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Potsdam So schmeckt es in der Theaterklause
Lokales Potsdam So schmeckt es in der Theaterklause
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09:21 06.07.2018
Kellnerin Annegret Braun serviert Pasta mit Pesto und Tomaten und einen Kürbistopf. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam-West

 „1 Fleischportion“ steht auf der Rechnung. Stimmt. Aber diese Portion Fleisch war viel mehr. Der Beweis, wie bodenständig und gut deutsche Küche sein kann.

Mittags 13 Uhr in der Zimmerstraße. Am schmucken Köhlerplatz sind ein paar Fußgänger und Radler unterwegs, Mütter schieben Kinderwagen. Vor der Theaterklause wirbt ein Aufsteller mit dem Mittagsangebot.

Genussexpertin Manuela Blisse isst und trinkt sich durch die Restaurants in Potsdam und gibt ihre Empfehlung ab. Die Theaterklause in der Zimmerstraße bekommt von ihr 6 von 10 Sternen. MAZ-Fotograf Bernd Gartenschläger hat sich im Restaurant umgesehen.

Fünf Gerichte: Tom Kha Gai-Suppe (3,80 Euro) und vier Hauptgerichte zwischen sechs und sieben Euro, warmer Panzanella-Salat mit Rosenkohl und Pomelo etwa und eben jene Fleischportion – Königsberger Klopse mit Rote Bete-Rohkost und Jasminreis. Als Dauerbrenner im Angebot sind Pasta mit Pesto sowie Quiche.

Die rund 70 Plätze in den drei Gasträumen sind alle belegt

Drinnen herrscht Hochbetrieb. Die rund 70 Plätze in den drei Gasträumen sind alle belegt. Augen auf, taktisches Anstellen, erst ein Platz auf dem Sofa, dann wird im Hinterzimmer ein Tisch frei.

Mäntel und Taschen abgestellt und eingereiht in die kleine Schlange am SB-Tresen. In der einen Vitrine kann man einen Blick auf den Brotsalat und die Quiche werfen, in der anderen locken verschiedene Kuchen: Aprikosentarte, Landapfelkuchen, Möhrentorte, das Stück zwischen 3 und 3,70 Euro, selbstredend hausgebacken. Zudem gibt es noch halbe belegte Brötchen und Baguettes. Letztere für 3,50 Euro, die Preise sind fair.

Service im Selfservice

Man hätte keine zehn Minuten später kommen dürfen. Die Kochklopse seien beinahe aus, informiert der Service und auch auf fast allen Tischen steht mindestens eine dampfende Portion. Besteck, Servietten und Getränke – schön die Gratis-Wasserkaraffen, an denen man sich bedienen kann – nimmt man sich selber.

Beladen mit einem Klops-Teller geht es an den Tisch. Die Quiche mit Salat braucht noch ein paar Minuten Erwärmung im Ofen, wird dann aber von einer Mitarbeiterin an den Tisch gebracht. Service im Selfservice, das ist erfreulich.

Die Theaterklause gibt es an sich schon lange, sie gehörte zum Hans-Otto-Theater. Nun wird sie kulinarisch neu bespielt von Lena Mauer und ihrem Gastro- und Cateringunternehmen, das auch andere kulinarische Stätten wie das Café Midi im „Treffpunkt Freizeit“ und das Café Freundlich im Wissenschaftspark „Albert Einstein“ bekocht

 Auch wenn der Schriftzug des Theaters noch an der Fassade glänzt, ist die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg der Hausherr.

Bio-Produkte und Hausmannskost-Handwerk

Der Theaterklausen-Bistro-Nachfolger inszeniert sich mit schönen schlichten Räumlichkeiten, mit Holzboden, Holztischen mit Kupferrohr-Beinen, teils etwas wacklig, aber eine schöne und einfache Designidee, eine Tulpe als Frühlingsgruß auf dem Tisch, außerdem Fleur de Sel, letzteres sollte Schule machen.

Gastro-Steckbrief

Theaterklause, Zimmerstr. 10–11, 14471 Potsdam, Tel. 0331/64 73 01 74, www.theaterklause-potsdam.de

Plätze: ca. 70 in drei Gasträumen

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 22 Uhr, Lunch 11.30 bis 14.30 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage ab 12 Uhr

Abendkarte: Dienstag bis Samstag ab 17 Uhr, Küchenschluss 21 Uhr

Erster Sonntag im Monat Brunch ab 10 Uhr

Lunch ca. 3,80 bis 7 Euro, Kaffee und Tee 1,60 bis 2,90 Euro

Softdrinks 1,50 bis 2,60 Euro, Biere 2,90 bis 3,20 Euro, Weine 0,2 l ab 4,50 Euro, Flaschen ab 17 Euro

Abendkarte: Gerichte 4,50 bis 20 Euro

Brunch: 17,50 Euro pro Person, bis 13 Jahre 1 Euro pro Lebensjahr

Wir haben die Klause kürzlich bei der Jubiläumsfeier eines Buchverlages kennengelernt. Das mediterrane Büffet hat überzeugt, gute Qualität, die Küche setzt auf Bio-Produkte und versteht ihr Hausmannskost-Handwerk. Gekocht wird auch außerhalb, Menüs für bis zu 50 Personen sowie Büffets und Fingerfood auch für größere Veranstaltungen.

Jasminreis statt Kartoffeln

Die ostpreußische Spezialität wird in einem tiefen Teller angerichtet. Zwei große Klopse, eine gute Menge heller Soße mit einer anständigen Menge Kapern machen einen ersten, guten Eindruck, der sich am Gaumen bestätigt.

Die Klopse leicht pikant – ein schöner Kontrast zur Soße mit fein säuerlicher Note –, nicht zu fest, nicht zu fluffig und die Kapern gehen über den Standard hinaus. Traditionelle Beilage ist gemeinhin die Salzkartoffeln.

Hier wird die Karte der Selbstbestimmung gezogen. Rote Bete kalt statt warm, roh statt gekocht, ein zeitgemäßer Auftritt der Rübe. Reis statt Kartoffeln, genauer gesagt Jasminreis. Eigentlich eine schöne Sorte (zu asiatischen Gerichten), hier ein wenig zu weich, auch durch die Begegnung mit dem Sößchen.

Zugute halten darf man dieser Entscheidung jedoch, dass man dem Wesen der Sättigungsbeilage in leichter Form nachkommt.

Die ordentliche Portion würzige Quiche ist vorgebacken, wird im Ofen erwärmt. Die Kruste glänzt in der Vitrine, wird beim Aufbacken nicht mehr richtig kross, ist aber geschmacklich durchaus in Ordnung.

Kuchen als Dessert erfreut sich großem Zuspruch, deshalb landet auch noch ein Cheesecake mit Blaubeeren auf dem Tisch. Nicht ganz New York-Stil, vielmehr mit Anleihen beim heimischen Käsekuchen, nicht zu süß, cremig, kurzum ein sehr anständiges Finale.

Erst abends wird es auf der Speisekarte kreativ

Die „Abendkarte von Lena“ liegt bereits aus. Und da wird es interessant(er). Während der Lunch im Kantinenstil ordentlich, mit Klops­punkten nach oben ist, mehr aber das Bekannte abdeckt, wird es abends kreativ.

Schwarzwurzelcrème mit Mandarinen-Haselnuss-Pesto, Wolfsbarschröllchen mit Minze und Safran-Gnocchi und, als Zeichen der Regionalität, Kotelett von den Schweinen des Potsdamer Sauenhains. Mit Rosenkohlblättern, Kartoffelstampf und Nussbutter die deutschen Küche hochhaltende und gleichzeitig dem Publikum eine aktuelle Inszenierung bietend.

Diese Vorschusslorbeeren dürften gerechtfertigt sein, die Probe aufs Exempel wird es (hoffentlich) beweisen.

Das Fazit der Genussexpertin

Essen: 3,5

Trinken: 3

Service: - (Selbstbedienung)

Ambiente: 3,5

Preis-Leistungs-Verhältnis 4

Von Manuela Blisse

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