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Potsdam So schmeckt’s im „Kades“
Lokales Potsdam So schmeckt’s im „Kades“
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00:21 30.07.2018
Inhaber Mario Kades im gleichnamigen Restaurant am Pfingstberg. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Ein gutes Auge hatte er, der vierte Friedrich Wilhelm. Das Belvedere ob der wunderbaren Aussicht auf dem Pfingstberg zu errichten, da könnte man dem Preußenkönig bis heute erfreut auf die Schulter klopfen. Den Blick in die Ferne schweifen lassen, dafür gibt es noch einen Ort auf dem 76 Meter hohen Berg, das Kades. „Restaurant mit Garten in grüner Hügellage“ beschreibt Mario Kade sein Ausflugslokal.

Das ist keineswegs übertrieben, vielmehr hätte man mit Erwähnung des Ausblicks noch einen drauf setzen dürfen. Möge der Sommer noch lange anhalten, so dass man auf der großen Terrasse Platz nehmen kann. Schatten spendende Bäume, deren Wipfel sich aneinanderschmiegen, verschiedenfarbig karierte und gestreifte Sitzkissen und teils Läufer auf dem Holztischen mit Metallgestänge sorgen für Gemütlichkeit unter freiem Himmel.

Salat mit Rinderhüftstreifen. Quelle: Friedrich Bungert

Es ist erstaunlich, dass deftiges Essen keine Frage der Temperaturen ist. Auf der sich der Brandenburger und deutschen Küche widmenden Speisekarte steht als „Dauerbrenner“ das Potsdamer Eisbein. Am Nachbartisch wird es denn an diesem schönen Sommerabend gleich vierfach serviert. Man könnte sagen, das asiatische Trüppchen kennt vermutlich nur derlei als Repräsentanten typisch deutscher kulinarischer Genüsse. Aber auch das Gros der anderen Gäste tendiert zu „Ordentlich wat auf’m Teller“. So laufen an diesem Abend auch die im Rohr geschmorte Entenbrust und Fläminger Frischlingskeule gut.

Okay, ich kann als Berlinerin nicht wirklich gut berlinern, dafür aber der fröhliche Servicekerl – von dem könnte man diesbezüglich einiges lernen. Die Asiaten also kämpfen sich tapfer durch das „Knuckle of pork served with secco sauerkraut and potatoes“ – alle Gerichte sind in deutsch und englisch angegeben – und selber schielt man ebenfalls auf Teller-Bodenständigkeit.

Hauptgericht: Matjes mit Hausfrauensauce und Salatbouquet. Quelle: Friedrich Bungert

Auch beim Bier muss man nicht in die große weite Welt schweifen, wenn Rex Pils aus Potsdam und böhmisches Schwarzbier Krusovice ausgeschenkt werden – schön auch die Brände von Kullmann & Sohn aus dem Havelland und das umfangreiche Angebot an offenen Weinen. Die Biere kommen flott, ebenso wie die große Flasche Wasser. Die wird, und da wird man als Gast etwas mürrisch, von einer jungen Kollegin einfach nur auf den Tisch gestellt, ohne sie aufzuschrauben, geschweige denn Wasser einzugießen.

Weil das Kades zu den bekannten Lokalen mit ordentlich Gästezulauf gehört, wird praktisch und effektiv gedacht. So befindet sich das Besteck bereits in einer Papierserviettenhülle. Drei Vorspeisen finden sofort Gefallen: kleine Pellkartoffeln mit Kräuterquark, Matjes-Bohnen-Salat und die leicht gekühlte Spreewälder Gurkensuppe. Die beiden letzteren werden ausgewählt. Feiner Matjes, grüne Bohnen, Paprika, gute Konsistenzen und, wie die anderen Teller auch, ausreichend für zwei. Die Gurke ist Hauptakteur im fein säuerlichen Süppchen.Auch sie ist für den Städtermagen ein bisschen mächtig – vielleicht hätte man statt mit dem Auto per pedes den Berg erklimmen sollen? „Grüne Küche“ (viel hübscher formuliert als „vegetarisch“) gehört ebenfalls zu den angebotenen Bergspeisen, etwa der Kartoffelstampf mit gebratenen Kräuterseitlingen. Für Büffelricotta muss man nicht nach Italien reisen, den gibt es auch in der Prignitz und damit sind die Pastataschen gefüllt. Die zweite Komponente ist Spinat, eine klassische Mischung also, die denn auch der Norm entspricht. Der Nudelteig ist allerdings etwas zäh.

Terrasse des Restaurants Kades am Pfingstberg Quelle: Friedrich Bungert

Eine schöne Idee ist die Boulette „royal“. Beim preußischen Surf & Turf trifft die klassische Boulette auf – leider nur – eine Garnele. Als Beilage wird das sehr schöne, kräftige Seccokraut heraufbeschworen, dazu viel Erdapfel- sprich Kartoffelstampf. Dass die hausgemachte Rote Grütze auf Waldbeeren basiert, was nicht häufig zu finden ist, erfreut und bildet, wie man es erwarten darf, mit ihrer säuerlichen Note den passenden Kontrast zur süßen Vanillesauce.

So wie die Aussicht vom Berg, zaubert die Sicht auf das Dessertglas ein Lächeln ins Gesicht – stand nicht ein solches pokalartiges Gefäß auch in Omas Küchenschrank?

Das Fazit der Genussexpertin

Essen: 4

Trinken: 4

Service: 3,5

Ambiente: 4,5

Preis-Leistungs-Verhältnis: 4,5

Alle getesteten Restaurant auf einen Blick

Von Manuela Blisse

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