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Potsdam So schmeckt’s im „Landleben“
Lokales Potsdam So schmeckt’s im „Landleben“
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00:21 13.08.2018
Kellnerin Christin serviert einen Cheescacke Crunch zum Dessert. Quelle: Fotos: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Landhaus am See, Badestelle mit Biergarten, Restaurant und Ausflugslokal im Naturschutzgebiet, Gastraum mit modern-behaglichem Skihüttenflair, Mini-Herberge – das ist, vereint „unter einem Dach“, eine ganze Menge. Das Landhaus Potsdam liegt an der Nordspitze des für seine gute Wasserqualität bekannten Sacrower Sees. Direkt vor dem großen Biergarten öffnet sich ein Badestrand. Will man dieses Gesamtpaket über Nacht genießen, quartiert man sich in einem der drei Doppelzimmer ein. Es wäre fast ein Sakrileg, dieser Restauration nicht regelmäßig seine Aufmerksamkeit zu schenken, und sei es nur für ein Kaltgetränk auf der Terrasse vor oder nach dem Badespaß. Für die Landpartie einer solchen Unternehmung wird Etikette angeraten: „Betreten nur mit Oberbekleidung und Schuhen“, steht auf einer Tafel vor dem Restaurant, sollte aber auch für den Garten gelten.

Restauranttest „Aufgetischt“

Internationales Speiseangebot

Trotz Dauerhitze hatte dieser Sommer ein paar kühle Tage, Mitte Juli beispielsweise. Ein paar Gäste harren tapfer in den frühen Abendstunden auf der Terrasse aus, der Seeblick ist es allemal wert. Hinein also in die gute Stube und die überrascht den Landleben-Novizen. Urige Ausflugsgastro-Atmosphäre, maritimer Deko-Überschwang, mit vielem könnte man rechnen, aber nicht mit einem Ortswechsel in die Alpen, in eine schicke Gourmetberghütte, in der sich Tradition und Moderne die Hand geben.

Der junge Service ist umtriebig, hier und da eine freundliche Plauderei, was aber im Laufe des Abends zu Längen an anderen Tischen führt. Europäische Küche hat sich das Landhaus auf die kulinarische Fahne geschrieben, neudeutsch für international mit kontinentaler Begrenzung.

Die Reise geht mit Flammkuchen ins Elsass, mit Pasta Bolognese nach Italien – in der Karte ist vermerkt, dass nur mit frischer Pasta gekocht wird –, mit Kalbsschnitzel und lauwarmem Kartoffelsalat nach Österreich, mit Lammchops, Bulgur und Ratatoulle ans Mittelmeer und mit Kalbsleber Berliner Art zurück in die Heimat. Dazu werden solide Weinklassiker etwa von Schneider oder Weil ausgeschenkt. Die Weinliste ist klein, aber sorgfältig zusammengestellt und fair kalkuliert.

Gastro-Steckbrief

Landleben Potsdam, Seepromenade 99, 14476 Groß Glienicke, Telefon 033201/31291, www.landleben-potsdam.de

Plätze: 150 außen und 150 drinnen

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Dienstag 12 bis 22 Uhr, Küchenschluss werktags 20 Uhr

Preise: Vorspeisen 4,40 bis 11,50 Euro, Flammkuchen 8,50 bis 11,50 Euro, Pasta 10,50 bis 21 Euro, Hauptgerichte 16,50 bis 25,50 Euro, Desserts 6 bis 7,50 Euro.

Softdrinks: 0,2 l/2,60 bis 2,80 Euro, Kaffee, und Tee: 2 bis 4 Euro,

Fassbier: 0,2 l/2,40 bis 2,80 Euro, Wein (Glas) 4,50 bis 8,50

Stolz ist man auf das Dry Aged Beef, das gereifte Fleisch aus Deutschland werde einen begeistern, wird versprochen. Dry Aged Beef hat seine Fans und jene, die den Hype hinter sich gelassen haben. Das aber hat noch Zeit, los geht es mit Ziegenkäse im Knusperteig, dazu Birne, Thymianhonig und junger (überflüssiges Adjektiv!) Salat. Aus der Reihenfolge der Komponenten ergibt sich eigentlich der Fokus. Hier aber dominieren die mit einer herzhaften Vinaigrette angemachten Blattsalate die mit dem Honig einen schönen Kontrast ergebenden Knusper-Käse-Teigtaschen.

Mit der Maräne aus dem Sacrower See ist das Landhaus ganz nah bei sich, nicht nur von der Lage her gesehen. Der Süßwasserfisch, drei ganze Fische, begleitet von Ofenkartoffeln und wieder viel Salat, ist eine Entdeckung. Unprätentiös, nur ganz sparsam in Mehl gewälzt, auf den Punkt zubereitet, entfaltet sich der ganze Geschmack – das Landhaus sollte über eine Fischkarte nachdenken.

Trüffel-Parmesan-Pommes zum Steak

Das gereifte Fleisch wird in drei Varianten angeboten, als T-Bone oder Porterhouse, berechnet nach Gewicht, 100 Gramm 6,90 Euro beziehungsweise 8,90 Euro, zwei Beilagen und ein Topping inklusive. Das Steak kommt mit Trüffel-Parmesan-Pommes und Salat, den ich in mediterranes Gemüse aus dem Ofen umbestelle. Der Wunsch nach Medium-Rare, innen rosig bis rot mit dunklem Fleischsaft, wird zwar ge- aber nicht erhört. Das sehr dünne Steak kommt medium. Kein Hadern, als ich es zurück gehen lasse. Allerdings bleibt der Teller auf dem Tisch, kommt kurz darauf die richtige Garstufe auf einem extra Teller.

Auch wenn Fett als Geschmacksträger nötig ist, war hier die Fleisch-Fett-Relation nicht optimal. Wenn zudem explizit auf die Fleischqualität hingewiesen wird, sollte das Sößchen nur an der Seite platziert werden und nicht auf dem ganzen Fleisch – ein pures Verkosten ist so kaum möglich. Eines der teuersten Gerichte befriedigt mich also nicht, wobei für die aufgepeppten Pommes eine Lanze gebrochen werden darf. Dafür entspricht der Cheesecake-Crunch, ein Turm aus Yufka-artigem Teig und zitroniger Käsecreme mit Orangen- Johannisbeersaucen-Duo, einem Sommertag am See.

Das Fazit der Genussexpertin

Essen: 4

Trinken: 4

Service: 3,5

Ambiente: 4,5

Preis-Leistungs-Verhältnis: 3,5

Von Manuela Blisse

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