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Potsdam So schmeckt es im „Lewy Wein-Bistro“
Lokales Potsdam So schmeckt es im „Lewy Wein-Bistro“
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13:07 05.07.2018
Lesya Richter leitet das Wein-Bistro Lewy in der Dortustraße.   Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

 Wie begegnen sich ein Huhn französischer Art und ein deutsches Weinaushängeschild adäquat auf dem Teller? Als Coq au Riesling, eine, so viel vorweg, sehr gelungene Symbiose. Es ist rappelvoll an diesem Abend mitten in der Woche. Eigentlich kein Wunder bei gerade einmal 30 Plätzen, jedoch hat eine muntere Gruppe die Hälfte des kleinen, schmuck mit Holzvertäfelungen und Fliesenboden gestalteten Wein-Bistros für sich reserviert. Dennoch sorgt Betreiberin Lesya Richter dafür, dass es einen freien Tisch gibt. „Bitte in einer halben Stunde wiederkommen“, sagt sie und ist fast besorgt, als wir erst 40 Minuten später zurückkehren. Direkt am Eingang der versprochene Tisch. Dicht gedrängt zum Nachbarn, das aber sorgt für die besondere Atmosphäre im Lewy.

Schon das Gebäude macht sich gut auf Handy-Schnappschüssen. 1739 wurde es in Zeiten der zweiten barocken Stadterweiterung errichtet. Der Name „Lewy“ ist eine Reminiszenz an einen der früheren Besitzer, eine jüdische Familie. Ein weiteres Fotomotiv, der Koch und seine Küche: Ein groß gewachsener Kerl, der in einer Art Miniaturenkabinett hinter dem alten, als Tresen fungierenden Küchenbüffet den Kochlöffel schwingt. Sein Refugium ist die wahrscheinlich kleinste (Profi)Küche in Potsdam. Mit Chefin sind es drei Leute im Service, ein charmantes und agiles Trüppchen, zuweilen trägt auch der Koch noch Teller hinaus.

Bestes kaltes Abendbrot

Küche und Keller werden dem Begriff Bistro gerecht. Ein kleines, einfach, aber mit Charme eingerichtetes Lokal für Wein und andere Getränke – hier unter anderem Gerstensaft der Braumanufaktur Forsthaus Templin – sowie einem feinen Speisenangebot. Neben den Weinbegleitern, von Oliven mit Landbrot (6,90 Euro) über Schinkenspeck und Schüttelbrot (7,90 Euro), eine Südtiroler Spezialität, die das Faible für gute Produkte zeigt, bis zur Schinken-Salami-Käse-Platte (12,90 Euro). Auch hier der Südtiroler Speck, zudem drei Salami-Sorten, ein Gaumenschmeichler die Fenchelsalami, Oliven, italienischer Rohmilchkäse und Landbrot. Das ist bestes kaltes Abendbrot, von dem man sich fürs eigene Wohnzimmer inspirieren lassen könnte. Dazu wird ein Sauvignon Blanc von der Kellerei Kurtatsch in Südtirol von den besonderen „Angebotsweinen“ empfohlen, eine kleine Auswahl an Roten, Weißen und einem Rosé, die es sowohl als Flasche (19–26 Euro) wie auch offen 0,1, 0,2 oder 0,5 Liter (3,40–17,90 Euro) gibt. Die Tropfen aus Deutschland, Frankreich und Italien, darunter bekannte Namen wie Markus Schneider aus der Pfalz, sind kurz und gut beschrieben, selbstredend fehlt der Jahrgang nicht. Der weinverliebten Begleitung sticht bei den „normalen“ offenen Weinen, rund eineinhalb Dutzend, bei denen auf den 0,1-Liter-Ausschank verzichtet wird, ein 2016er-Pinot Blanc AC von der Domaine Meyer-Fonné im Elsass ins Auge, der großzügig eingeschenkt wird.

Stammgast Bernd Ritsche (70) aus Potsdam genießt einen Weißwein. Quelle: Bernd Gartenschläger

In der Miniküche werden nicht nur die kalten Weinbegleitungen hübsch angerichtet, es wird auch frisch gekocht. Nudeln (9,80–15,60 Euro) etwa, von Spaghetti Carbonara bis zu frischer Pasta mit Trüffel-Ricotta-Füllung, Salbeibutter und Trentiner Bergkäse. Den kann man sich auch über die „Kinderspaghetti“ mit hausgemachter Tomatensauce (6 Euro) streuen lassen, Geschmacksbildung für Nachwuchs-Gourmets.

Saumagen aus der Pfalz

Das Lewy könnte sich sogar unter schwäbische Speisestuben mischen, es ist für seine Maultaschen bekannt. Die gefüllten Nudelteigtaschen werden beispielsweise mit Saumagenfüllung (13,20 Euro) angeboten – auch Saumagen von Metzger Hambel aus der Pfalz steht öfter auf der Karte. Leider hat ein Teil der Gruppe auch davon gehört und bestellt die letzten Portionen. Das ist schade, aber Mangel weckt Begierde und der nächste Besuch ist beschlossene Sache. Doch die Tageskarte hält noch mehr bereit. Wie den saftigen, aromatischen Hahn mit feiner Rieslingnote und frischen Fettuccine, deren Bissfestigkeit auch nach einigen Sekunden länger im Kochwasser noch gegeben gewesen wäre. Als Fan von Küchenklassikern ist es erfreulich, dass ein Tafelspitz auf der Karte steht. Nicht neu interpretiert, sondern ein traditionell in einer heißen Brühe mit viel knackigem Gemüse serviertes Stück bestes Kalb, bei dem alles stimmte. Das nächste Glas, ein interessanter 2016er-Bio-Grauburgunder von Sven Leiner, passt mit seinen Quitten-Birnen-Noten auch zum Dessertklassiker, einer gut gemachten und den erhofften Krusten-Knack bietenden Crème brûlée. Natürlich gibt es alternativ einen guten Dessertwein, einen 2001 Mauscat de Rivesaltes „Dom Brial“ aus dem Roussillon. Auch der ist mit 3,20 Euro fürs 0,1-Liter-Glaserl gästefreundlich kalkuliert und vertritt Frankreich in Potsdam bestens.

Das Fazit der Genussexpertin

Essen: 4

Trinken: 4

Service: 4

Ambiente: 3,5

Preis-Leistungs-Verhältnis: 4,5

Was uns gut gefiel: Eine kleine heimelige Genuss-Bastion mit einem herzlichen Service. Angenehme Weine, sehr fair kalkuliert.

Was uns weniger gefiel: Dass die Maultaschen aus waren.

> Alle MAZ-Restauranttests unter MAZ-online.de/restauranttest

Gastro-Steckbrief

Lewy Wein-Bistro, Dortustr. 17, 14467 Potsdam, Tel. 0331 2008802, www.lewy-potsdam.de

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 11-23 Uhr (Küchenschluss 22 Uhr), Sonntag 12-20 Uhr

Mittagstisch 12 bis ca. 14 Uhr, 6 bis 7,50 Euro

Plätze innen ca. 30, außen ca. 40; Preiskategorie: moderat

offene Weine 0,1l ab 3,20 Euro, 0,2l ab 4,20 Euro; Vorspeisen 3,50 bis 10 Euro; Hauptgerichte ca. 10 bis 20 Euro; Desserts um 7 Euro; keine EC-, keine Kreditkarten

Von Manuela Blisse

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