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Potsdam So schmeckt es im „Dreimäderlhaus“
Lokales Potsdam So schmeckt es im „Dreimäderlhaus“
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13:16 05.07.2018
„Dreimäderlhaus“-Gastwirt Frank Fuchs serviert ein klassisches Eisbein mit Sauerkraut und Stampfkartoffel Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Es kann nur einen geben. Einen, der sich den Ruf als Unikum mit „Berliner Schnauze“ bei seinen Gästen erarbeitet hat. Und ihn verteidigt. Einen, der uns mit „Tach, Familie Lehmann“ begrüßt, gleich beim „Du“ ist und in jeder Situation einen flotten Spruch raushaut. Das muss wissen, wer in der Institution Dreimäderlhaus einkehrt und das muss man mögen. Und noch etwas, ohne Reservierung läuft kaum etwas. Auch wenn nicht jeder Tisch besetzt ist, wird schon mal das Schild „geschlossene Gesellschaft“ rausgehängt. Eigentlich ist das ein Zugeständnis an die Gäste. Im benachbarten Berlin geht der Trend zu Zeitfenstern, zwei Stunden, mehr nicht, dann ab an die Bar oder nach Hause.

„Dreimäderlhaus“-Gastwirt Frank Fuchs serviert ein klassisches Eisbein mit Sauerkraut und Stampfkartoffel Quelle: Bernd Gartenschläger

Im Dreimäderlhaus, gepflegte Gastlichkeit seit 1884, ticken die Uhren anders, scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Ein bisschen antiquiert das Ambiente, Fliesenboden, Spiegel mit Goldrand, eine alte Pendeluhr, Blümchen auf den Tischen, ein Klavier an der Wand, im Hinterzimmer eine kleine Bar, Musik aus dem Radio als einziges etwas enervierend, eine Empore mit Holzboden und zwei Tischchen, einer reserviert für die Lehmänner. „Dit wusste ick, dass du die Klopse nimmst“, wird die Bestellung meiner Begleitung kommentiert, derweil mir ein „und was willst du, Mutti?“ entgegengebracht wird.

Qualität, richtig günstig

Ganz einfach ist die Entscheidung nicht, wenn man auf die hier gebotene gutbürgerliche und bodenständige Berliner und deutsche Küche steht. Vis-à-vis in der kleinen Gaststube dampfen zwei üppige zartrosafarbene Eisbeine mit Sauerkraut „nach Omas Rezept“.

Die Karte lockt mit Bratwurst oder Blutwurst, jeweils mit Sauerkraut und Stampfkartoffeln, gebratener Schweineleber mit Apfelringen, geschmorten Zwiebeln und Stampfkartoffeln, wie sie sich schon der Hauptmann von Köpenick hat servieren lassen, Forelle „Müllerin“ mit Petersilienkartoffeln, Rinderrouladen mit Thüringer Klößen, Kräuterquark mit Salzkartoffeln, wahlweise mit Spreewälder Leinöl oder cholesterinfreiem Rapsöl (mit Buttergeschmack!) und international mit Spaghetti aglio e olio und Hühnercurry.

Rigatoni mit Fleischspitzen vom Schwein,frischen Champignons und Brokkoli in Gorgonzolasahnesoße. Quelle: Bernd Gartenschläger

Die Preise für die Hauptgerichte liegen zwischen 7,90 und 14,90 Euro. Richtig günstig also, solange die Qualität auch stimmt, was sie tut.

Dessert gibt es um die Ecke

Ich bin kein Fan von Fisch(ein)töpfen, – geschwommen sind die schuppigen Wesen lange genug, warum sie an Land wieder dem Wasser aussetzen? –, halte sie aber zum Lunch für eine gute Wahl. Bei den Vorspeisen ist die Auswahl übersichtlich. Süppchen oder Salat? Die kleine Salatschüssel, Gurke, Blattsalat, Paprikastreifen, Eisbergsalat, Tomate, mit einer anständigen Vinaigrette eignet sich gut vor dem Fisch.

Mein Begleiter kann sich vorstellen, dass seine kräftige Hühnersuppe mit Fadennudeln die nächste Erkältung bestens kurieren würde. Allerdings muss er einen Dämpfer auf der Weinseite einstecken. Flaschenweine gibt es nicht, nur sieben, acht einfache Offene. „Dann würdet ihr ja noch länger bleiben“, witzelt der Wirt. Also ein Glas gut gekühlter Pino Grigio zu den Königsberger Klopsen. Die sind amtlich, wie von der ostpreußischen Oma, die Sauce cremig und mit genau der richtigen Säure. Dazu kommt eine ordentliche Portion nicht zu dünnes und nicht zu festes Kartoffelpüree mit kleinen Kartoffelstückchen.

Bratwurst "ThüringerArt" mit Sauerkraut und Stampfkartoffel. Quelle: Bernd Gartenschläger

Der Fischeintopf übertrifft die Erwartungen. Im Topf gesottener Barsch, Lachs und Kabeljau planschen in einer weißen Brühe zwischen Möhren, Paprika, Lauch und Tomate – der Fisch zart, das Gemüse leicht knackig, der Sud zum Weglöffeln gut. Der Dreimäderlhaus-Fischtopf-Stil bringt den Glauben an Fischsuppen zurück.

Dass der Wirt, vor seinem nächsten Schlagabtausch mit uns, auch anders kann, beweist er an einem der Fenstertische, wo sich fünf Franzosen niedergelassen haben. Weil von denen nur einer deutsch spricht, wird der nicht mit keckem Slang behelligt, sondern nur mit Herz ohne Schnauze bespielt.

Wie könnte ein fulminantes Finale im Dreimäderlhaus ablaufen? Indem es von der Frage nach Nachtisch eingeläutet wird. „Dit soll’n wir och noch haben?“ heißt es da. Gutes Eis gäbe es um die Ecke und überhaupt seien süße Adressen in der Nähe zuhauf zu finden. Ein Wirt, der auch an die Mitstreiter denkt, das ist doch mal was.

Volkstheaterrestaurant könnte man das Dreimäderlhaus auch nennen. Eine Ein-Mann-Show mit den Gästen als Statisten und das ohne Eintritt. Es funktioniert, weil die Regie das Wesentliche nicht vergisst, gutes Essen.

Das Fazit der Genussexpertin

Essen: 4

Trinken: 3

Service: 4

Ambiente: 3,5

Preis-Leistungs-Verhältnis: 4,5

Gastro-Steckbrief

Dreimäderlhaus

Hermann-Elflein-Straße 12, 14467 Potsdam, Telefon 0331/270 95 70

Plätze:

22

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Samstag 12 bis 20 Uhr,

Sonntag 12 bis 15 Uhr

Preise:

Vorspeisen 3,50 bis 4,90 Euro,

Hauptspeisen 7,90 bis 14,90 Euro,

Softdrinks 0,2 l/2,10 bis 2,30 Euro,

Bier 0,33 l 2,70 Euro, 0,5 l 3,90 Euro,

Wein 0,2 /3,90 Euro

Von Manuela Blisse

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