i nahestand, waren sie in das Visier der Staatsmacht geraten.

Hosein (14) musste aus dem Iran fliehen, weil er ein Anhänger der Baha’i-Lehre ist. Quelle: Bernd Gartenschläger

Auch in ihrer ursprünglichen Heimat Afghanistan hatten sie Verfolgung erdulden müssen. Einen Onkel hatte man ermordet und seinen Kopf als Zeichen der Warnung an die Familie geschickt. Hosein lebt jetzt in einer mecklenburgischen Kleinstadt, er besucht die 9. Klasse und bekommt ein Stipendium. Oft kommt er zu den Treffen der Baha’i in Potsdam. Den Lehren von Religionsstifter Baha’ullah folgen weltweit acht Millionen Anhänger. Einer der Grundsätze: Religion darf nicht der Vernunft und der Wissenschaft widersprechen. Am Sonnabend beobachtete Hosein mit leuchtenden Augen das Treiben auf dem Bassinplatz. Er wirkte sichtlich ergriffen:„Dass man so bunte Leute sieht und sie so krass miteinander klarkommen, ist toll.“

Abendstimmung über den Häusern am Bassinplatz. Quelle: Bernd Gartenschläger

Von Ildiko Röd

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